Hämorrhoiden, Abszesse, Ekzeme & Co

Mai 2010 | Medizin & Trends

Beschwerden im Analbereich richtig behandeln
 
Sie sind äußerst lästig, manchmal schmerzhaft und den meisten Betroffenen so unangenehm, dass sie nicht zum Arzt gehen: Beschwerden im Anal- und Enddarmbereich wie Hämorrhoiden, Abszesse, Ekzeme oder Fissuren, die nicht immer harmlos sind und oft nicht von selber wieder vergehen. Lesen Sie, was dagegen hilft.
 
Von Mag. Alexandra Wimmer

PROKTALGIEN nennt der Mediziner die gesundheitlichen Probleme im Anal- und Enddarmbereich, die die meisten Betroffenen still und heimlich erleiden, weil sie Hemmungen haben, damit zum Arzt zu gehen. Und nicht selten ist das stille Leiden eine regelrechte Qual: „Da man im Analbereich sehr empfindlich ist, kann schon ein einfaches Fremdkörpergefühl als unangenehm erlebt werden“, berichtet Prim. Univ. Prof. Dr. Felix Stockenhuber, Leiter der Abteilung für Innere Medizin am Landeskrankenhaus Oberpullendorf im Burgenland.
Mitunter sind die Symptome auf relativ „banale“ Ursachen zurückzuführen: Sie können nach Verstopfung oder Durchfall auftreten, weil man ein Intimpflegeprodukt oder das Material der Unterwäsche nicht verträgt. Da hinter Juckreiz, Brennen & Co aber auch eine ernsthafte Erkrankung stecken kann, muss man Beschwerden der „Problemzone After“ ernst nehmen. „Insbesondere wenn es immer wieder zu Blutabgängen kommt, sollte man sich ärztlich untersuchen lassen“, betont der Facharzt. „Auch wenn es im Analbereich brennt oder juckt sollte man nicht lange zuwarten. Bringen Eichenrindensitzbäder oder juckreizstillende, entzündungshemmende Salben keine Linderung, ist ein Arztbesuch angezeigt.“
Bei folgenden Symptomen sollte man jedenfalls einen Arzt aufsuchen – sei es einen Hausarzt, einen Gastroenterologen oder einen auf Anus- und Enddarmbeschwerden (=Proktologie) spezialisierten Chirurgen:

1. Blutungen
Blutabgänge können auf das wohl „prominenteste“ Analproblem, auf Hämorrhoiden, deuten: Rund die Hälfte der Über-40-Jährigen ist von einem Hämorrhoidalleiden betroffen, das auch mit Schmerzen, Knotenbildungen und im fortgeschrittenen Stadium mit Schmieren, Nässen und Druckschmerz einhergehen kann. Hämorrhoiden hat übrigens jeder (siehe Kasten), die Blutgefäße sind für den „Feinverschluss“ des Analkanals zuständig. Werden sie – z. B. aufgrund chronischer Verstopfung oder im Zuge einer Geburt – verletzt, werden sie größer und zunehmend aus dem After gedrückt.                                                                                       
Ihre Behandlung richtet sich nach dem jeweiligen Schweregrad. „Hämorrhoiden von Grad eins und zwei behandelt man typischereweise mit entsprechenden Salben und Eichenrindensitzbädern“, berichtet der Gastroenterologe Stockenhuber. „Bei Hämorrhoiden zweiten Grades bewährt sich außerdem die sogenannte Gummibandligatur, bei der die Blutgefäße mit Gummibändern abgebunden werden.“ Ab Schweregrad drei kommen vorwiegend operative Methoden zum Einsatz. „Relativ neu ist jene Operationsmethode, bei der die Gefäßpolster mit Ultraschall dargestellt und dann abgeklemmt oder abgebunden werden“, so der Facharzt.
Neben diesem relativ harmlosen Problem können verschiedene Erkrankungen im Dickdarmbereich Blutabgänge verursachen:
Dickdarmpolypen sind Schleimhautwölbungen, die neben Blutungen auch Veränderungen der Stuhlkonsistenz verursachen können, größere neigen außerdem dazu, bösartig zu werden. Die meisten dieser Polypen lassen sich operativ mit einer elektrischen Schlinge entfernen.
Blut und Schleim im Stuhl können auf eine Dickdarmentzündung, das ist eine Entzündung der Dickdarmschleimhaut, deuten. Sie wird medikamentös behandelt, mitunter kann auch Schonkost helfen.
Blut im Stuhl und Schleim können außerdem Warnsignale für einen  bösartigen Dickdarmtumor sein, der nur entfernt werden kann, wenn man ihn rechtzeitig erkennt.

2. Schmerzen
Sehr schmerzhaft sind Schleimhauteinrisse im Analbereich, sogenannte Analfissuren (Afterrisse). Die möglichen Ursachen: harter Stuhlgang oder vergrößerte Hämorrhoiden. Fissuren können nicht nur zu Blutungen, sondern auch zu Verkrampfungen des Afters führen, die wiederum die Durchblutung verschlechtern. Die Folge der verringerten Durchblutung ist, dass eine Fissur meist nicht von alleine abheilt – für den Heilungsprozess braucht es den richtigen Salbenmix. „Analfissuren werden mit Wundsalben und schmerzlindernden Salben behandelt“, erklärt Felix Stockenhuber. Mit Wundsalben wird verhindert, dass die Fissur wieder aufreißt, mit entzündungshemmenden Salben verhindert man, dass beim Verheilen wuchernde Narben zurückbleiben.
Dauern die Beschwerden länger als zwei Wochen an, spricht man von einer chronischen Fissur, die chirurgisch behandelt werden sollte. Vorbeugend ist es hilfreich, auf weichen Stuhlgang durch eine entsprechende Ernährungsweise (ballaststoffreiche Kost, ausreichend Flüssigkeit) zu achten.
Zu starken Schmerzen führen auch Entzündungen der Drüsen des Analkanals (Kryptitis) und Analabszesse, das sind abgekapselte eitrige Entzündungen am oder um den Anus.

3. Knotenbildungen
Wenn Blutgerinnsel in den Venen am Analrand Knoten bilden, spricht man von einer Analrandthrombose (Perinalthrombose). Größere Thrombosen können außerdem Blutungen und starke Schmerzen verursachen. Um das Einreißen zu verhindern, sollte eine Analrandthrombose rasch operativ behandelt werden.
Marisken sind Hautfalten am Analrand, die harmlos und deshalb nicht behandlungsbedürftig sind.
Mit warzenähnlichen gutartigen Gewebswucherungen machen sich Feigwarzen (Kondylome) bemerkbar: Sie zählen zu den sexuell übertragbaren Erkrankungen und werden durch humane Papillom-Viren hervorgerufen.

4. Jucken
Wenn der After juckt und brennt und man eventuell Schrunden und kleine nässende Wunden bemerkt, kann ein Analekzem – eine Entzündung der Haut am Übergang zum Analkanal – dahinterstecken.
Schmerzen beim Stuhlgang, Blutablagerungen im Stuhl und Juckreiz im Analbereich können auch auf ein Analkarzinom deuten, einen seltenen, bösartigen Tumor des Analkanals.
Auch eine Entzündung des Enddarms (Proktitis) hat unangenehmen Juckreiz zur Folge. Ihre Behandlung richtet sich nach der jeweiligen Ursache – je nachdem, ob eine Infektion, eine Durchblutungsstörung oder eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung dahintersteckt.

5. Nässen
Oft sind es genau diese Entzündungen im Enddarmbereich oder Analabszesse, die zum Entstehen von Analfisteln führen: Wenn der Eiter einer Entzündung nicht abfließen kann, bilden sich röhrenartige Verbindungen zwischen Afterkanal und äußerem Analbereich, sogenannte Fistelgänge, die eitrig nässen.  
Zu Symptomen wie Nässen, Schmieren und Knotenbildung kann es auch im Zuge eines Darmvorfalls kommen. Die Ursache dafür ist, dass der Enddarm nicht mehr ausreichend gut vom Beckenboden gehalten wird.

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Der Analkanal

Er ist drei bis sechs Zentimeter lang und liegt zwischen Anus (After) und Enddarm (Rektum), dem letzten Abschnitt des Magen-Darmtrakts: der Analkanal. Er hat die Funktion eines Ventils, das Stuhl und Darmwinde durchtreten lässt.
Ermöglicht wird der Mechanismus durch die ringförmig angeordneten inneren
und äußeren Schließmuskeln. Die Hämorrhoiden, die den Analkanal wie Polster auskleiden, ermöglichen es, den Analkanal ganz dicht abzuschließen.

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So wird untersucht

Um aus der Vielzahl möglicher Ursachen die richtige zu finden, stehen den Fachärzten verschiedene Untersuchungsmethoden zur Verfügung: Als erstes wird der Anus auf Veränderungen wie Hämorrhoiden oder einen Tumor abgetastet. Mit der Analkanalspiegelung (Proktoskopie) können Analkanal und Mastdarm untersucht werden. Eingehender begutachtet man den Mastdarm bei einer Mastdarmspiegelung (Rektoskopie), eine Spiegelung des gesamten Dickdarms heißt Koloskopie. Gewebeproben aus der Anusschleimhaut können zusätzliche Informationen über mögliche Ursachen liefern.

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Besser waschen als putzen

Da es im Analbereich von verschiedenen Erregern wimmelt, ist das Infektionsrisiko in der Afterregion besonders hoch – eine sorgfältige Intimhygiene sollte selbstverständlich sein. „Ist der Analbereich zum Beispiel aufgrund von Stuhlresten nicht ganz sauber und es liegen nur kleinste Schrunden oder Fissuren vor, so besteht die Gefahr, dass diese sich entzünden“, warnt Stockenhuber.
Fazit: Um so manchem Problem im Analbereich vorzubeugen, sollte man für einen regelmäßigen, weichen Stuhlgang sorgen, der After sollte sauber gewaschen, nicht sauber geputzt werden. Auch ein bewusster Lebensstil, ausreichend Bewegung und eine ausgewogene, ballaststoffreiche Kost werden empfohlen.

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