Die besten Waffen gegen die Grippe

November 2013 | Medizin & Trends

Die einen schnappen jeden Erreger auf und husten sich durch den Winter. Die anderen kommen ganz ohne Schnupfen durch die Erkältungszeit. Wie sie das schaffen? MEDIZIN populär über die besten Waffen gegen die Grippe.
 
Von Mag. Alexandra Wimmer

Mit Seife gegen die Virenschleudern

Um sich Krankheitserreger möglichst vom Leib zu halten bzw. sie rasch wieder loszuwerden, kommt man um eine sorgfältige Hygiene nicht herum: Regelmäßiges, gründliches Händewaschen ist Pflicht; außerdem sollte man jetzt besonders bedacht handeln: „Wichtig ist, dass man nicht mit ungewaschenen Händen in Augen, Nase, Mund fährt“, betont Univ. Prof. Dr. Andreas Temmel, Facharzt für Hals- Nasen- und Ohrenkrankheiten in Wien. „Ansonsten besteht die Gefahr einer Schmierinfektion, also einer direkten Übertragung der Erreger durch Berührung.“ Der Griff in das „Erreger-Reservoir“ Handtasche und danach ins Gesicht, birgt ebenfalls Risiken, kullern hier doch Lippenstift, Kaugummi, Geldbörse und benutzte Taschentücher herum. „Hinzu kommt, dass in die Handtasche kein UV-Licht gelangt, welches die Viren inaktiv machen könnte“, ergänzt Temmel. Haltegriffe in Verkehrsmitteln, Computertastaturen und Türschnallen sind weitere Virenschleudern. Auch wer unterwegs auf der Straße einen Happen verspeist, erhöht sein Erkrankungsrisiko: Erst schüttelt man dem verschnupften Bekannten die Hand, danach greift man zum Käsebrot.

Dem Körper kalt-warm geben

Trotz ihres Namens hat eine Verkühlung nicht unmittelbar mit Kälte zu tun, Auslöser sind immer Viren. Warum wir dann frieren, wenn wir verkühlt sind? „Das Kältegefühl ist das Erstsymptom bei einem grippalen Infekt, daher der Name Erkältung“, erläutert der Mediziner. „Erst danach kommt es zum Anstieg der Körpertemperatur und zu Fieber.“
Die Warnung unserer Mütter, wir mögen uns warm anziehen, hat aber dennoch ihre Berechtigung: „Ob Hände, Beine oder Kopf – egal, welcher Körperteil unterkühlt ist, in Reaktion darauf kommt es immer zu einer Minderdurchblutung der Nasenschleimhaut, der wichtigsten Eintrittspforte für Erreger“, erklärt Andreas Temmel. „Durch die schlechtere Durchblutung stehen weniger weiße Blutkörperchen zur Abwehr zur Verfügung.“ Umgekehrt macht die Kälte wenig, wenn keine Erreger „im Umlauf“ sind. „Wenn man im hohen Norden Lapplands wandert und keinen Viren ausgesetzt ist, wird man sich nicht erkälten, selbst wenn man kalte Hände hat“, gibt der Facharzt ein Beispiel. In Form von Wechselduschen hat Kälte sogar einen günstigen Effekt: Wer sich abwechselnd warm und kalt abbraust, fördert die Durchblutung – und damit die Immunabwehr.

Die Nase duschen

Apropos Duschen: Eine hochwirksame Selbstbehandlung ist die Spülung der Nase mit (Kochsalz-)Lösungen, die fertig als Nasenduschen erhältlich sind. „Dadurch bekommt man wirkungsvoll relativ viele Entzündungszellen und -erreger aus der Eintrittspforte Nase“, erklärt Facharzt Temmel. Die Therapie wirkt vorbeugend, da eingedrungene Erreger schnell wieder ausgeschwemmt werden, und akut, „weil sich dadurch die Zeit der Entzündung verkürzt“, so der Mediziner. Auch wenn z. B. aufgrund einer ungünstigen Anatomie der Nase die Reinigung nicht gut funktioniert, ist das Risiko größer, dass Viren – und schließlich ein Infekt – hängen bleiben und die Erkältung länger andauert. Dem steuert man mit Nasenduschen entgegen.

Das Immunsystem füttern

Die Abwehr lässt sich auch durch eine ausgewogene und vitaminreiche Kost stärken: „Es gibt Hinweise, dass speziell die Vitamine B, C und E sowie Echinacea, Zink, Selen und Eisen verhindern, dass man häufig krank wird“, erklärt Temmel. „Diese Nährstoffe wirken als Radikalfänger.“ Um in den Genuss der schützenden Wirkung zu kommen, muss man sich allerdings dauerhaft und nicht (nur) im Akutfall gesund ernähren. Wenn man bereits niest und hustet, hilft es hingegen wenig, sich hochdosiert Vitamine zuzuführen.
Während man bei vitaminreicher Kost zugreifen sollte, lässt, wer gesund bleiben will, besser die Finger von Genussgiften: „Alkohol und Nikotin machen infektanfälliger“, warnt HNO-Arzt Temmel und nennt die Gründe: „Tabak bewirkt, dass die Schleimhaut trockener und dadurch der schützende Film herum dünner wird. Und Alkohol macht die Zellen durchlässiger für Giftstoffe und eben auch Viren.“

Neben der Kost sollte auch das Körpergewicht ein gesundes sein: „Sowohl Übergewicht als auch Untergewicht schwächen die Immunabwehr“, erklärt der Mediziner. „In beiden Fällen hat das Immunsystem so viel mit dem eigenen Körper zu tun, dass es Feinde von außen, Viren etwa, nicht mehr oder weniger gut abwehren kann.“ Dass Untergewicht problematisch sein kann, weiß auch der Volksmund, der besagt, dass sehr schlanke Menschen „keine Reserven“ haben.

Die Abwehrkräfte aktivieren

Körperlich Aktive tun auch aktiv etwas für ihre Abwehrkräfte: „Wir beobachten, dass sportliche Betätigung das Immunsystem stärkt und kompetent macht“, fasst Andreas Temmel Untersuchungen zusammen. „Man weiß, dass dadurch die Lymphozyten – also die Abwehrzellen, die gegen die Viren wirken – stärker aktiviert sind und Viren leichter fangen können.“  Wer sich an frischer Luft bewegt, bietet dem Immunsystem sogar zusätzlich einen kleinen Kuraufenthalt: „Beim Waldspaziergang etwa ist das Risiko, dass Viren herumschwirren, sehr viel geringer als in Innenräumen“, sagt Temmel. „Das Immunsystem hat eine Pause und kann regenerieren, weil es nicht andauernd mit Virenabwehr beschäftigt ist.“
Ob flottes Spazieren, Laufen, Schwimmen: Was immer Freude macht, wirkt – solange man es nicht übertreibt. Während Hobbysportler die Abwehr stärken, bedeutet Leistungssport nämlich Stress für den Körper (siehe auch nächster Punkt). Was noch zu beachten ist: „Während eines Infektes sollte man keinen Sport treiben“, schränkt Temmel ein. „Weil das Herz-Kreislaufsystem durch den Infekt gefordert ist, besteht die Gefahr, dass man bei zusätzlicher Belastung einen Kreislaufkollaps bekommt.“
 
Immer hübsch cool bleiben

Regelmäßige Ruhephasen, Pausen und ausreichend Schlaf sind ebenfalls wichtige Kraftquellen. Umgekehrt schwächen Stress und Überforderung unsere Abwehr – ob man Leistungssport betreibt, beruflich rund um die Uhr eingespannt ist oder Beziehungsprobleme hat. „Man weiß, dass Stress dazu führt, dass die Lymphozyten weniger bereit sind, Angreifer wie Viren abzuwehren“, berichtet Temmel. Schon aus diesem Grund empfiehlt es sich, immer hübsch cool zu bleiben: „Stressreduktion führt zu einem kompetenteren Immunsystem, weil die Lymphozyten aktivierter sind“, erklärt der Mediziner. Wie genau die Aktivierung erfolgt ist zwar (noch) nicht bekannt. „In immunologischen Labors konnte man aber nachweisen, dass die Lymphozyten Erreger besser abwehren, wenn der Organismus nicht unter Stress steht.“
Die (Büro-)Pausen nützt man am besten zum regelmäßigen Lüften. „Weil draußen viel weniger Viren sind, erzielt man durch die Frischluft einen Verdünnungseffekt“, erklärt Temmel. Schwirren weniger Erreger herum, erhält auch das Abwehrsystem eine „schöpferische“ Pause.

Ein Nadelstich für jung und alt

Der echten Grippe vorzubeugen, ist besonders einfach: „Die Grippeschutzimpfung bietet Kindern und Erwachsenen einen wertvollen Schutz“, erklärt Temmel. Und so funktioniert die Immunisierung: Man erhält einen Impfstoff, der sich aus den wichtigsten Erregern der aktuellen Grippesaison zusammensetzt; gegen diese Erreger bildet der Körper dann Abwehrstoffe. Eine Grippeimpfung wird besonders Kindern unter vier Jahren, älteren Menschen über 65 Jahren sowie chronisch Kranken empfohlen.

Stand 11/2013

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