Gesundheit weltweit & Forschung

KI-Software soll Herzschwäche früher erkennen

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind weltweit die häufigste Todesursache, viele bleiben lange unentdeckt – so auch die Herzinsuffizienz.

Ein Spin-off der TU Graz hat gemeinsam mit der Med Uni Graz eine KI-gestützte Software entwickelt, die Hinweise auf Herzschwäche direkt aus EKG-Daten erkennen kann. Teure Verfahren wie CT oder MRT könnten dadurch teilweise ersetzt und unnötige Untersuchungen vermieden werden, wie die Projektpartner mitteilten.

Diagnose kardiovaskulärer Biomarker

In Europa sind mehr als 15 Millionen Menschen von Herzinsuffizienz betroffen. Da Symptome oft erst spät auftreten, wird die Erkrankung meist im fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert. Vorsorgliche Bluttests sind kostenintensiv und werden selten durchgeführt, was zu verzögerter Diagnose, hohen Spitalsaufenthalten und einer starken Belastung des Gesundheitssystems führt. Laut dem Grazer Start-up arterioscope könnte KI hier einen entscheidenden Fortschritt bringen.

Das Unternehmen entwickelt Modelle zur frühen Risikoerkennung, indem Biosignale in klinisch relevante Biomarker übersetzt werden. „Wir haben eine medizinisch validierte KI-Software zur Diagnose kardiovaskulärer Biomarker entwickelt, die mit Erkrankungen wie Herzinsuffizienz, Herzinfarkt oder Atherosklerose zusammenhängen“, erklärte CEO Hermann Moser. Der Schwerpunkt liegt derzeit auf Herzschwäche.

Umfangreiche Datensätze

Mithilfe von Machine- und Deep-Learning-Modellen analysiert die Software minimale Veränderungen elektrischer Felder im EKG, die selbst erfahrene Medizinerinnen und Mediziner nicht erkennen können – und das in Echtzeit. Die Technologie basiert auf rund zehn Jahren Forschung an der TU Graz; maßgeblich beteiligt sind die Wissenschafter Sascha Ranftl und Vahid Badeli. Künftig sollen auch Daten aus der Photoplethysmographie (PPG) genutzt werden, um die Anwendung auf Wearables auszuweiten. Trainiert wurde das System mit umfangreichen klinischen Datensätzen, darunter auch mit dem Herzinsuffizienz-Marker NT-proBNP. Ziel ist ein telemedizinisches Vorscreening, das als „Gatekeeper“ Patientinnen und Patienten gezielt zur kardiologischen Abklärung führt. Die Software befindet sich aktuell im Zertifizierungsprozess nach EU-Medizinprodukteverordnung.


Fotos: istockphoto/Toltemara

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