Kinderkrankheiten, Neurologie & Psyche

Gesund aus der Krise

Die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Österreich steht unter Druck. Politische Unsicherheiten, Kriege, Wirtschaftskrisen und gesellschaftliche Veränderungen wirken sich längst nicht nur auf Erwachsene aus. Auch junge Menschen erleben zunehmend Angst, Überforderung und Einsamkeit. Das Mental-Health-Programm „Gesund aus der Krise“ zeigt nun eindrucksvoll, dass gezielte, niederschwellige Unterstützung messbar hilft.

Verbesserungen

Eine neue Evaluierung der Universität Innsbruck am Institut für Psychologie wertete Daten von rund 11.000 Klientinnen und Klienten über drei Jahre aus. Das Ergebnis: 93 Prozent der Teilnehmenden fühlten sich nach der Behandlung besser, depressive Verstimmungen und körperliche Beschwerden nahmen deutlich ab. 88 Prozent der Bezugspersonen berichteten über eine subjektive Verbesserung der Schwierigkeiten ihres Kindes, 86 Prozent fühlten sich selbst besser in der Lage, mit Problemen umzugehen.

Niederschwellige Hilfe

Kern des Projekts ist der kostenfreie, wohnortnahe Zugang zu psychologischer, psychotherapeutischer, gesundheitspsychologischer und musiktherapeutischer Betreuung für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene bis 21 Jahre. Seit 2022 konnten bereits rund 50.000 junge Menschen erreicht werden – darunter zunehmend auch Burschen (41 Prozent) und Jugendliche mit Migrationshintergrund (35 Prozent). 28 Behandlungssprachen gewährleisten, dass Therapie in der Muttersprache möglich ist. Die Evaluierung bestätigt, dass besonders die Altersgruppe ab der späten Kindheit bis zum jungen Erwachsenenalter von der Intervention profitiert. Zwei Drittel der Behandlerinnen und Behandler berichten, dass nach mindestens zehn Einheiten gute bis sehr gute Fortschritte erzielt werden.

Digitales Vorzeigeprojekt

Das Programm erfüllt auch zentrale Punkte des WHO-Aktionsplans für digitale Gesundheit. Anmeldung, Zuweisung und Behandlung sind effizient digital organisiert. Jugendliche ab 14 Jahren können sich direkt selbst anmelden, pro Person stehen bis zu 15 kostenlose Behandlungs­einheiten zur Verfügung. 

Die Ergebnisse zeigen: Kinder und Jugendliche brauchen heute gezielte und leicht zugängliche Hilfe, um psychische Belastungen zu bewältigen. „Gesund aus der Krise“ liefert kurzfristige Unterstützung und wirkt nachhaltig – ein Modellprojekt für Chancengerechtigkeit in der psychischen Gesundheit junger Menschen.

Informationen: gesundausderkrise.at


Fotos: istockphoto/Aliaksandra Savich

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