Brustkrebs: Neue Therapien machen Hoffnung

September 2008 | Medizin & Trends

Brustkrebs ist immer noch der häufigste Krebs bei Frauen. In Österreich werden jedes Jahr mehr als 5000 Neuerkrankungen gezählt. Die Forschung arbeitet fieberhaft an verbesserten Behandlungsmöglichkeiten. Seit kurzem gibt es eine Kombitherapie, die vergleichsweise arm an Nebenwirkungen und stark im Kampf gegen Rückfälle sein soll. Bereits in Entwicklung befindet sich eine Impfung. MEDIZIN populär über den aktuellen Stand.
 
Von Mag. Sabine Stehrer

Was für andere Frauen eine Horrorvorstellung ist, erlebte Viktoria N. aus Baden als Befreiung: Die 28-Jährige ließ sich beide Brüste amputieren – um nicht an Brustkrebs zu erkranken. Bei ihr war die Wahrscheinlichkeit extrem groß, dass ihr das passieren hätte können. Denn sie ist Trägerin der brustkrebsfördernden Gene BRCA-1 und BRCA-2, wobei BRCA für Breast Cancer steht. Wie viele Frauen ein derart gefährliches Erbgut in sich tragen? „Das sind sehr, sehr wenige“, sagt Univ. Prof. Dr. Michael Gnant, Facharzt für Chirurgie und Leiter der Brustambulanz am Wiener AKH. Gnant weiter: „Denn es kommt auch nur sehr wenige Male im Jahr vor, dass wir zur Vorsorge vor Brustkrebs beide Brüste entfernen, und wir machen das auch nur, wenn die betroffenen Frauen neben dem genetischen Risiko große Angst vor einer Erkrankung haben.“

Die Risikofaktoren
Die Sorge der Frauen ist aber mehr als verständlich. Denn Brustkrebs ist heutzutage bei Frauen die häufigste Krebserkrankung: Jedes Jahr werden hierzulande mehr als 5000 Neuerkrankungen gezählt. Für rund 1600, also etwa jede Dritte, endet die Erkrankung letztendlich tödlich. Abgesehen von den Genen BRCA-1 und BRCA-2, die auch dann, wenn sie einzeln vorkommen, das Brustkrebs-Risiko erhöhen, sind ein Alter über 60 Jahren, eine Mutter oder Schwester, die an Brustkrebs erkrankt sind, eine frühe erste Menstruation, ein später Eintritt in die Wechseljahre, eine späte Erstgeburt, Kinderlosigkeit und eine bereits überstandene Krebserkrankung weitere Risikofaktoren. Auch der Lebensstil spielt eine Rolle: Wer keinen Sport betreibt, sich ungesund ernährt, Übergewicht hat, raucht oder im Übermaß Alkohol konsumiert, hat schlechtere Karten.
Doch auch Frauen, die keinen einzigen dieser Risikofaktoren aufweisen, sind nicht davor gefeit, an Brustkrebs zu erkranken, weiß Experte Gnant. Die Forschung arbeite zwar fieberhaft an verbesserten Therapiemöglichkeiten, doch: „Die beste Maßnahme zur Heilung von Brustkrebs ist immer noch die Früherkennung.“
Für alle Frauen, egal welchen Alters, sollte die Devise also heißen: Kontrollieren, kontrollieren lassen und nochmals kontrollieren. Anders ausgedrückt: Am besten tastet man die Brüste regelmäßig selber ab, um Veränderungen im Frühstadium festzustellen, und nutzt darüber hinaus das vorhandene Kontrollangebot zur Vorsorge (siehe Kasten).

Impfung in Wien entwickelt
Was, wenn die Diagnose Brustkrebs gestellt ist? Gnant: „Dann rate ich, ehestmöglich mit einer Therapie zu beginnen.“ Der Ablauf der Therapie sei heute von Fall zu Fall verschieden. „Der Behandlungsplan hängt von mehreren Faktoren ab, wie der Größe des Tumors, der Art des Brustkrebses, dem Alter und dem allgemeinen Gesundheitszustand der Frau“, sagt Gnant.
Eine Operation ist nach dem aktuellen Stand der ärztlichen Kunst jedenfalls ein fixer Bestandteil des Behandlungsplans. Kombiniert wird der Eingriff zur Entfernung des Tumors meist mit einer Strahlentherapie, oft auch mit einer Chemotherapie oder mit einer hormonellen Therapie samt Gabe von Bisphosphonaten. Die Wirkung der letztgenannten Kombitherapie wurde erst in den vergangenen Jahren von Gnant und seinem Team in der „Österreichischen Studiengruppe Brustkrebs und Darmkrebs“ in einer aufwändigen Studie bewiesen. Ihre Vorteile gegenüber den anderen Therapien: Sie ist vergleichsweise nebenwirkungsarm und die Rückfallquote ist niedriger. Noch im Entwicklungsstadium ist eine Impfung, die ebenfalls in Wien entstanden ist und in Kombination mit anderen Therapien zur Behandlung von Brustkrebspatientinnen eingesetzt werden soll, um Rückfälle zu verhindern.

Gute Heilungschancen Rückfälle zu verhindern, gelinge laut Gnant „in drei von vier Fällen aber auch schon mit den derzeit praktizierten Methoden“, was Brustkrebs zu einem vergleichsweise gut heilbaren Krebs mache. Bei den übrigen Frauen bilden sich eine Zeit lang nach der Ersterkrankung wieder neue Krebszellen, meistens in der zweiten Brust, bei zehn Prozent der Frauen in derselben Brust oder an anderen Stellen im Körper. Dann gelte es, einen neuen Anlauf zu nehmen, sagt Gnant, „denn auch die Therapie gegen eine zweite Erkrankung verläuft in vielen Fällen erfolgreich“. Die Dauer der Behandlung ist individuell unterschiedlich, sie reicht von einigen Monaten – und im Fall der Hormon-Bisphosponate-Therapie bis zu fünf Jahren.
Ob man Brustkrebs – außer durch die Amputation beider Brüste –  vorbeugen kann? Gnant: „Es lässt sich ändern, was man ändern kann, also der Lebensstil.“ Seine diesbezüglichen Empfehlungen lauten: Dreimal pro Woche mindestens 60 Minuten Sport betreiben, und dabei vor allem ernsthaft die Ausdauer trainieren, ausgewogene Mischkost zu sich nehmen, Übergewicht abbauen, nicht rauchen, Alkohol in Maßen konsumieren. Liegt Brustkrebs in der Familie und besteht daher auch die Gefahr, zu den Trägerinnen von BRCA-1 und/oder BRCA-2 zu zählen, sollte man dies abklären lassen und häufiger als andere Frauen zu den Kontrolluntersuchungen gehen.

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Die Teile des Therapie-Pakets

Operation
Sie ist fixer Bestandteil der Brustkrebstherapie und erfolgt heute in bis zu 90 Prozent der Fälle brusterhaltend und oft so, dass später kaum Narben sichtbar sind. Die Schnitte werden um die Brustwarze herum oder in der Brustfalte gesetzt, der Tumor wird aus der Brust geschnitten. Nur wenn der Tumor auch noch nach einer Vorbehandlung sehr groß ist, muss die Brust entfernt werden. Sie kann nach einiger Zeit, wenn einigermaßen sicher ist, dass der Krebs nicht wiederkehrt, wieder aufgebaut werden.
Nebenwirkungen: Schmerzen nach der Operation.

Strahlentherapie
Sie wird nach der Operation durchgeführt und kann sich mit mehreren Sitzungen pro Woche über fünf Wochen ziehen. Dabei werden noch lose Krebszellen durch die radioaktive Strahlung in ihrem Wachstum behindert und zerstört.
Nebenwirkungen: Manchmal rötet sich durch die Bestrahlung wie nach einem Sonnenbad die Haut.

Chemotherapie
Sie wird vor oder nach einer Operation angewandt, die chemischen Substanzen werden in Tablettenform eingenommen oder als Infusion gegeben. Die Therapie dauert unterschiedlich lang. Die Chemie stoppt die Zellteilung und verhindert so das weitere Wachstum der Tumoren.
Nebenwirkungen: Appetitlosigkeit, Übelkeit, Haarverlust, die weißen Blutkörperchen können weniger werden, was in Folge die Anfälligkeit für Infekte vergrößert und die Blutgerinnung stört.

Hormonelle Therapie
Sie ist sinnvoll, wenn die Krebszellen durch Östrogene zum Wachsen gebracht wurden. Durch die Gabe von Hormonen in Tablettenform wird die Bildung von Östrogenen in den Eierstöcken, im Fettgewebe und in den Muskeln gestoppt, es kommt zum so genannten künstlichen Wechsel (siehe dazu auch den nächsten Beitrag).
Nebenwirkungen: Sie gleichen den Symptomen der Wechseljahre und bestehen in Hitzewallungen, Schlafstörungen, Gemütsschwankungen, einem erhöhten Risiko für die Erkrankung an Osteoporose.

Bisphosponate
Die Gabe der Medikamente, die schon länger gegen den krankhaften Knochenschwund, die Osteoporose, eingesetzt werden, erfolgt in Form von Tabletten oder Infusionen meist in Kombination mit der hormonellen Therapie und kann so die Chemotherapie ersetzen.
Nebenwirkungen: Am Anfang grippeähnliche Symptome wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, die aber rasch wieder verschwinden.

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Die Schritte der Kontrolle

Selbstuntersuchung
Die Selbstuntersuchung macht man am besten spätestens ab dem 25. Lebensjahr immer am 8. bis 10. Tag nach dem Einsetzen der Regelblutung. Wenn man die Wechseljahre schon hinter sich hat, wählt man einen fixen Zeitpunkt einmal im Monat. Man sieht sich die Brüste im Spiegel an und tastet sie ab. Anzeichen für Brustkrebs können sein: Knoten und Verhärtungen in der Brust, Knoten und Verhärtungen in der Achselhöhle, Rötungen der Haut, Veränderungen oder Entzündungen der Brustwarze, Absonderungen aus der Brustwarze.

Kontrolluntersuchung
Diese besteht aus einer Tastuntersuchung beim Arzt und einer Mammographie. Dabei lässt sich Brustkrebs heute mit einer Treffsicherheit von 90 Prozent entdecken. Durch die nachfolgende Ultraschall- und Tastuntersuchung und/oder durch eine Magnetresonanztomographie lässt sich die Treff­sicherheit weiter erhöhen. Durch eine Gewebeentnahme kann schließlich eindeutig festgestellt werden, ob es sich bei den entdeckten Veränderungen um gutartige Geschwülste handelt, die unbehandelt bleiben können, oder um bösartige Krebszellen, die bereits Knötchen oder Knoten gebildet haben. Frauen sollten mit 35 Jahren zum ersten Mal zur Mammographie gehen, um für später Vergleichsbilder zu haben. Bis zum 50. Lebensjahr sollten sie alle zwei Jahre eine Mammographie machen lassen, im Alter von 50 bis 70 jedes Jahr, danach alle zwei Jahre.
               

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