Moodfood: Wie gesundes Essen gute Laune macht

März 2015 | Ernährung & Genuss

Kummer, Stress, Langeweile? Wenn sonst nichts hilft, auf ein Stück Schokolade, eine Schwarzwälder-Kirschtorte oder einen deftigen Burger ist, so scheint’s, Verlass. Verleibt man sich kalorienreiche Stimmungsmacher wie diese jedoch zu oft ein, ist die gute Laune spätestens beim Blick auf die Waage dahin. In MEDIZIN populär verrät eine Expertin, welche Nahrung dauerhaft positiv wirkt – und obendrein gesund ist.
 
Von Mag. Alexandra Wimmer

Warum wir in angespannten Zeiten gern zu Süßem oder Deftigem greifen? Schuld sind die Gene: „Hochkalorische Lebensmittel, also Fett- und Zuckergemische, haben in früheren Zeiten das Überleben gesichert“, weiß die Wiener Ernährungswissenschafterin Mag. Karin Lobner. Aus diesem Grund belohnt der Körper eine hohe Kalorienzufuhr bis heute, indem er Gute-Laune-Hormone wie Dopamin ausschüttet. Nach dem erbaulichen Hormonmix lechzen wir besonders, wenn wir gestresst, traurig oder einfach schlecht drauf sind: Üppige Stimmungsmacher wie Schokolade oder Schnitzelsemmel sollen über das Tief hinweghelfen. Stattdessen handelt man sich mit dem vermeintlich tröstlichen Griff in die Kuchenvitrine oder zu Fast Food weitere Probleme ein.

Zu viel Zucker und Fett

Die zu Urzeiten so wertvolle hochkalorische Kost ist nämlich heute meist alles andere als lebensrettend: Das Zuviel an Zucker und Fett schadet uns – und führt langfristig zu den schlimmen Volkskrankheiten unserer Zeit, zu Bluthochdruck, Fettsucht, Diabetes und anderem mehr. „Zucker hat den Effekt, dass er sehr schnell ins Blut schießt und zu Spitzen im Blutzuckerspiegel führt“, erläutert Karin Lobner die unmittelbaren Folgen. „Man fühlt sich zwar kurzzeitig aktiviert, doch der Energiepegel rasselt sehr rasch wieder hinunter. Das kann sich dann wie ein Kater anfühlen.“ Anstatt die Zuckerzufuhr bewusst zu dosieren, neigen viele dazu, „nachzulegen“, sobald die Wirkung nachlässt – ein Teufelskreis.
Auch fettreiche Kost hat Unwohlsein im Schlepptau: „Der Körper reagiert auf alles Fettreiche zwar prinzipiell mit der Ausschüttung von Wohlfühlhormonen“, erklärt die Expertin. Die Freude währt aber nicht lange. Schon bald nach dem Verzehr von Pizza, Cordon bleu oder XXL-Burger geht der Energiepegel nach unten, weil der Körper mit der Verdauung beschäftigt ist. „Fettreiches liegt schwer im Magen, das führt oft zu Völlegefühl“, warnt Lobner. Und das drückt naturgemäß auch auf die Stimmung.

Stress und Schuldgefühle

Weil sie neben dem Körper auch die Psyche belasten, sind die vermeintlichen „Seelentröster“, die wir uns gewohnheitsmäßig und im Übermaß „hineinziehen“, also meist nicht wirklich wirksam. „Junkfood und Essen, das man zwischendurch hinunterschlingt, ist selten ein Genuss“, gibt Karin Lobner zu denken, „egal, ob es ein Burger ist oder eine Topfengolatsche, die man schnell in der U-Bahn oder im Auto verspeist.“ Warum Nebenher-Essen die Stimmung nicht verbessert? Lobner: „Alles, was man nebenbei macht, registriert das Gehirn nicht im Sinne von: Ich tue mir etwas Gutes.“ Mit dem Genuss bleibt auch die gute Laune auf der Strecke.
Zusätzliche Probleme sind programmiert, wenn sich nach oder beim Verzehr von Schoko, Torte & Co Schuldgefühle einstellen. „Sobald man sich schuldig fühlt, etwa weil man zu viel gegessen hat, ist die Stimmung erst recht im Keller“, weiß Lobner.

In Ruhe und mit Genuss

Von „Mood food“, echter Gute-Laune-Kost, kann erst die Rede sein, wenn man die Speise in Ruhe, genüsslich und ganz ohne Schuldgefühle verzehrt. Das stärkt erwiesenermaßen auch die Gesundheit: „Immer, wenn man sich in Ruhe etwas Gutes gönnt – sei es eine Tasse Kräutertee, eine nährende Kartoffelsuppe –, baut man Stress ab“, erläutert Lobner. Und wie aktuelle Studien bestätigen, stärkt alles, was entspannt und Stress abbaut, die Immunabwehr – und hilft damit beim Gesundbleiben.
Entsprechend ist auch ein entspanntes, freundliches Ambiente beim Speisen ein wirksamer Stimmungsmacher: Psychologischen Untersuchungen zufolge haben eine behagliche Umgebung, ein liebevoll gedeckter Tisch, schön angerichtete Speisen und erst recht das Speisen im Kreis der Lieben einen großen Einfluss auf unser Wohlgefühl.

Vertrautes wirkt

„Ob ein Nahrungsmittel die Stimmung zu heben vermag, hängt freilich davon ab, ob man es gern mag“, ergänzt Karin Lobner. Ein Beispiel: „Wenn man ein stark gewürztes Currygericht mit dem letzten Indien-Urlaub verbindet, mit Sonnenschein und schönen Erlebnissen, wird es auch positiv wirken.“ Wem hingegen vor den Gewürzen graust, dessen Laune wird sich auch beim Verzehr des „besten Currys der Stadt“ nicht heben.
Studien zeigen außerdem: Wie Lebensmittel auf das Gehirn wirken, wird maßgeblich von persönlichen Gewohnheiten und Erfahrungen beeinflusst. Was wir von klein auf als nährend, wohlschmeckend und tröstend erlebt haben, „wirkt“ auch heute noch besonders gut.
„Haben wir zu besonderen Gelegenheiten einen bestimmten Kuchen bekommen, dann wählen wir heute vielleicht diesen Kuchen aus, um eine besonders schöne Situation zu schaffen“, gibt Lobner ein Beispiel. Oder die liebe Oma hat, wenn man zu Besuch war, häufig ein köstliches Erdäpfelgulasch aufgetischt? Dann könnte ein Gulasch genau das Richtige sein, wenn man sich nach Geborgenheit und Wärme sehnt. „Ich hab immer, wenn ich krank war, Frittatensuppe bekommen“, gibt die Ernährungswissenschafterin ein persönliches Beispiel. „Noch heute ist, wenn ich Schnupfen bekomme, Frittatensuppe mein Wohlfühlessen, mit dem ich Geborgenheit, Zuneigung und Fürsorge verbinde.“ Für andere bewerkstelligt dies eine Hühnersuppe. Hier legen kontroversielle Studien zur gesundheitlichen Wirkung nahe, dass wahrscheinlich weniger die Nährstoffe in der Suppe wirken als vielmehr die positive persönliche Einstellung zu der Mahlzeit.

Glück zum Essen?

Weil individuelle Einstellungen und Vorlieben für die Wirkung von Speisen wesentlich sind, ist es auch nicht so einfach, Glück quasi in Form bestimmter Nahrungsmittel zu schnabulieren – auch wenn manche Studien das suggerieren. Demnach wirken Lebensmittel wie Bananen, Nüsse, Nudeln oder Lachs positiv auf die Stimmung, weil beim Genuss bestimmte Wohlfühl-Hormone wie Dopamin und Serotonin freigesetzt werden sollen. „Die Wirkung der Lebensmittel auf das Gehirn ist allerdings umstritten“, betont Karin Lobner. Hinzu kommt, dass etwa Serotonin, um seine Wirkung zu entfalten, Helferleins wie den Eiweißbaustoff Tryptophan benötigt. „Und gerade in Sachen Tryptophan braucht es wiederum eine bestimmte Konstellation, damit mehr davon ins Gehirn gelangen und in der Folge Serotonin gebildet werden kann“, veranschaulicht Lobner die komplexen Zusammenhänge.

Scharf und bunt

Andererseits ist die stimmungshebende Wirkung von scharfem Essen erwiesen. Der überraschende Hintergrund: „Physiologisch betrachtet wird beim Verzehr scharfer Gewürze wie Chili durch das enthaltene Capsaicin ein Schmerzreiz ausgelöst. Das führt dazu, dass der Organismus etwas Morphin ausstößt“, erklärt die Ernährungswissenschafterin. Dieses körpereigene Opioid wirkt nicht nur schmerzlindernd, sondern auch euphorisierend.
Neben der Schärfe haben Studien zufolge auch bestimmte Farben von Nahrungsmitteln eine günstige Auswirkung auf die Stimmung: Gelbes, orangefarbenes oder rotes Obst oder Gemüse wirkt positiv, aufheiternd bzw. anregend.
Die Redensart, dass sauer lustig macht, geht hingegen auf einen Irrtum zurück. Mit dem altertümlichen Sprichwort „sauer macht gelüstig“ ist eigentlich gemeint, dass Lebensmittel mit saurem Geschmack den Appetit steigern, indem sie den Speichelfluss erhöhen und die Verdauung fördern.

Seelentröster aufpeppen
Welche Nahrung glücklich macht, hängt zwar stark von den individuellen Gewohnheiten und Vorlieben ab. Die persönliche Wohlfühl-Kost lässt sich jedoch, indem man sie mit bestimmten Zutaten aufwertet, besonders gesund gestalten: Die Hühnersuppe könnte man mit extra viel Gemüse anreichern. Wen Erdäpfelgulasch glücklich macht, der könnte einmal eine vegetarische Variante mit frischen Kräutern probieren und Salat dazu servieren. Das Grießkoch, das man als Kind an kalten Winterabenden bekam, könnte man mit Vollwertgrieß oder Magermilch zubereiten. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt: „Erst durch Experimentieren weiß man, ob einem ein Nahrungsmittel oder eine Speise gut tut“, so Lobner. Die Wohlfühlkost wirkt außerdem nur dann, wenn man sie in Maßen und bewusst genießt. Wem es hin und wieder nach dem persönlichen „Lieblingsseelentröster“ – sei es Kuchen oder Schokolade – verlangt, sollte „sich ganz bewusst und genüsslich ein Stück gönnen“, rät Lobner.
Weil ein Nährstoffmangel ebenfalls auf das Gemüt schlägt, ist es – unter Berücksichtigung der eigenen Vorlieben – letztlich eine ausgewogene Mischkost, die dauerhaft bei Laune, bei Gesundheit und guter Figur hält!

Stand 02/2015

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