Pflanzen, die in der kalten Jahreszeit blühen? Ja, die gibt es! Eine von ihnen ist die Hamamelis: Sie blüht in leuchtenden Gelb- und Rottönen, wenn andere Pflanzen im tiefsten Winterschlaf liegen. Was die Pflanze neben ihrer auffallenden Optik zu bieten hat, erklärt Dr. Christine Reiler.
Bereits die indigenen Völker Nordamerikas wussten die besonderen Inhaltsstoffe der Hamamelis, auch als Zaubernuss bekannt, gezielt zu nutzen. Sie fanden darin ein potentes Geschenk der Natur zur Behandlung von
Wunden, entzündeter Haut und schmerzenden Beinen. Was damals mit spirituellen Kräften erklärt wurde, ist heute medizinisch gut erforscht. Verwendet werden vor allem die Blätter und die Rinde der Pflanze, deren positive Wirkungen inzwischen auch von der Europäischen Union anerkannt sind. Ebenso bestätigt die Europäische Arzneimittelagentur den Einsatz von Hamamelis bei Schleimhaut- und Hautreizungen. Vielen ist sie daher auch aus der Hautpflege und der Kosmetik bekannt.
Hilfe bei Wunden
Hamamelis verleiht trockener und müder Haut neue Frische, spielt aber ebenso eine bedeutende Rolle in der Pharmazie. Verantwortlich dafür sind vor allem die enthaltenen Gerbstoffe, die auf die Eiweißstrukturen der oberen Hautschichten zusammenziehend wirken. Dieser adstringierende Effekt verdichtet das Gewebe, stillt Blutungen und lindert Juckreiz. Besonders häufig kommt die Hamamelis daher in Wund- und Hämorrhoidensalben zum Einsatz. Darüber hinaus sind in Apotheken alkoholische Auszüge erhältlich, die traditionell etwa als Mundspülung bei leichten Verletzungen im Mundraum verwendet werden. Wissenschaftlich belegt ist die Wirksamkeit vor allem bei Hämorrhoiden und kleineren Wunden, während andere Anwendungen eher der traditionellen Pflanzenheilkunde zuzuordnen sind.
Mundspülung selber machen
Die Anwendung der Hamamelis erfolgt ausschließlich äußerlich. Zwar gilt sie nicht als giftig, dennoch sollte Hamameliswasser auch beim Gurgeln nicht geschluckt werden. Wer bei Zahnfleischentzündungen selbst eine Mundspülung herstellen möchte, kann 50 bis 100 Gramm zerkleinerte Hamamelisblätter oder -rinde in ein Schraubglas geben und mit 200 bis 300 Millilitern hochprozentigem Alkohol – etwa Vodka, Korn oder 70-prozentigem Ethanol aus der Apotheke – übergießen. Nach einer Ziehzeit von vier Wochen wird der Ansatz abgeseiht. Die fertige Mundspülung eignet sich dank ihrer entzündungshemmenden und zusammenziehenden Eigenschaften gut zur Pflege bei Zahnfleischproblemen oder Aphthen.
Wohltuender Wickel
Auch bei müden Beinen, Krampfadern oder Sonnenbrand kann Hamamelis als Umschlag wohltuende Linderung verschaffen. Dafür werden zehn Gramm der geschnittenen Blätter oder der Rinde mit 250 Millilitern kochendem Wasser übergossen und nach zehn bis dreißig Minuten abgeseiht. In den lauwarmen Sud werden Baumwolltücher getränkt und anschließend als Wickel aufgelegt. Übrigens: Hamamelisrinde und -blätter sind in jeder Apotheke erhältlich. Wer jedoch eine eigene Pflanze im Garten besitzt und sorgsam erntet, kann selbstverständlich auch die frischen Blätter selbst
verwenden.
Fotos: istock kororokerokero