Trockenfutter, Nassfutter, BARF oder selbst gekocht: Wer Hund oder Katze gesund ernähren möchte, hat heute unzählige Möglichkeiten. Doch nicht alles, was hochwertig oder natürlich klingt, ist auch wirklich bedarfs-deckend.
„Viele meiner Patienten sind mit der richtigen Diät beschwerdefrei.“
www.futterambulanz.at
Ein glänzendes Fell, viel Energie und ein guter Appetit – für viele Tierhalterinnen und Tierhalter sind das Zeichen dafür, dass ihr Vierbeiner bestens versorgt ist. Ganz so einfach ist es allerdings nicht. „Man kann am Tier selbst nicht erkennen, ob es optimal ernährt wird und tatsächlich alle Nährstoffe bekommt“, sagt Dr. Stefanie Handl, Fachtierärztin für Ernährung und Diätetik.
Zwar können deutliche Mangelzustände irgendwann mit Gewichtsverlust oder stumpfem Fell sichtbar werden. Doch selbst ein gesund und fit wirkendes Tier könne über längere Zeit unausgewogen ernährt werden, weil der Körper Defizite zunächst kompensiert. Auch ein gewöhnliches Blutbild liefert darüber keine verlässliche Auskunft. In ihrer Praxis begegnet Handl vor allem zwei Problemen. Das eine ist Übergewicht, das bei Hunden und Katzen langfristig zahlreiche gesundheitliche Folgen haben kann. Das andere sind selbst zusammengestellte Rationen, die zwar mit viel Engagement zubereitet werden, aber wichtige Nährstoffe nicht in der richtigen Menge enthalten.
Hinzu kommt die enorme Auswahl im Handel. Begriffe wie „Premium“, „natürlich“ oder „besonders hochwertig“ vermitteln schnell den Eindruck, ein Produkt müsse automatisch besser sein. „Besitzer vertrauen oft Produkten, die entsprechend beworben werden, obwohl sie nicht zwingend besser sind als bewährte Futtermittel“, sagt Handl. In manchen Fällen könnten solche Produkte bestehende Beschwerden sogar verstärken. Wer zu einem fertigen Alleinfuttermittel greift, sollte deshalb weniger auf aktuelle Trends als auf eine ausgewogene Zusammensetzung und ein für das Tier geeignetes Produkt achten.
BARF ist nicht automatisch artgerecht
Besonders emotional diskutiert wird die Rohfütterung, kurz BARF. Häufig wird damit argumentiert, der Hund stamme vom Wolf ab und müsse deshalb ähnlich ernährt werden. Handl widerspricht deutlich: „Unser Haushund ist in vielen Punkten nicht mit dem Wolf vergleichbar.“ Im Laufe der Domestikation habe sich der Hund anatomisch, physiologisch und genetisch an das Leben mit dem Menschen angepasst. Auch seine Ernährung habe sich verändert. „Die natürliche Nahrung des Haushundes bestand von Anfang an zu einem großen Teil aus menschlichen Abfällen und Speiseresten – und damit aus mehr Kohlenhydraten und weniger Fleisch als beim Wolf.“
Von Rohfütterung rät die Tierärztin aus medizinischer Sicht ab. Zu den Risiken zählen unausgewogene Rationen ebenso wie Krankheitserreger in rohem Fleisch, Verletzungen durch Knochen oder Vergiftungen durch ungeeignete Zutaten. Besonders Keime aus rohen tierischen Produkten können nicht nur das Tier, sondern auch Menschen im selben Haushalt gefährden. Anders bewertet Handl selbst gekochtes Futter. „Selbst zu kochen vereint viele Vorteile des BARFens, ohne dessen Risiken.“
Das Futter könne frisch, hygienisch, gut verdaulich und individuell auf das Tier abgestimmt werden. Einfach Fleisch, Gemüse und Reis in den Napf zu geben reicht allerdings nicht. Vor allem Mineralstoffe und Vitamine müssen gezielt ergänzt werden. Kalzium, Spurenelemente und andere Nährstoffe lassen sich über übliche Lebensmittel allein oft nicht zuverlässig in der richtigen Menge zuführen. Wer dauerhaft selbst kochen möchte, sollte deshalb eine Ration professionell berechnen lassen. „Am besten wenden sich Tierhalter an eine Fachtierärztin oder einen Fachtierarzt für Ernährung“, empfiehlt Handl.
Nicht jeder Juckreiz kommt vom Futter
Auch Futtermittelallergien werden mittlerweile häufig vermutet. Juckreiz, Durchfall, Erbrechen oder andere Verdauungsprobleme können zwar damit zusammenhängen – müssen es aber keineswegs. „Diese Beschwerden können sehr viele unterschiedliche Ursachen haben“, erklärt Handl. Allergien gegen Flohspeichel, Pollen oder Milben seien beispielsweise häufiger als Allergien gegen einzelne Futterbestandteile. Deshalb sollte zunächst eine gründliche tierärztliche Untersuchung erfolgen.
Einen einfachen Bluttest, der zuverlässig eine Futtermittelallergie nachweist, gibt es derzeit nicht. Der entscheidende diagnostische Schritt ist eine konsequent durchgeführte Ausschlussdiät. Auch bei chronischen Verdauungsbeschwerden muss unterschieden werden: Hinter Problemen kann eine echte individuelle Unverträglichkeit stecken – manchmal ist ein Futter aber schlicht zu fettreich oder schwer verdaulich. „Viele meiner Patienten sind mit der richtigen Diät beschwerdefrei“, sagt Handl.
Mehr ist nicht immer besser
Lachsöl, Grünlippmuschel, Probiotika, Kräuter, Mineralstoffe oder Vitamine: Auch Nahrungsergänzungsmittel für Haustiere füllen inzwischen ganze Regale. Für gesunde Hunde und Katzen, die ein ausgewogenes Alleinfuttermittel erhalten, sind sie jedoch in der Regel nicht notwendig. „Ein Alleinfutter enthält alle benötigten Nährstoffe in der richtigen Menge“, erklärt Handl.
Zusätzliche Gaben können deshalb sogar problematisch werden. Kalzium, Jod sowie die Vitamine A und D können bei Überdosierung gesundheitliche Schäden verursachen. Gezielt eingesetzt können einzelne Ergänzungen durchaus sinnvoll sein – etwa Probiotika, bestimmte Ballaststoffe oder Omega-3-Fettsäuren. Entscheidend seien aber Anlass und Dosierung. „Nur weil etwas natürlich ist, heißt das nicht automatisch, dass es harmlos oder notwendig ist.“
Fotos: zvg, Istock/Aleksei Naumov