Sonne auf der Haut?

Mai 2019 | Kosmetik & Pflege

Acht Mythen rund um Sonne und Haut.
 
– Von Mag. Sabine Stehrer

Um das Thema Sonne ranken sich viele Mythen, wir haben die gefragtesten auf ihren Wahrheitsgehalt geprüft:

Mythos 1
„Nur wer häufig einen Sonnenbrand hatte, ist gefährdet, an Hautkrebs zu erkranken.“

Wahr ist: „Das Risiko, an Hautkrebs zu erkranken, kann nicht nur daran gemessen werden, wie oft jemand einen Sonnenbrand hatte“, sagt Dr. Helmut Kehrer vom Ordensklinikum der Elisabethinen in Linz. „Relevant für die Gefahr der Entstehung eines malignen Melanoms, des schwarzen Hautkrebses oder von weißen Hauttumoren ist vielmehr, wie lang man in der Sonne war.“
Wird die Haut immer wieder über viele Stunden, – etwa bei Arbeiten, bei Sport, beim Spielen in der Sonne oder beim Sonnenbaden mangelhaft geschützt der Strahlen ausgesetzt, kommt es zu DNA-Schäden in den Hautzellen.

Mythos 2
„Wasserfeste Sonnencremen braucht man nach dem Baden nicht erneuern.“

Wahr ist: „Auch Sonnencremen, die als wasserfest bezeichnet werden, sind nicht ganz wasserfest“, weiß Kehrer. „Wenn man länger schwimmt oder sich auch nur länger im Wasser aufhält, schützen sie nicht mehr ausreichend vor der Sonne.“ Physikalische Cremen, die mikroskopisch kleine, die Sonne abweisende Partikel aus Titanoxid oder Zinkoxid enthalten, und als weiße Schicht auf der Haut sichtbar sind, lösen sich im Pool, See oder Meer im Übrigen noch leichter ab, als chemische Cremen, die wirken, indem sie in der Haut die UV-Strahlen absorbieren und in Wärmestrahlung umwandeln. Ob chemische Creme oder physikalische – so oder so gilt: „Nach dem Baden sollte man wie alle Cremen auch wasserfeste Cremen neu auftragen.“ Wer nicht badet, aber stark schwitzt, sollte  sich auf jeden Fall alle zwei bis drei Stunden neu einschmieren.

Mythos 3
„Tagescremen mit Lichtschutzfaktor 15 reichen als Schutz im Alltag aus.“

Wahr ist: „Lichtschutzfaktor 15, den viele Kosmetika enthalten, ist zwar kein Nachteil, bringt aber wenig“, betont Dr. Helmut Kehrer vom Ordensklinikum der Elisabethinen in Linz und führt aus, warum das so ist: „Meistens werden die Tagescreme oder das Make-up in der Früh aufgetragen. Bis man dann zum Beispiel mittags ins Freie kommt, ist der Sonnenschutz nicht mehr wirksam.“ Wer frei hat und gleich nach dem morgendlichen Pflegen und Schminken in die Sonne geht, sollte bedenken, dass ein Produkt mit einem derart geringen Lichtschutzfaktor die Haut nicht lang schützt: Hellhäutige Menschen mit Hauttyp I, die eine Eigenschutzzeit von zehn Minuten haben, kommen mit Faktor 15 auf eine Schutzzeit von zehn mal 15 Minuten, also 150 Minuten oder zweieinhalb Stunden.

Eigenschutzzeit der Haut + Lichtschutzfaktor = Minuten, die man geschützt in der Sonne bleiben kann

Hauttyp und Eigenschutz

Bezogen auf die Empfindlichkeit gegenüber der Sonne gibt es sechs Hauttypen mit verschieden langen Eigenschutzzeiten. Einen geringen Eigenschutz haben der keltische Typ I (bis zu zehn Minuten), der nordische Typ II (bis zu 20 Minuten) und der Mischtyp III (bis zu 30 Minuten). Einen länger anhaltenden Eigenschutz haben der mediterrane Typ IV (länger als 30 Minuten), der dunkle Typ V (länger als 90 Minuten) und der schwarze Typ VI (länger als Typ V).
Multipliziert man die Eigenschutzzeit mit dem Lichtschutzfaktor der Sonnencreme, die in großer Menge auf die Haut aufgetragen wird, ergibt sich daraus die Zeit, die man in der Mittagssonne im Sommer in Mitteleuropa ohne Sonnenbrand verbringen kann.
Bei starkem Schwitzen, im Gebirge, am Wasser, in Sand und Schnee und in den Tropen ist die Eigenschutzzeit kürzer.

Mythos 4
„Vorbräunen im Solarium schützt die Haut vor Sonnenschäden.“

Wahr ist: „Durch die Bestrahlung der Haut mit UVA-Strahlen, die Solarien meist ausschließlich abgeben, wird zwar Pigment, also dunkler Farbstoff, in der Hautoberfläche abgelagert, der die Haut bräunt“, erklärt Kehrer und ergänzt: „Dadurch wird aber kein ausreichender, länger anhaltender Lichtschutz aufgebaut. Deswegen ist die Haut durch Vorbräunen im Solarium auch nicht vor den Strahlen der Sonne geschützt.“ Die Lichtstrahlen der Sonne bestehen nicht nur aus UVA-, sondern auch aus UVB- und UVC-Strahlen, wobei die UVC-Strahlen nicht bis zur Erdoberfläche gelangen. Nur die UVB-Strahlen der Sonne führen dazu, dass die Haut einen adäquaten Schutz vor der Sonne aufbaut. Laut dem Dermatologen Kehrer ist daher ein langsames Gewöhnen an die Sonne sinnvoll, allerdings sollten besonders Menschen mit einem sehr hellen Hauttyp auch dabei bereits eine Sonnencreme verwenden.

Mythos 5
„Helle Kleidung schützt am besten vor der Sonne.“

Wahr ist: „Dass die Beduinen in der Wüste meist schwarze oder dunkelblaue Kleidung tragen, hat einen guten Grund“, sagt Kehrer und nennt diesen: „Dunkle Kleidung absorbiert die Strahlen der Sonne fast zur Gänze, saugt sie auf, während helle Kleidung zwar einen Teil der Strahlung reflektiert, aber auch einen erheblichen Teil durchlässt.“ Außerdem schützt Kleidung aus dichtem Gewebe besser vor Schäden durch die Sonne als oft grob gewebtes Leinengewand, das bei Hitze zwar angenehm zu tragen ist, wo aber mehr Strahlen durchdringen. Wenn es um die Wahl der richtigen Kleidung bei Aufenthalten oder Unternehmungen in der Sommersonne geht, sollte die Kleidung zudem empfindliche Hautstellen bedecken: Ein Ausflug auf den See, das Meer oder in die Berge im Shirt mit Spaghettiträgern oder kurzer Hose kann fatal enden – mit einem heftigen Sonnenbrand auf Schultern, im Nacken und an den Waden.
Ebenfalls wichtig, besonders bei schütterem Haar oder einer Glatze: Ein Hut oder eine Kappe zum Schutz der Kopfhaut. Ein Muss ist die Sonnenbrille.

Mythos 6
„Wer immer Sonnencreme verwendet, bleibt nicht nur blass, sondern riskiert auch einen Vitamin D-Mangel.“

Wahr ist: „Die Haut wird auch dann braun, wenn man bei Aufenthalten in der Sonne immer Sonnencreme auf die Haut aufträgt“, versichert Kehrer. „Der Prozess der Bräunung läuft dann zwar langsamer ab, dafür hält die Sonnenbräune aber länger an.“ Auf die Bildung von Vitamin D durch die Sonnenbestrahlung der Haut hat die Verwendung von Sonnencreme laut dem Dermatologen keinen relevanten Einfluss: „Wer im Sommer viel draußen ist, wird normalerweise trotz Sonnencreme einen ausreichend hohen Vitamin D-Spiegel erreichen können.“

Mythos 7
„Sicherheitshalber sollte jeder gleich eine Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor 50 verwenden.“

Wahr ist: „In unseren Breitengraden ist das übertrieben“, sagt Kehrer und empfiehlt eine Creme mit Lichtschutzfaktor 30. Höhere Lichtschutzfaktoren sind nur bei sportlichen Unternehmungen auf den Seen und Bergen nötig – sowie für Kinder empfehlenswert, die einen hellen Hauttyp haben oder für Erwachsene, deren Haut besonders empfindlich auf die Sonnenbestrahlung reagiert, etwa weil sie Medikamente nehmen, die die Haut sensibilisieren (siehe Kasten unten).

Mythos 8
„Um einen Sonnenbrand wieder los zu werden, reicht es, ein paar Tage nicht in die Sonne zu gehen.“

Wahr ist: „Für die Haut ist es besser, wenn aktiv etwas gegen den Sonnenbrand unternommen wird“, sagt Kehrer. „Wichtig ist es viel Wasser zu trinken, da der Körper durch die Entzündung der Haut, die der Sonnenbrand darstellt, mehr Flüssigkeit verliert.“ Außerdem gut: Auf die geröteten Hautflächen kühlende Lotionen oder Gels auftragen, die zur Behandlung von Sonnenbrand gedacht sind. Haben sich auf der geröteten Haut auch Brandblasen gebildet, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Denn bleibt eine Behandlung mit entzündungshemmenden Medikamenten aus, steigt die Gefahr für eine Infektion der Haut und Hauterkrankungen.

Einmal jährlich kontrollieren

Auch ohne Beschwerden, und selbst wenn keine Veränderungen an Muttermalen festgestellt werden, sollten Haut und Muttermale einmal jährlich vom Hautarzt kontrolliert werden. Aus den Muttermalen kann sich – meist bedingt durch zu lange Sonnenbestrahlung – ein malignes Melanom, der schwarze Hautkrebs, entwickeln. Daran erkrankten laut Statistik Austria zuletzt mehr als 1700 Österreicher pro Jahr neu, mehr als 350 starben. Dabei können bei Früherkennung fast alle dieser Tumore geheilt werden. Auch weißer Hautkrebs, an dem jährlich rund 20.000 Österreicher vorrangig höheren Alters erkranken, ist ein Spätschaden von zu viel Bestrahlung durch die Sonne. Diese Tumorart ist zwar weniger lebensbedrohlich, kann im schlimmsten Fall aber bis in die Knochen wachsen – und ist bei Früherkennung oft schon durch das Auftragen von speziellen Salben zum Verschwinden zu bringen.

Vorsicht bei Medikamenten

Bei der Einnahme von bestimmten Medikamenten ist mehr Schutz vor der Sonne erforderlich – durch Meiden intensiver
Sonnenbestrahlung, Kleidung, die gut vor der Sonne schützt, und Sonnencreme. Laut Dr. Helmut Kehrer können zum Beispiel folgende Mittel die Empfindlichkeit der Haut gegenüber der Sonnenbestrahlung erhöhen:

  • Antibiotika
  • Vitamin A-haltige Präparate, zum Beispiel gegen Akne oder gegen Psoriasis, die Schuppenflechte
  • Rhythmologika zur Verbesserung des Herzrhythmus
  • Immunsuppressiva, Medikamente, die das Immunsystem beeinflussen.


Risiko Sonne…

…bei „Herpes-Lippen“
Auf einen guten Schutz der Lippen vor der Sonne sollte bei „Herpes-Lippen“ geachtet werden: Eine zu starke oder zu lange Sonnenbestrahlung erhöht bei Anfälligen das Risiko für Schäden, die wiederum die Reaktivierung von Herpes-simplex-Viren Typ 1 zur Folge haben – und die Bildung von Fieberblasen.

…bei trockener Haut

Sonnenschutz ist auch bei spröden Lippen und trockener Haut besonders wichtig, da diese Partien meist empfindlich sind und stärker auf die Sonne reagieren. Neben dem Risiko für einen Sonnenbrand ist durch die Einwirkung von Sonne und Hitze auch die Gefahr für weiteres Austrocknen erhöht: Betroffene sollten daher nach dem Sonnenbaden auf entsprechende Pflege achten.


Buchtipp

Breier, Gruber
Hautkrebs Vorbeugen, erkennen behandeln
ISBN 978-3-99052-159-5
150 Seiten Seiten, € 17,90
Verlagshaus der Ärzte

 

Stand 05/2019

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