MEDIZIN POPULÄR-Leser Stefan H. fragt: Ist der regelmäßige Genuss von grünem Tee wirklich sinnvoll oder kann es sein, dass dieser auf den Darm wirkt und Beschwerden wie Durchfall oder Unwohlsein auslöst?
Von Natascha Gazzari
vom Dungl Gesundheits-
zentrum Wien, beantwortet die aktuelle Leserfrage.
Grüner Tee ist weit mehr als ein wohltuendes Heißgetränk. Er ist reich an Polyphenolen, insbesondere an Katechinen, die zu den wirksamsten pflanzlichen Antioxidantien zählen. Ihnen wird ein schützender Effekt auf das Herz-Kreislauf-System zugeschrieben. Zum einen fördern sie durch die Bildung von Stickstoffmonoxid eine sanfte Gefäßerweiterung und damit die Durchblutung. Zum anderen hemmen sie die Oxidation von LDL-Cholesterin, wodurch sich weniger Ablagerungen an den Gefäßwänden bilden – ein entscheidender Faktor in der Entstehung von Arteriosklerose.
Welche Bedeutung hat grüner Tee in der TCM?
In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) wird grüner Tee seit Jahrtausenden geschätzt. Er gilt als kühlend, ausleitend und klärend und wird bei Symptomen von „innerer Hitze“ – etwa Bluthochdruck, Entzündungen oder innerer Unruhe – empfohlen. Interessant ist auch die Zubereitungsdauer: Lässt man grünen Tee länger ziehen, erhöht sich der Gehalt an Gerbstoffen – die anregende Wirkung nimmt ab, während die Konzentration gefördert wird. Wer zu starkem Schwitzen neigt, kann die kühlende Wirkung nutzen, indem er den Tee abkühlen lässt und mit einem Spritzer Zitronensaft genießt. Der Tee wirkt dann erfrischend und ausgleichend zugleich.
Was ist mit dem enthaltenen Koffein?
Obwohl die Teepflanze in der Trockenmasse mehr Koffein enthält als Kaffeebohnen, ist eine Tasse Kaffee dennoch deutlich stärker: Grund dafür ist die größere Pulvermenge, die beim Kaffeeaufguss verwendet wird. Das im grünen Tee enthaltene Koffein wirkt mild anregend – und ist damit für viele Menschen bekömmlicher als Kaffee. Wer sensibel auf Koffein reagiert, sollte nach 15 Uhr auf Grüntee verzichten, da sonst die Schlaftiefe leiden könnte.
Kann es zu unerwünschten Nebenwirkungen kommen?
Wer grünen Tee mag, kann ihn ohne Bedenken trinken, aber nicht in Massen und nicht ausschließlich. Er enthält neben Koffein auch Catechine, die zu den Gerbstoffen zählen und antioxidative Eigenschaften besitzen. Bei einem Konsum von ein bis zwei Tassen täglich sind in der Regel keine Nebenwirkungen zu erwarten. Bei höheren Mengen kann es jedoch zu Herzklopfen, innerer Unruhe oder Übelkeit kommen – insbesondere bei Personen, die empfindlich auf Koffein reagieren. Besondere Vorsicht ist beim Gebrauch von Grüntee-Extrakten geboten. Diese sind häufig entkoffeiniert, enthalten jedoch hohe Konzentrationen an Catechinen, die in übermäßiger Dosierung toxische Wirkungen, unter anderem auf die Leber, haben können. Zudem sind Wechselwirkungen mit Medikamenten wie Gerinnungshemmern, Blutdruck- oder Cholesterinsenkern möglich. Solche hochkonzentrierten Grüntee-Präparate sollten daher nur nach Rücksprache mit der behandelnden Ärztin, dem behandelnden Arzt eingenommen werden. Für Schwangere, Stillende und Kinder unter 18 Jahren sind sie nicht geeignet.
Augen auf beim Teekauf
Grüner Tee ist ein Naturprodukt – die Qualität kann daher stark variieren. Grundlage aller Sorten ist die Pflanze Camellia sinensis, doch je nach Anbaugebiet, Erntezeit und Verarbeitung entstehen unterschiedliche Geschmacksprofile und Wirkstoffkonzentrationen. Bekannte Grünteesorten sind gedämpfter Sencha aus China oder Japan, geröstete Tees wie Hojicha, Hochlandtees aus Südindien
(Nilgiris) oder der feine Matcha, der aus pulverisierten Teeblättern
hergestellt wird. Achten Sie beim Kauf auf Bio-, Fairtrade- und
Rainforest-Alliance-Zertifizierungen. Namhafte Teehändler führen
mehrstufige Qualitätskontrollen durch, um Rückstände von Pestiziden oder Aluminium zu vermeiden.
Fotos: Haeusler/www.health-nutrition.at, istockphoto/olga strelnikova