MEDIZIN POPULÄR-Leser Gottfried F. (64) fragt: „Mein Arzt hat mir empfohlen, den Blutdruck eine Woche lang zuhause zu messen. Worauf muss ich achten, damit ich verlässliche Werte bekomme?“
Von Natascha Gazzari
Fachärztin für Innere Medizin und Kardiologie, Oberärztin an der 3. Medizinischen Abteilung im UK St. Pölten und Wahlärztin in 1140 Wien, beantwortet die aktuelle
Leserfrage.
Der Blutdruck reagiert sensibel auf äußere Einflüsse wie Stress, Bewegung oder sogar Gespräche. Schwankungen zwischen einzelnen Messungen sind daher völlig normal. Umso wichtiger ist es, bei der Blutdruckmessung auf die richtigen Rahmenbedingungen zu achten. Für möglichst genaue und vergleichbare Werte gilt: Messen Sie Ihren Blutdruck in einer ruhigen Umgebung, im Sitzen oder Liegen. Achten Sie darauf, dass Arm und Rücken entspannt sind und gönnen Sie sich vor der Messung etwa fünf Minuten Ruhe. Empfohlen wird eine Messung zweimal täglich – morgens und abends. Die morgendliche Messung sollte vor der Einnahme von Blutdruckmedikamenten erfolgen, jedoch nicht direkt nach dem Aufwachen. Während der Messung selbst ist es wichtig, nicht zu sprechen. Für eine zuverlässige Einschätzung sollten drei Messungen hintereinander durchgeführt werden. Der erste Wert wird verworfen. Aus der zweiten und dritten Messung wird ein Mittelwert gebildet – dieser gibt den tatsächlichen Blutdruck am besten wieder. Es empfiehlt sich zudem, die Messungen an mindestens drei Tagen pro Woche durchzuführen.
Welche Art von Blutdruck-messgerät eignet sich am besten für den Heimgebrauch?
Für die Blutdruckmessung zu Hause sind Oberarmgeräte die erste Wahl, da sie die zuverlässigsten Werte liefern. Wichtig ist die richtige Manschettengröße sowie die korrekte Positionierung – etwa zwei Querfinger oberhalb der Ellenbeuge. Handgelenksgeräte sind etwas ungenauer, können jedoch auf Reisen, bei eingeschränkter Mobilität oder sehr kräftigen Oberarmen eine sinnvolle Alternative sein. Keine medizinische Empfehlung gibt es derzeit für Wearables wie Smartwatches mit Blutdruckmessfunktion.
Was sind die häufigsten Fehler bei der Blutdruckmessung?
Messungen ohne ausreichende Ruhe oder bei innerer Anspannung können die Werte verfälschen. Auch eine angespannte Armmuskulatur während der Messung ist ein häufiger Grund für zu hohe Werte. Entscheidend ist auch die Manschettengröße: Eine zu kleine Manschette kann den Blutdruck zu hoch anzeigen.
Wie stark darf der Blutdruck im Alltag schwanken und wann spricht man von Bluthochdruck?
Leichte Schwankungen sind ganz normal. Durch eine korrekte Messung lassen sich diese jedoch möglichst gering halten. Liegen allerdings mehr als ein Drittel der Messwerte über 135/85 mmHg, liegt eine arterielle Hypertonie, sprich Bluthochdruck, vor. In diesem Fall sollte die Notwendigkeit einer Behandlung ärztlich abgeklärt werden. Bei Menschen über 80 Jahren gilt ein etwas höherer Grenzwert von 140/85 mmHg.
Darunter hat die europäische Gesellschaft für Kardiologie eine weitere Kategorie definiert: den „erhöhten Blutdruck“ mit Werten im Bereich von 120–134/70–84 mmHg. In diesem Bereich ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll, insbesondere im Hinblick auf persönliche Risikofaktoren wie Veranlagung, Begleiterkrankungen, Medikation, Nikotinkonsum und Bewegungsverhalten. Eine medikamentöse Therapie ist bei erhöhtem Blutdruck meist noch nicht notwendig.
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