Elisabeth Oberzaucher

April 2018 | Prominente & Gesundheit

„Um Wissenschaft den Menschen näher zu bringen, gibt es kein besseres Mittel als den Humor.“
 
Sie beschäftigt sich wissenschaftlich mit unserem Verhalten und schlägt vor, was wir besser machen könnten:
Der breiten Öffentlichkeit bekannt ist die mehrfach ausgezeichnete Verhaltensbiologin Dr. Elisabeth Oberzaucher vor allem wegen ihrer Mitwirkung beim Wissenschaftskabarett „Science Busters“.
Im Gespräch mit MEDIZIN populär erzählt die 43-Jährige, die aus Hermagor in Kärnten stammt und in Wien lebt, warum ihr die „Science Busters“ so sehr am Herzen liegen und warum überhaupt Humor so wichtig ist.
 
Von Mag. Sabine Stehrer

MEDIZIN populär
Wir steuern gerade auf den Höhepunkt der Faschingszeit zu, wo sich der Mensch gern für Bälle, Partys und Faschingsumzüge verkleidet. Warum bereitet das aus Ihrer Sicht als Anthropologin, also Verhaltensbiologin, vielfach so großen Spaß?

Dr. Elisabeth Oberzaucher
Der Mensch verkleidet sich gern, weil er auf diese Art und Weise aus dem Alltag ausbrechen kann, durch die Maske Narrenfreiheit gewinnt und oft Dinge macht, die er sonst nie machen würde.

Zumindest ungewöhnliche Dinge machen auch Sie – für eine Biologin, wohl selbst für eine Verhaltensbiologin. Unter anderem haben Sie ja erforscht, ob der marokkanische König Moulay Ismael, der im 17. Jahrhundert regierte, wirklich wie überliefert 1171 Kinder zeugen konnte. Wie sind Sie akkurat auf dieses Forschungsthema gekommen?

Man sagt immer, die Fortpflanzungsfähigkeit der Frau sei begrenzt, die des Mannes unbegrenzt. Da dieser Unterschied zwischen Frau und Mann oft als Argument dient, dass die Frau dem Mann unterlegen sei, wollte ich mir das genauer ansehen. Also haben wir untersucht, unter welchen Umständen es für den marokkanischen König wirklich möglich gewesen sein könnte, so viele Kinder zu zeugen. Zwar hatte er laut schriftlicher Überlieferung einen Harem mit 500 Frauen, aber für die ihm nachgesagten 1171 Kinder hätte er sein Leben lang jeden Tag mindestens einmal, besser noch mehr als zweimal Sex haben müssen und das auch während seiner vielen Kriegsfeldzüge. So hätte er, wenn alle 1171 Kinder von ihm waren, wirklich viel geleistet (lacht).
   
Für diese Forschungsarbeit haben Sie den ‚Ig-Nobelpreis‘ bekommen, wobei ‚Ig‘ für ‚ignorable‘ steht, was übersetzt so viel wie ‚unwürdig‘ heißt, also einen Preis, der nicht nach Renommee klingt, aber sehr bedeutend ist…

…Ja, der Ig-Nobelpreis ist eine Trophäe, die ungewöhnliche, fantasievolle Forschung ehrt…über diesen Preis habe ich mich wahnsinnig gefreut!

Was erforschen Sie sonst noch?

Gemeinsam mit Wissenschaftern der ‚Paracelsus Medizinischen Universität in Salzburg‘ forschen wir zum Beispiel darüber, wie sich das Wohlbefinden in den eigenen vier Wänden steigern lässt. Diese Forschungen zeigen, dass viel Tageslicht in den Räumen, Möbel aus Naturholz und viele Grünpflanzen das Wohlgefühl steigern, vor allem, weil uns das alles im tiefsten Inneren an unsere Abstammung aus Wäldern erinnert. Grün hilft uns aber auch nachweislich beim Stressabbau, entspannt also. Für das Raumklima wichtig ist außerdem richtiges Putzen, nicht mit Desinfektionsmitteln, die eine übertrieben hygienische Situation schaffen, sondern so, wie das unsere Groß- und Urgroßmütter taten. Damit meine ich die Reinigung mit schonenden Reinigungsmitteln wie Essig, Seife und Wasser, die ein gesundes Mikrobiom – eine Welt aus Bakterien und anderen Mikroorganismen – ermöglicht, die unserer Gesundheit guttut.
 
Warum hält sich der eine an solche Empfehlungen und der andere nicht?

Ich denke, Gesundheit und gesund zu sein, ist jedem wichtig. Aber es ist heutzutage auch eine finanzielle Frage, eine Frage des Status, ob ein gesundes Leben möglich ist. Man muss zum Beispiel über die nötigen finanziellen Mittel verfügen, um gesunde Lebensmittel wie Biofleisch oder Biogemüse kaufen zu können, die ja mehr kosten als andere Nahrungsmittel, geschweige denn als ein Fast Food-Menü. Hier sehe ich einen Interventionsbedarf der Politiker. Würden sie diesbezüglich aktiv werden, würde dies bestimmt dazu dienen, die Volksgesundheit zu verbessern.

Wie halten es denn Sie selbst mit der Gesundheit?

Ich treibe hin und wieder mit meiner Gesundheit Raubbau, indem ich zu wenig schlafe. Ich mache auch kaum Sport. Aber ich gehe wenigstens viel zu Fuß, indem ich die notwendigen Wegstrecken nicht mit dem Auto und zum Teil auch nicht mit der Straßenbahn oder U-Bahn zurücklege, sondern gehend. Da kommen schon ein paar Kilometer am Tag zusammen. Und ja, wenn ich zuhause bin, dann koche ich mir meist auch etwas Frisches und wohl auch Gesundes.

Das klingt nach wenig Zeit, dennoch machen Sie neben der Forschungsarbeit auch beim Wissenschaftskabarett ‚Science Busters‘ mit und zuletzt waren Sie bei der ORF-Sendung ‚Österreich kann‘ zu sehen …

… Ja, ‚Österreich kann‘, da habe ich meinen Senf dazu gegeben, das hat Spaß gemacht, aber da können auch andere statt mir mitmachen… Die ‚Science Busters‘ liegen mir allerdings sehr am Herzen. Dort geht es darum, die Wissenschaft den Menschen näher zu bringen. Das halte ich für nötig, denn Wissenschaft ist wichtig, Forschungen sind wichtig, um aufgrund der Erkenntnisse und Ergebnisse das Leben der Menschen besser gestalten zu können. Um da die Tür in Richtung Verständnis, Akzeptanz und Anerkennung der wissenschaftlichen Arbeit einen Spalt weit aufzubringen, im Idealfall noch weiter, gibt es kein besseres Mittel, keine bessere Brücke, als den Humor.

Für welche Ihrer Forschungen möchten Sie den nächsten Preis bekommen?

(Lacht.) Am meisten mag ich selbst die Stadtforschung, weil ich es sehr spannend finde, wie subtile, also sogar kleine, auf den ersten Blick kaum auffallende, Veränderungen das Verhalten von Menschen in der Öffentlichkeit beeinflussen. So können zum Beispiel Bereiche geschaffen werden, die Menschen gern aufsuchen. Irgendwann beginnen die Menschen dann einander zu grüßen, miteinander zu plaudern und in gewisser Weise aufeinander aufzupassen. Auch für den Platz entwickeln sie ein Verantwortungsgefühl, sagen sich, ein bisserl gehört er ja mir und heben dann zum Beispiel ein Papierl vom Boden auf, um es in den Mistkübel zu werfen. So führt eine veränderte Struktur zu einer verschönerten und freundlicheren, aggressionsfreieren Stadt.

Kurz & Persönlich:

  • Familienstand: verheiratet
  • Lieblingsort: ich bin viel unterwegs und fühle mich an vielen Orten wohl
  • Lieblingsurlaubsort: dort, wo ich Erholung mit kultureller und Naturerfahrung verbinden kann
  • Hobbys: meine vielfältigen beruflichen Aktivitäten, Lesen, Spazierengehen, saisonaler Freiluftsport
  • Lieblingsessen: so ziemlich jedes Obst und Gemüse, Weltküche
  • Lieblingsgetränk: Tee, literweise
  • Lieblingsmusik: bunt, von Klassik bis Rock
  • Lieblingsautor: David Lodge

Webtipp:
Informationen über das Wissenschaftskabarett „Science Busters“ und das aktuelle Programm auf: www.sciencebusters.at

Stand 02/2018

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