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Gürtelrose: Die unterschätzte Gefahr

Herpes Zoster, besser bekannt als Gürtelrose, ist eine schmerzhafte  Reaktivierung des Windpockenvirus, die vor allem ältere oder immungeschwächte Menschen treffen kann – oft plötzlich, heftig und mit langanhaltenden Nervenschmerzen.

Von Doris Simhofer

Univ.-Prof. Dr. Ursula Wiedermann-Schmidt
„Die Impfung schützt sowohl vor dem Ausbruch einer Zoster-Erkrankung, als auch vor einer post-herpetischen Neuralgie.“ 

Die Schmerzen in der linken Brust kamen schlagartig, brennend und stechend. „Ein Herzinfarkt? Eine Gallenkolik?“, waren Susannes (60) erste Gedanken. In der Klinik bekam sie Klarheit: Herpes Zoster – landläufig als „Gürtelrose“ bekannt – war mit aller Kraft in ihrem Körper ausgebrochen. Es begann eine Zeit langen Leidens, schwieriger Therapiewege und die Erkenntnis, dass der Schmerz nicht so schnell wieder gehen wird, wie er gekommen ist.

Eine Gürtelrose, medizinisch: „Herpes Zoster“, kann mit unterschiedlichen Symptomen einhergehen. Manche Menschen fühlen sich bereits Tage vor dem Ausbruch der Erkrankung abgeschlagen, krank oder haben leichtes Fieber. Massiv bemerkbar macht sich die Erkrankung oft mit einseitigen Schmerzen in der Brust oder am Rumpf – mitunter entstehen typische Bläschen oder Pusteln, die mit infektiöser Flüssigkeit gefüllt, also ansteckend sind. Die Bläschen, sofern sie auftreten, verkrusten nach etwa fünf Tagen, der Schmerz kann länger andauern, wie Susanne bestätigt: „Ich habe jeden Tag gehofft, es sei der letzte Schmerztag, habe die Tage gezählt, doch der Schmerz schien gekommen zu sein, um zu bleiben.“  

Langlebiges Virus

Die Krankheit beginnt bereits in der Kindheit, verursacht wird sie durch das Varizella-Zoster-Virus aus der Familie der Herpesviren. Meist werden die Viren unter Kindern als  Tröpfcheninfektion weitergegeben, in der Folge erkranken Menschen an Windpocken (Schafblattern, Feuchtblattern, medizinisch „Varizellen“), einer hoch ansteckenden Infektionskrankheit. Nach Abklingen der Windpocken sind Betroffene zwar gegen genau diese immun, das Varizella-Zoster-Virus aber bleibt lebenslang im Körper, es schlummert in den Nervenganglien des Rückenmarks und kann als Gürtelrose in späteren Jahren ausbrechen. Etwa 95 Prozent der Bevölkerung tragen das Virus in sich. „Es wird meist durch Stress oder Überlastung sowie bei geschwächtem Immunsystem reaktiviert und führt zum Ausbruch der Erkrankung“, so Univ.-Prof. Dr. Ursula Wiedermann-Schmidt, Leiterin der Spezialambulanz für Impfungen, Reise- und Tropenmedizin an der MedUni Wien.

Vorsorge ist möglich

Fast jede bzw. jeder Dritte erkrankt einmal im Leben an Gürtelrose, vor allem ältere Menschen, da auch das Immunsystem im Alter schwächer wird. Zu all diesen nüchternen Fakten gibt es aber auch eine gute Nachricht: Gegen Herpes Zoster kann man sich impfen lassen, seit Ende 2025 ist die Impfung für über 60-Jährige und Risikopatientinnen und -patienten in Österreich gratis. „Eine Impfung ist für alle empfohlen, die in der frühen Kindheit mit dem Varizella-Virus in Kontakt gekommen sind. Weiters sollten sich alle Betroffenen mit hämatologischen Erkrankungen, mit Chemo- oder Biologica-Therapie sowie Immunsupprimierte impfen lassen“, rät Wiedermann-Schmidt. Der Impfstoff ist ab dem 18. Lebensjahr zugelassen, Risikopatientinnen und -patienten sollten sich jedoch schon frühzeitig immunisieren lassen.

Gut verträglich für alle

Der seit 2006 für die EU zugelassene Lebend­impfstoff wurde 2018 durch einen neuen, hochwirksamen Totimpfstoff ersetzt, der gut verträglich ist. „Die Impfung besteht aus zwei Teilen, die im Abstand von zwei bis sechs Monaten erfolgen. Sie ist auch dann sinnvoll, wenn die Erkrankung bereits ausgebrochen war, im Akutfall einer Gürtelrose sollte man abwarten und sechs Monate nach dem Abklingen der Symptome impfen“, so Wiedermann-Schmidt. Die Impfung bewirkt eine zelluläre Immunität, „dabei wird ein Gleichgewicht der T-Zellen hergestellt, denn diese sind wichtig für die Abwehr der Zoster-Viren. Sie verhindern, dass die Viren aus den Nervenzellen ausbrechen, sie werden gewissermaßen in Schach gehalten. Allerdings ruft eine überstandene Herpes-Zoster-Infektion keine ausreichende Immunität hervor. Vor allem im Alter und bei schwachem Immunsystem ist ein Wiederauftreten der Gürtelrose nicht auszuschließen. Die Impfung hingegen schützt sowohl vor dem Ausbruch einer Zoster-Erkrankung als auch vor einer post-herpetischen Neuralgie“, so die Medizinerin. Der Impfschutz hält bei gesunden Erwachsenen bis zu elf Jahren, bei Risikopatientinnen und -patienten sollte nach etwa zwei bis drei Jahren aufgefrischt werden.

Kaum Nebenwirkungen

Müdigkeit, Kopfschmerzen, Rötungen an der Haut oder Schmerzen an der Einstichstelle können ein bis drei Tage andauern, diese sind jedoch vernachlässigbar im Vergleich zu den Schmerzen, die eine Gürtelrose mit sich bringen kann, wie Susanne bestätigt. Die Impfung hatte die 60-Jährige bereits geplant, aufgrund einer Vorerkrankung nimmt sie immunsupprimierende Medikamente ein. Engmaschige Kontrollen zur Verträglichkeit von Medikamenten, Impfungen stehen bei Susanne an der Tagesordnung. Der Zoster-Ausbruch kam aber schneller als der Tag, an dem sie geimpft werden sollte. „Es waren unfassbare Schmerzen, gegen die kein Medikament half“, erzählt sie, „ich bekam Tabletten, Schmerzpflaster, Medikamente, die mir Alpträume machten – es war die Hölle“, so die engagierte Lehrerin. Sie rät daher allen, schon beim leisesten Symptom einer Gürtelrose den Arzt, die Ärztin aufzusuchen. Wird eine gezielte Therapie innerhalb von 72 Stunden nach Auftreten der ersten Symptome eingeleitet, kann der Leidensweg verkürzt werden. Eine solche besteht aus einer antiviralen, einer schmerztherapeutischen sowie einer Therapie möglicher Komplikationen.

Gegen Viren und Schmerzen

Zunächst geht es darum, das Virus unschädlich zu machen. Dazu werden gängige Virostatika oral über etwa sieben Tage angewendet, wie Valacyclovir, Famciclovir, Aciclovir und Brivudin (letzteres allerdings nicht bei verschiedenen Chemotherapien oder antimykotischen Therapien etc.). Einzig Aciclovir kann meist bei schweren Verläufen intravenös verabreicht werden. Befällt der Zoster auch die Hals-Kopf-Region, Augen (Zoster ophthalmicus) oder Schleimhäute, wird eine intravenöse antivirale Therapie empfohlen; bei bestimmten Vorerkrankungen wie etwa Nierenfunktionseinschränkung muss die Dosis allerdings individuell angepasst werden.

„Es waren Schmerzen, die mich nicht schlafen ließen, die mir Angst machten, mir meine Lebensfreude nahmen“, beschreibt Susanne ihren
Leidensweg. Die Schmerzbekämpfung ist daher eine wesentliche Säule im Behandlungspfad. Gegen den Schmerz werden sogenannte nicht steroidale Antiphlogistika verabreicht, starke Schmerzen können mit Opioiden (Tramadol, Codein) behandelt werden. Die brennenden, stechenden Zoster-Schmerzen bedürfen einer umfassenden Therapie, dazu werden durchwegs Antiepileptika bzw. Antikonvulsiva, also krampfhemmende Wirkstoffe angewendet. Zusätzlich kann eine Therapie mit Antidepressiva eine Schmerztherapie ergänzen, um der Patientin bzw. dem Patienten bei der Bewältigung von Ängsten und Verzweiflung zu helfen. 

Schwierig wird es, wenn Komplikationen hinzukommen, so etwa eine Postzosterneuralgie. Davon spricht man, wenn nach dem Abklingen der sichtbaren Symptome Schmerzen auftreten, die zwölf Wochen oder länger andauern. In diesem Fall ist die Behandlung durch erfahrene Schmerztherapeutinnen und -therapeuten sowie Neurologinnen und Neurologen empfohlen, die in einer Zusammenschau verschiedener Möglichkeiten einen individuellen Behandlungsplan erstellen. So etwa können Schmerzpflaster, Medikamente gegen Krämpfe (Antikonvulsiva), Antidepressiva und Schmerzmittel individuell kombiniert werden, weiters können beispielsweise Nervenblockaden oder spezielle Verfahren der Nervenstimulation (TENS) zur Behandlung herangezogen werden. 

Susanne wurde nach drei Monaten Schmerzen nun einer Schmerzambulanz zugewiesen, erzählt sie: „Ich habe hier einen individuellen Behandlungsplan erhalten und bin sicher, dass dies der richtige Weg aus dieser elenden Schmerzspirale ist.“ 


Auf einen Blick

  • Eine frühe Therapie mit adäquater Schmerztherapie
    der Herpes-Zoster-Infektion kann die Wahrscheinlichkeit einer Herpes-Zoster-Neuralgie stark verringern.
  • Die Impfung schützt zu 90 Prozent vor einer Erkrankung an Herpes Zoster. 
  • Eine Impfung gegen Windpocken schützt vor der Windpockenerstinfektion. Da dies eine Lebendimpfung ist, besteht dennoch ein Restrisiko, später Herpes Zoster zu bekommen. Daher macht es Sinn, auch jene Personen, die gegen Windpocken geimpft wurden, gegen Herpes Zoster zu impfen.

Fotos:  Med uni wien/Felicitas Matern, istockphoto/viktoriya kabanova

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