Urlaub von der Krankheit: Wo Ferien zur Therapie werden

August 2013 | Medizin & Trends

Ob Allergie oder Asthma, Neurodermitis oder Rheuma: Krankheiten machen keinen Urlaub. Doch in der richtigen Umgebung können die Ferien für die Betroffenen zur Therapie werden und zumindest eine vorübergehende Linderung der Beschwerden bringen. MEDIZIN populär hat die besten Tipps.
 
Von Mag. Sabine Stehrer & Mag. Karin Kirschbichler

Heilsam: Meer
Am Strand liegen und den Meereswogen lauschen, am Ufer spazieren gehen und sich beim Schwimmen im kühlen Nass erfrischen: Was für Gesunde ein purer Genuss ist, kann für Menschen mit verschiedenen Krankheiten zur Therapie werden. So bringt das Bad im Meer bei verschiedenen Hautkrankheiten wie Neurodermitis oder Psoriasis eine deutliche Erleichterung. Das ist durch die großen Heilerfolge beim Baden im Toten Meer mit dem besonders hohen Salzgehalt hinlänglich bewiesen. „Das Salz im Meerwasser lässt Entzündungen der Haut abklingen, außerdem lösen sich durch die Einwirkung des Salzwassers Schuppen und Verhornungen“, fasst Univ. Prof. Dr. Wolfgang Schobersberger, Vorstand des Instituts für Sport-, Alpinmedizin und Gesundheitstourismus ISAG am Landeskrankenhaus Innsbruck, die Effekte zusammen.
Doch nicht nur das Meerwasser, sondern auch die Meeresluft wirkt wie ein Heilmittel: Sie enthält viele Aerosole, Teilchen aus Jod und Salz, die den Abtransport von Schleim in den Atemwegen beschleunigen und zudem Entzündungen lindern können. „Daher tut die Meeresluft besonders Menschen mit chronischen Atemwegserkrankungen wie Asthma oder COPD sehr gut“, so Schobersberger. Ob sich die positiven Effekte auch bei einem Urlaub am See allein durch die hohe Luftfeuchtigkeit einstellen? „Studien dazu gibt es noch nicht, doch wenn sich Menschen mit chronischen Atemwegserkrankungen an einem See sehr wohl fühlen und sie sich dort gut entspannen können, wird das auch ihre Beschwerden lindern“, ist Schobersberger überzeugt.
Vom Meerwasser hingegen profitieren auch Rheuma-Patienten. Durch die starken Auftriebskräfte nimmt es den Druck vom Körper, was von Rheumatikern als Erleichterung empfunden wird. Zumindest vorübergehend bringt das Meer darüber hinaus Menschen mit Tinnitus eine Linderung, da das Meeresrauschen die eigenen, belastenden Ohrgeräusche übertönt.

Erholsam: Gebirge
Frische, klare Luft, Bewegung in atemberaubend schöner Natur, Erfolgserlebnisse beim Gipfelstürmen: Dass derlei der Psyche gut tut, bewiesen erst kürzlich Forscher der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Salzburg. Sie haben 20 Menschen mit Depressionen einige Monate lang zwei- bis dreimal in der Woche auf Wanderungen begleitet. Nach 50 Touren fühlten sich die Betroffenen so viel besser, dass nun geplant ist, Wandern und Bergsteigen als Bewegungstherapie in die Behandlung von Depressiven einzubauen.    
Bereits im Jahr 2000 wiesen Forscher unter der Leitung von Schobersberger und Univ. Prof. Dr. Egon Humpeler, Internist in Bregenz, im Rahmen der sogenannten AMAS (Austrian Moderate Altitude Study) nach, dass sich Bergwandern in vielerlei Hinsicht positiv auf die Gesundheit auswirkt. „Die Teilnehmer hielten sich drei Wochen lang in einer Höhe von 1500 bis 2000 Metern auf und unternahmen täglich Touren“, beschreibt Schobersberger die Studie. „Sie hatten alle starkes Übergewicht und haben durch die Wanderungen Gewicht verloren.“ Bei den Bluthochdruckpatienten unter den Teilnehmern sank zudem der Blutdruck, und alle waren entspannter als zuhause, sie schliefen auch besser.“
Auch Menschen mit Pollenallergie sind im Gebirge gut aufgehoben: Ab 1500 Höhenmeter ist die Luft annähernd pollenfrei. Wie sich der Aufenthalt in der Höhe auf die Gesundheit von Menschen auswirkt, die an verschiedenen anderen Allergien leiden, wird derzeit in einer groß angelegten Studie des ISAG und der Innsbrucker Universitätsklinik für Dermatologie untersucht.

Spritzig: Wasserfall
Spritzbad nannten unsere Ahnen, was man in unmittelbarer Nähe eines Wasserfalls erleben kann. Dass es wertvoll für die Gesundheit ist, von der Gischt nass zu werden, wiesen Forscher der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Salzburg 2009 in einer Studie an den Krimmler Wasserfällen nach. Dabei hielten sich Kinder im Alter von acht bis 14 Jahren, die an Asthma litten, drei Wochen lang jeweils eine Stunde am Tag in der Nähe des Wasserfalls auf. Schon während die Studie noch lief, gingen ihre Beschwerden zurück, und ihre Lungenfunktion verbesserte sich deutlich. Die Heilerfolge hielten noch bis zu vier Monate nach dem Aufenthalt an. „Begründet werden die positiven Ergebnisse mit dem hohen Gehalt an negativen Luftionen in der Umluft des Wasserfalls“, erklärt Schobersberger. „Diese Ionen beschleunigen die Reinigung der Schleimhäute in den Atemwegen und erleichtern das Luftholen.“ Ob diese Effekte nur an den Krimmler Wasserfällen erzielt werden können oder auch durch den Aufenthalt an anderen Wasserfällen, ist noch Gegenstand von Forschungen. Schobersberger: „Möglicherweise ist der Ionisierungsgrad der Luft in der Nähe von Wasserfällen abhängig von der Höhe des Wasserfalls und dem Ort des Aufpralls.“

Reizarm: Wüste
Kein Handymast, aber auch kein Baum, der den Blick verstellt; kein Verkehrslärm und auch keine Menschenmassen, die einem den letzten Nerv rauben: Urlaub in der Wüste bedeutet vor allem Reizarmut. Balsam für Menschen mit Burn-out und chronischem Stress? „Studien dazu gibt es noch nicht“, so Schobersberger. „Doch es ist gut vorstellbar, dass es für Menschen, die unter Reizüberflutung leiden, gut ist, dem Ruf der Wüste zu folgen.“

 

Stand 7/2013

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