Probleme mit Hämorrhoiden?

März 2013 | Medizin & Trends

Schonende Therapien im Überblick
 
Jedem zweiten Österreicher über 50 machen Hämorrhoiden das Leben zur Qual. Aus Scham, aber auch aus Angst vor einer Operation scheuen viele den Weg zum Arzt. Dabei wird die Behandlung vor allem in frühen Stadien immer schonender. Ein Experte informiert, wie man das Problem ohne Probleme loswird.
 
Von Mag. Sabine Stehrer

Was viele nicht wissen: Hämorrhoiden hat jeder. Zum Glück, denn sie erfüllen eine wichtige Funktion. Welche das sind, erklärt Univ. Prof. Dr. Johann Pfeifer von der Klinischen Abteilung für Allgemeinchirurgie an der Medizinischen Universität Graz: „Hämorrhoiden sind Adern, die den Feinverschluss des Darms ermöglichen.“ Sie liegen am Übergang vom Enddarm zum Analkanal und sind wie alle anderen Adern auch mit Blut gefüllt. So erscheinen sie die meiste Zeit dick und prall wie kleine Polster. Wenn wir Stuhldrang spüren, fließt das Blut aus diesen Polstern ab, sie verlieren ihr Volumen und geben den Weg für den Stuhl frei. Ist das „große Geschäft“ erledigt, füllen sie sich wieder mit Blut und machen so den Analkanal dicht.

Wie alte Fahrradschläuche

Nicht immer funktioniert dieser Prozess reibungslos: „Bei jedem kommt es irgendwann dazu, dass sich die Hämorrhoiden nicht schnell genug entleeren und sie daher beim Kontakt mit dem Stuhl verletzt werden. Auch dass der Stuhl ungünstig zusammengesetzt ist und den Hämorrhoiden Verletzungen zufügt, passiert oft“, weiß Pfeifer. In vielen Fällen kommen beide Faktoren zusammen. „So oder so entstehen Wunden, die aber zunächst zuheilen, ohne dass man etwas davon bemerkt“, beschreibt Pfeifer. Erst wenn es schon häufiger zu solchen Verletzungen gekommen ist, können die dann angegriffenen Hämorrhoiden Probleme bereiten. „So wie alte Fahrradschläuche poröser und anfälliger für weitere Schäden werden, wenn sie schon oft geplatzt sind und wieder abgedichtet wurden, so geht es auch den Hämorrhoiden“, erklärt Pfeifer. „Ist die Oberfläche bereits brüchig, kann es schon zu Rissen kommen, wenn der Stuhl nur ein wenig härter als gewöhnlich ist.“

Ab 50 jeder Zweite betroffen

In Anbetracht dessen wird klar, warum sich die Zahl der Betroffenen mit zunehmendem Alter erhöht. In der Generation 50plus hat Schätzungen zufolge schon jeder zweite Österreicher ein sogenanntes Hämorrhoidalleiden. Abgesehen vom Alter spielt natürlich die Ernährung eine wesentliche Rolle dabei. Ob fette Speisen, Süßigkeiten im Übermaß oder ein Mangel an Flüssigkeit: Alles, was dazu beiträgt, dass der Stuhl hart wird, erhöht das Risiko. Dazu zählt auch die heute so weit verbreitete Bewegungsarmut, die zu Verstopfung führt. Muss beim Stuhlgang gepresst werden, ist die Verletzungsgefahr für die Blutpölsterchen entsprechend erhöht. Probleme mit den Hämorrhoiden drohen auch jenen, die eine ererbte Gewebeschwäche haben. Dadurch wird die Wand der Hämorrhoiden frühzeitig dünn bzw. leicht verletzbar.

Bei Blut im Stuhl zum Arzt

Wie oft diese Ursachen zum Tragen kommen und wie oft das Leiden überhaupt auftritt, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. „Umfassende Daten dazu gibt es leider nicht, da viele Betroffene nicht zum Arzt gehen“, bedauert Pfeifer. Sowohl Scham und Angst vor der Untersuchung als auch Furcht vor Schmerzen bei der Untersuchung und Behandlung halten viele Betroffene von den Ordinationen fern. Doch sei die Angst vielfach völlig unbegründet, beruhigt Experte Pfeifer. „Die Untersuchung tut nicht weh, und im Gegensatz zu früher stehen für die Therapie heute mehrere Methoden zur Verfügung, die schonend sind und ebenfalls keine Schmerzen bereiten.“ Das trifft freilich umso mehr zu, je eher man zum Arzt geht, wenn erste Anzeichen auftreten: „Dass etwas nicht stimmt, bemerken Betroffene als erstes an hellrotem Blut, das aus den Ritzen in den Hämorrhoiden fließt und mit dem Stuhl ausgeschieden wird.“ Weitere Erstsymptome sind ein leichtes Jucken, das entsteht, wenn die Verletzungen wieder abheilen und sich eine Kruste gebildet hat, die beginnt, sich von der Wunde zu lösen.

Ernährungsumstellung hilft

In diesem frühen Stadium ist es denkbar leicht, das Problem loszuwerden. „Sehr oft reicht es schon, die Ernährung so umzustellen, dass der Stuhl weich wird und Verstopfungen ausbleiben“, nennt Pfeifer die Maßnahmen. Ballast- und faserstoffreiche Nahrungsmittel wie Obst, Gemüse und Vollkornprodukte, dazu viel Flüssigkeit – das kann den Betroffenen meist schon Erleichterung verschaffen. Wenn gewünscht, können auch Medikamente wie Hämorrhoidenzäpfchen genommen werden. „Diese bessern im Akutstadium die Symptome, indem sie die Blutfülle in den Hämorrhoiden verringern, sie abschwellen lassen und den Juckreiz reduzieren“, so Pfeifer.

Lifting, Injektionen & Co

Besteht das Leiden schon länger, sind die Hämorrhoiden oft ausgeleiert, und es kann dazu kommen, dass sie beim Stuhlgang nach außen treten, sich danach aber von selbst wieder zurückziehen. In diesem Stadium kann vermehrt Blut austreten, darüber hinaus juckt es jetzt häufig und manchmal brennt es auch. Zudem kann das unangenehme Gefühl entstehen, einen Fremdkörper im After zu haben. Pfeifer: „Für die Beseitigung dieser Beschwerden stehen heute mehrere Methoden der Behandlung zur Verfügung, wobei sich die Wahl nach der Art und dem Ausmaß der Schäden richtet.“ Meistens, so der Experte, wird ein Eingriff vorgenommen, der für die Patienten schmerzfrei ist: die sogenannte Gummibandligatur. „Dabei wird das Gewebe der Hämorrhoide gestrafft wie die Gesichtshaut bei einem Lifting“, sagt Pfeifer. „Und was überschüssig ist, wird mit einem Gummiband zusammengezogen und abgeschnürt.“ Nach einiger Zeit fällt das überschüssige Gewebe mitsamt dem Gummiband von selber ab. Das tut genauso wenig weh wie der Eingriff an sich, die Hämorrhoide kann nicht mehr hervortreten und verursacht auch sonst keine Beschwerden mehr.
Alternativen zur Gummibandligatur sind Injektionen, die sogenannte Sklerosierung, die ebenfalls nicht wehtut. Pfeifer: „Dabei wird in die Enddarm-Schleimhaut über der Hämorrhoide ein Mittel gespritzt, das eine lokale Entzündung bewirkt, die Gewebe fixiert.“ Auch so erreicht man, dass der Polster nicht mehr hervortreten kann und der Gewebeüberschuss abfällt. Vom Prinzip her genauso funktionieren Eingriffe mit anderen Verfahren wie z. B. per Ultraschall.

Skalpell als letzter Ausweg

Wer schon lange Zeit mit schadhaften Hämorrhoiden lebt, dem kann passieren, dass sich die Dichtungspolster irgendwann nicht mehr von selbst in den Analkanal zurückbewegen, wenn der Stuhlgang beendet ist, sondern dauerhaft aus dem After heraushängen. Pfeifer: „Zusätzlich zu den Beschwerden, die schon vorher auftraten wie Blutungen, Jucken, Brennen oder ein Fremdkörpergefühl haben Betroffene nun oft sehr unangenehme Druckgefühle, vor allem beim Sitzen oder Liegen.“
In so einem späten Stadium geht es zwar heute in manchen Fällen auch bereits schonender, doch oft hilft nur noch ein Eingriff unter Vollnarkose: „Dabei muss die Hämorrhoide am Ansatz, also zur Gänze, mit dem Skalpell entfernt werden“, so Pfeifer. Bis die Schnittwunde zuheilt, sind Schmerzen zu erdulden, vor allem beim Stuhlgang. „Es besteht auch das Risiko, nach dieser Operation leicht inkontinent zu sein.“ Immerhin wird ein Teil des Gewebes entnommen, das Mutter Natur als Dichtung vorgesehen hat.

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Bitte zum Arzt!
Warum die Untersuchung so wichtig ist

Entgegen der landläufigen Meinung können sich aus unbehandelten Hämorrhoiden zwar keine Fisteln, Feigwarzen oder lebensbedrohlichen Krankheiten wie Thrombosen bis hin zu Darmkrebs entwickeln, Hämorrhoiden zeigen sich allerdings oft durch dieselben Symptome. „Allein deswegen ist es so wichtig, sich untersuchen zu lassen, sobald man mögliche erste Hinweise auf Hämorrhoiden wie Blut im Stuhl oder ein Jucken bemerkt“, appelliert Univ. Prof. Dr. Johann Pfeifer von der Medizinischen Universität Graz.
„Die Untersuchung beginnt mit einem Gespräch, das dazu dient, Art und Ausmaß der Beschwerden zu ermitteln“, beschreibt Pfeifer die Vorgehensweise. Anschließend wird der Afterkanal abgetastet, und das Proktoskop kommt zum Einsatz: Mit diesem etwa acht Zentimeter langen, dünnen Metallstab führt der Arzt eine Enddarmspiegelung durch, bei der erkannt werden kann, ob wirklich Hämorrhoiden die Beschwerden verursachen. „So kann man Hämorrhoidalleiden gegenüber Fisteln, Feigwarzen und Thrombosen im Enddarmbereich abgrenzen, für deren Beseitigung andere Behandlungen nötig sind.“
Betroffenen über 50 Jahren empfiehlt der Experte immer auch eine Koloskopie durchführen zu lassen, also eine komplette Darmspiegelung, da Blutungen auch ein Symptom einer Darmkrebserkrankung sein können.

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Erste Hilfe bei Hämorrhoiden

  • Ballaststoff- und faserstoffreiche Ernährung (Obst, Gemüse, Vollkorn­produkte), die für regelmäßigen, dichten und weichen Stuhl sorgt.
  • Ausreichend trinken, um Verstopfungen, die Notwendigkeit, zu pressen, und harten Stuhl zu vermeiden.
  • Viel Bewegung, um Verstopfungen zu vermeiden.

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