Sicher in der Sonne

Mai 2018 | Medizin & Trends

Sonnenlicht steigert Vitalität und Wohlbefinden. Ebenso bekannt ist aber auch, dass die Sonne mit vorzeitiger Hautalterung und der Entstehung von Hautkrebs ihre Schattenseiten hat. Welcher Sonnenschutz Ihrem Hauttyp gerecht wird und wie Sie Hauttumoren vorbeugen.
 
– Von Mag. Helga Schimmer

Obwohl wir Menschen seit jeher dem Sonnenlicht ausgesetzt sind, verfügt unsere Haut im Gegensatz zu behaarten, gefiederten oder geschuppten Tieren nur über wenige natürliche Schutzeinrichtungen, Dazu zählen die bei Sonneneinwirkung dicker werdende Hornhaut (Lichtschwiele). Und auch die Bräunung durch den hauteigenen Farbstoff Melanin sowie DNA-Reparaturmechanismen, die sonnenbedingte Erbgutschäden in den Hautzellen unbemerkt wiedergutmachen. Das Reparieren gelingt allerdings nicht immer und schon gar nicht vollständig. Die Rechnung der in der Jugend begangenen Sonnensünden bekommen wir dann erst Jahrzehnte später präsentiert – als Pigmentflecken, unschöne Runzeln oder gar bösartige Hauttumoren.
„Durch die gestiegene durchschnittliche Lebenserwartung treten die beiden sonnenbedingten Langzeitschäden Hautalterung und Hautkrebs in den letzten Jahrzehnten immer mehr in den Vordergrund“, bestätigt Assoc. Prof. Dr. Christian Jantschitsch, Oberarzt an der Universitätsklinik für Dermatologie in Wien. Diesem Trend lässt sich durch Sonnenschutzmittel entgegenwirken. „Sie bewahren vor kurzfristigem Schaden, dem durch kurzwellige UV-B-Strahlung hervorgerufenen Sonnenbrand“, sagt Jantschitsch.
Neueren Erkenntnissen zufolge wirkt aber auch langwelliges UV-A-Licht an der Entstehung von Hautkrebs mit, und es gibt außerdem Anzeichen dafür, dass bestimmte Infrarot-Strahlen (IR) am Hautalterungsprozess beteiligt sind. „Das ist bemerkenswert, denn lange Zeit wurde propagiert, dass UV-A-Licht nur für die Hautalterung verantwortlich und IR-Strahlung nur als Wärme spürbar ist“, weiß der Experte.

Was Sonnenschutzmittel leisten können
Daraus folgt einerseits, dass Sonnenschutzmittel die wichtigste vorbeugende Maßnahme gegen Hautalterung sind, und andererseits: Um auch dem Hautkrebs vorzubeugen, muss das Sonnenschutzmittel neben einem guten UV-B-Filter auch einen ausreichenden UV-A-Schutz enthalten. „Mittlerweile ist wissenschaftlich belegt, dass in der EU erhältliche Sonnenschutzmittel vor weißem Hautkrebs und bis zu einem gewissen Grad auch vor schwarzem Hautkrebs schützen können“, so Hautfacharzt Christian Jantschitsch.

Sonnenschutzmittel werden nach UV-B-Lichtschutzfaktor (LSF) in

  • niedrig (LSF 6, 10),
  • mittel (LSF 15, 20, 25),
  • hoch (LSF 30, 50) und
  • sehr hoch (LSF 50+) eingeteilt.

Der Lichtschutzfaktor gibt an, um wievielmal länger man mit Sonnenschutzmittel in der Sonne bleiben kann als ohne. Theoretisch, wohlgemerkt. „In der Praxis sollte ein hoher Lichtschutzfaktor freilich nicht dazu verleiten, möglichst lange in der Sonne zu braten“, warnt Jantschitsch.

Hoher Lichtschutzfaktor

Der Dermatologe gibt auch zu bedenken, dass zum Erreichen des auf der Packung angegebenen Lichtschutzfaktors (LSF) eine meist unrealistisch große Menge an Sonnenlotion aufgetragen werden müsste. Schließlich creme sich kaum jemand so dick ein, bis seine Haut sich klebrig anfühlt oder ein weißer Fettschleier sichtbar ist. „Wählen Sie deshalb ein Sonnenschutzmittel mit hohem bis sehr hohem LSF, weil dadurch auch mit einer normal großen Menge noch ein vernünftiger Lichtschutz erreicht werden kann.“

Hauttypgerecht geschützt

„Während für weniger empfindliche Personen LSF 30 oder 50 genügt, sollten sehr hellhäutige, zum Sonnenbrand neigende Menschen immer LSF 50+ verwenden“, empfiehlt Prof. Jantschitsch. In der Tagespflege reiche ein mittlerer LSF aus. Von Präparaten mit LSF 6 oder 10 müsse generell abgeraten werden.
Wichtig ist es, alle der Sonne ausgesetzten Körperstellen reichlich einzucremen und den Schutz regelmäßig alle vier bis fünf Stunden zu erneuern. Diese Konsequenz lohnt sich besonders zu Sommerbeginn, wenn die Haut noch keinen Eigenschutz aufgebaut hat. „Wiederholen Sie das Auftragen von Sonnenschutzmittel immer auch nach dem Schwimmen, selbst wenn Sie wasserfeste Produkte verwenden, weil ein Teil des Mittels immer weggespült wird“, rät Jantschitsch.
Überdies sollte der Fettgehalt des Sonnenschutzmittels zum Hauttyp passen: Je trockener die Haut, desto mehr Fett darf im Produkt enthalten sein. Umgekehrt eignen sich für fettige Haut wässrige Zubereitungen besser. Sie ermöglichen auch eine ungehinderte Transpiration und beugen somit der Pustelbildung vor. Apropos: Akne-Patienten schützen ihre Haut am besten mit einem fettfreien LSF 50-Gel.

Täglicher Sonnenschutz
Sonnenschutzmittel sind aber nicht nur ein unverzichtbares Pflegeutensil am Urlaubsstrand. „Gerade auch täglich verwendete Pflegecremes mit eingearbeitetem Sonnenschutz wirken vorbeugend gegen Hautalterung und Hautkrebs“, betont Jantschitsch.
Hält sich ein sonnenempfindlicher Mensch vernünftigerweise wenig in der Sonne auf und verwendet zudem ein Produkt mit LSF 50+, kann sich ein Vitamin-D-Mangel entwickeln. „Das ist aber kein großes Problem, da Vitamin D einfach, gefahrlos und preiswert als Nahrungsergänzungsmittel zugeführt werden kann“, sagt der Experte. Wer in diesem Punkt unsicher ist, lässt am besten bei der nächsten Blutuntersuchung den Vitamin-D-Spiegel mitbestimmen.   

Drei goldene Regeln zur Hautkrebs-Vorbeugung

1. Konsequenter Sonnenschutz. Dazu zählt neben dem regelmäßigen Verwenden von hauttypgerechten Sonnenschutzmitteln und Pflegecremen mit mittleren LSF auch cleveres Verhalten: Braten Sie nicht in der Sonne, auch im Schatten wird man braun.
2. Richtige Kleidung. Sie kann mehr UV-Schutz bieten als Cremen, wobei dichte, trockene Gewebe besser schützen als dünne, nasse Stoffe. Hut, Hemd und Hose sowie eine UV-undurchlässige Sonnenbrille sind also durchaus nützliche Sommeraccessoires.
3. Hautärztliche Kontrolle. Lassen Sie einmal jährlich ein – völlig schmerzfreies – Hautkrebs-Screening beim Dermatologen durchführen. Sollte Ihnen eine verdächtige Hautveränderung auffallen, suchen Sie unverzüglich Ihren Hautarzt auf.

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Warum Sie jede Hautveränderung ernst nehmen sollten
MR Dr. Johannes Neuhofer, Bundesfachgruppenobmann der Österreichischen Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie über weißen und schwarzen Hautkrebs:

  • „Die Haut vergisst keinen Strahl.”

„Fünf Sonnenbrände in der Kindheit verdoppeln das Risiko, als Erwachsener an bösartigem Hautkrebs zu erkranken“, weist Neuhofer auf die Dringlichkeit eines ausreichenden Sonnenschutzes schon für die Kleinsten hin. Da UV-Strahlen in Kinderhaut wesentlich tiefer eindringen und ihre negativen Auswirkungen sich im Lauf des Lebens summieren, sind Eltern besonders gefordert. „Verhindern Sie unbedingt, dass Ihre Sprösslinge zwischen 11 und 15 Uhr in der prallen Sonne spielen, und sorgen Sie darüber hinaus mit LSF 50+ und schützender Kleidung sowie Kopfbedeckung vor.“
Doch nicht nur Kinder sind gefährdet. „Insbesondere für hellhäutige Menschen des keltischen und nordischen Typs gilt es, ihre Veranlagung zu akzeptieren und in puncto Bräune nicht den dunklen Südländern nachzueifern“, rät Neuhofer. Auch ein Schneewittchen-Teint ist attraktiv.

  • „Melanome sind nur bei Früherkennung heilbar.”

Die gefährlichste Hauttumorart ist das Melanom. Dieser schwarze Hautkrebs macht sich in aller Regel nicht durch auffälliges Aussehen oder Juckreiz bemerkbar, neigt aber dazu, bereits in frühen Stadien Metastasen – Tochtergeschwülste in anderen Organen – zu bilden. „Deshalb ist die Früherkennung, sprich: die jährliche Muttermalkontrolle beim Hautarzt, so wichtig“, bekräftigt Neuhofer. Wird das Melanom operativ entfernt, bevor es streut, ist es vollständig heilbar.
*   „Lichtschäden sind ein guter Nährboden für Hautkrebs.”
Während schwarzer Hautkrebs auch bei jungen Menschen auftreten kann, sind vom weißen Hautkrebs vorwiegend Ältere betroffen. Hierbei unterscheidet man das häufige Basaliom (Basalzellkarzinom) vom selteneren Spinaliom (Plattenepithelkarzinom, Stachelzellkrebs). Dr. Neuhofer: „Basaliome bilden zwar keine Metastasen, können aber durch ihr starkes Wachstum angrenzendes Gewebe zerstören und – beispielsweise am Auge – großen Schaden anrichten.“
Spinaliome wachsen ungehemmt und können Tochtergeschwülste in anderen Organen bilden. Ihre Vorläufer, die aktinischen Keratosen, werden von Betroffenen oft als trockene Haut verkannt, sind jedoch Anzeichen eines ausgeprägten Lichtschadens. Unter der meist fest anhaftenden Schuppenschicht kann unbemerkt ein Tumor sprießen.

  • „Wir werden unseren Hautkrebs noch erleben.”

„Bei jedem Zweiten über 70-Jährigen zeigt sich weißer Hautkrebs oder eine Vorstufe davon“, berichtet Dr. Neuhofer aus seiner Praxis. „Selbst im hohen Alter bedarf die Krankheit jedenfalls einer Behandlung, da sie tödlich enden kann.“ Können Basal- und Stachelzellkrebs nicht vollständig chirurgisch entfernt werden, kommen Salben zum Einsatz, die
die Abwehrreaktion der Haut gegen die Krebszellen aktivieren. Bei der photodynamischen Therapie wird zunächst eine Creme mit einem lichtempfindlichen Wirkstoff aufgetragen, der sich in den Krebszellen ansammelt, und nach einigen Stunden mit kaltem Rotlicht bestrahlt.   

Stand 05/2018

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