Gebärmuttersenkung: Neue Methode

September 2007 | Medizin & Trends

Ein Netz hilft aus der Not
 
Frauen mit Gebärmuttersenkung kann jetzt eine neue Methode helfen, bei der ein Netz in den Unterleib gespannt wird. Das bringt sozusagen alles wieder ins Lot und beseitigt jene Leiden, die mit der schlechten Lage des weiblichen Fortpflanzungsorgans verbunden sind. MEDIZIN populär sagt, wie das vor sich geht.
 
Von Mag. Sabine Stehrer

Woran merkt man, dass man eine Gebärmuttersenkung hat? Dr. Christian Ritt, Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe im Beckenbodenzentrum am Krankenhaus Göttlicher Heiland in Wien nennt die Symptome: „Die meisten betroffenen Frauen klagen über einen Druck im Bauch“, sagt er. „Oder sie haben
ein Gefühl, als hätten sie einen Fremdkörper im Unterleib.“ Weitere häufig auftretende Anzeichen einer schlechten Lage des weiblichen Fortpflanzungsorgans sind eine Blasenschwäche, die sich durch unfreiwilligen Urinverlust beim Husten, Lachen oder Niesen äußert, Probleme mit der Verdauung, Schwierigkeiten bei der Darmentleerung sowie auch unangenehme Druckgefühle oder Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. Im fortgeschrittenen Stadium einer Senkung, also dann, wenn die Gebärmutter beginnt, in die Scheide zu rutschen, kann es auch zu Druckgeschwüren in der Scheide und in der Folge zu Scheidenentzündungen mit juckendem und blutigem Ausfluss kommen. In diesen Fällen und beim Gebärmuttervorfall, also wenn die Gebärmutter bereits im Scheideneingang sichtbar ist, helfe meistens nur noch eine Operation, bei der die Gebärmutter entfernt wird, sagt Dr. Ritt. Was tun, damit es nicht so weit kommt?

Dr. Ritt: „Die beste Vorsorgemaßnahme ist, mindestens einmal im Jahr zu einer Gynäkologin oder einem Gynäkologen zu gehen und sich gründlich untersuchen zu lassen.“ Bei der gynäkologischen Untersuchung können die Ärztin oder der Arzt beispielsweise durch eine Kontrolle der Lage des Muttermunds bereits einen ersten Hinweis auf eine Gebärmuttersenkung erkennen. „Und je früher eine Senkung erkannt wird, desto leichter ist es, sie zu therapieren“, sagt Dr. Ritt.  

Netz verwächst mit Gewebe
Doch auch wenn die Früherkennung verpasst wurde und die Senkung schon etwas ausgeprägter ist, was die Mediziner Indikationsstufe zwei oder drei nennen, braucht man heutzutage nicht mehr gleich befürchten, dass die Gebärmutter entfernt werden muss. In vielen Fällen kann eine neuartige, in Frankreich entwickelte Operationsmethode dabei helfen, sozusagen alles wieder ins Lot zu bringen und jene Leiden zu beseitigen, die Folge der schlechten Lage des weiblichen Fortpflanzungsorgans sind. Dr. Ritt hat den Eingriff bereits mehrfach durchgeführt und beschreibt, wie er vor sich geht: „Vereinfacht gesagt, kann ein Netz aus der Not helfen, das wir im Unterleib spannen. Das dient der Stabilisierung des gesamten Bereiches um Gebärmutter, Blase und Darm und sorgt dafür, dass sich alle Organe wieder so wie ursprünglich positionieren und uneingeschränkt funktionieren.“

Das Netz besteht aus Polypropylen, also aus einem Plastikmaterial, sieht aus wie ein Fliegengitter, wird wie eine Hängematte waagrecht zwischen Scheide und Blase eingelegt und hält dort, weil es unmittelbar nach dem Eingriff beginnt, mit dem Gewebe zu verwachsen. Die Operation wird nicht in Vollnarkose, sondern in lokaler Betäubung und ohne Schnitte durch die Scheide durchgeführt, verläuft nahezu schmerzfrei, und die meisten Patientinnen können eine Woche nach dem Eingriff das Spital wieder verlassen. „Die Frauen, die wir bisher operiert haben, sind sehr glücklich, weil alles so problemlos verlaufen und so schnell gegangen ist“, sagt Dr. Ritt. „Sie sind nach langer Zeit wieder vollkommen beschwerdefrei und haben wieder eine wesentlich bessere Lebensqualität.“ Den Eingriffen gingen allerdings auch ausführliche Voruntersuchungen voran, um in jedem Fall so gut wie möglich abzuklären, ob der Operationserfolg gegeben sein wird.

Mindestens zehn Jahre haltbar
Wie lang der Operationserfolg anhalten kann, beziehungsweise wie lang das Netz hält? „Wir gehen davon aus, dass mit mindestens zehn Jahren Haltbarkeit zu rechnen ist, aber ganz genau wissen wir es nicht, weil es die Operation ja noch nicht so lang gibt“, sagt Dr. Ritt. Was man aber bereits wisse: In vier bis acht Prozent der Fälle kommt es in Folge der Operation zu einer Komplikation, der so genannten Erosion, das heißt, das Netz wird abgestoßen und wandert durch die Scheide wieder heraus. Es kann dann nicht mehr durch ein neues ersetzt werden. Dr. Ritt: „Diesen Frauen versuchen wir dann mit nicht-operativen Mitteln zu helfen, so wie sie in leichten Fällen einer Gebärmuttersenkung angewandt werden.“

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Gymnastik oder Ring:
Behandlung ohne Operation
Bei der Wahl der nicht-operativen Mittel steht die Beckenbodengymnastik an oberster Stelle. Damit sie wirkt, muss sie unter der Anleitung von Experten erlernt und konsequent jeden Tag durchgeführt werden. Ebenfalls zur Stärkung der Beckenbodenmuskulatur angewandt wird die so genannte Reizstromtherapie, bei der ein Gerät in die Scheide oder in den Enddarm eingeführt wird, das durch Strom die Muskulatur zum Zusammenziehen anregt und auf diese Art und Weise und bei wiederholter Anwendung über eine längere Zeit den schwach gewordenen Bereich stärkt. Ergänzend können Gels oder Zäpfchen mit dem weiblichen Geschlechtshormon Östrogen helfen, die in die Scheide gegeben und geschmiert werden. Dort regt das Hormon die Durchblutung des Bindegewebes und der Schleimhaut an, was wiederum zur Straffung von Haut und Gewebe und damit des Beckenbodens führt. In manchen Fällen wird auch ein Ring in die Scheide eingelegt und so positioniert, dass er die Organe in der richtigen Lage hält.

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Gebärmuttersenkung vorbeugen
Keine schweren Lasten tragen Was sind die Ursachen für eine Gebärmuttersenkung, und können wir etwas dazu tun, um das Leiden zu verhindern? „Nur zum Teil“, sagt Dr. Ritt. Denn der häufigste Auslöser des weiblichen Leidens ist der unabwendbare Alterungsprozess, der dazu führt, dass das Bindegewebe und die Muskeln im gesamten Körper schwächer werden – so auch im Beckenboden. Einen besonderen Schwächungsschub bringen die Wechseljahre mit der Veränderung des Hormonhaushaltes. Außerdem können Schwangerschaften, insbesondere mit schweren Kindern, Zwillingen oder Drillingen oder wenn sie rasch hintereinander erfolgen, eine Gebärmuttersenkung begünstigen. Dr. Ritt: „Diese Auslöser kann man nicht wirklich verhindern, man kann ihnen höchstens etwas entgegensetzen, und zwar die Beckenbodengymnastik.“ Die einzigen vermeidbaren Ursachen für eine Gebärmuttersenkung: Übergewicht sowie das wiederholte Heben und Tragen schwerer Lasten.

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Was ist eine Gebärmuttersenkung?
Wenn der Halteapparat der Gebärmutter und die Beckenbodenmuskulatur zu schwach sind, um die Gebärmutter in ihrer Position zu halten, kommt es zu einer Gebärmuttersenkung. Die Gebärmutter sinkt nach unten, schlimmstenfalls rutscht sie in die Scheide und wird im Scheideneingang sichtbar, man spricht dann von einem Gebärmuttervorfall oder Uterusprolaps.
  

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