Der Echte Hopfen (Humulus lupulus) wurde heuer von der Herbal Medicinal Products Platform Austria zur österreichischen Arzneipflanze des Jahres gekürt. Dr. Christine Reiler erklärt, mit welchen Eigenschaften die Kletterpflanze punktet.
Ursprünglich in Osteuropa beheimatet, ist der zur Familie der Hanfgewächse zählende Hopfen heute in ganz Europa verbreitet und wächst bevorzugt in Gewässernähe. Mit seinen hakenförmigen Kletterhaaren erklimmt er Bäume, Zäune und Sträucher. Vielen ist er als charakteristische, bittere Zutat des Bieres bekannt. In der Naturheilkunde gilt er als traditionelles pflanzliches Arzneimittel mit beruhigender Wirkung: Er unterstützt erholsamen Schlaf und hilft bei nervöser Unruhe – besonders in belastenden Zeiten.
Für starke Nerven
Hopfen enthält eine Reihe wertvoller Inhaltsstoffe mit vielfältigen Effekten. Die Bitterstoffe Humulon und Lupulon fördern die Verdauung und wirken ausgleichend auf das Nervensystem. Sein ätherisches Öl begünstigt Entspannung und Stressabbau. Flavonoide fungieren als Antioxidantien, schützen die Zellen vor freien Radikalen und tragen zur Gesunderhaltung bei. Die enthaltenen Phytoöstrogene entfalten eine hormonähnliche Wirkung und können Frauen in den Wechseljahren bei Beschwerden wie Hitzewallungen unterstützen. Ergänzend stärken Harze und Mineralstoffe das Immunsystem und fördern das allgemeine Wohlbefinden.
Hopfentee selber machen
Bei innerer Unruhe, Ängsten oder Einschlafproblemen kann ein einfacher Hopfentee hilfreich sein: Übergießen Sie einen Teelöffel getrocknete Hopfenzapfen mit heißem Wasser und lassen Sie den Aufguss etwa zehn Minuten ziehen. Langsam getrunken, entfaltet er seine beruhigende Wirkung und erleichtert das Einschlafen. Zu beachten ist, dass pflanzliche Mittel meist etwas Zeit benötigen, bis sie ihre volle Kraft entwickeln – oft zeigt sich die Wirkung erst nach regelmäßiger Anwendung über mehrere Tage bis zu zwei Wochen. Zur Verstärkung können Melisse, Lavendel, Baldrian oder Passionsblume beigemischt werden.
Entspannendes Hopfenbad
Für zusätzliche Entspannung empfiehlt sich ein Hopfenbad. Füllen Sie eine Hand voll getrockneter Hopfenzapfen in ein Baumwollsäckchen oder ein dünnes Leinentuch und binden Sie es gut zu. Lassen Sie das Säckchen dann in warmem Badewasser für etwa 15 bis 20 Minuten ziehen, damit sich die Wirkstoffe entfalten können. Sie können aber auch zu Hopfenextrakten in Form von Tropfen oder Kapseln greifen. Diese sind in der Apotheke erhältlich und tragen zur Unterstützung des Immunsystems bei.
„Die Bewegung des Öls im Mundraum bewirkt eine gesteigerte Schleimhaut- und Gewebedurchblutung.“
MEDIZIN POPULÄR-Leserin Andrea Z. fragt: Ist Ölziehen mit Sesamöl gut für das Zahnfleisch?
Ein Name, der zu der Frage immer wieder im Zusammenhang auftaucht, ist der des ukrainischen Mediziners Dr. F. Karach. Dieser empfahl als vorbeugende gesamtgesundheitliche Maßnahme, morgens vor dem Frühstück auf nüchternen Magen einen Esslöffel Öl durch Kauen, Saugen, Spülen und durch die Zähne ziehen ständig in Bewegung zu halten. Nach etwa 15 bis 20 Minuten wird das inzwischen weißliche und dünnflüssige Öl ausgespuckt. Der Therapieansatz ist schnell erklärt: Der Wissenschafter ging davon aus, dass das Öl verschiedene Krankheitserreger im Mund anzieht, die gelöst und später ausgespuckt werden. Der Körper soll so also von Toxinen und Schlacken entgiftet werden. Die Bewegung des Öls im Mundraum bewirkt zusätzlich eine gesteigerte Schleimhaut- und Gewebedurchblutung, was einen Abtransport der Giftstoffe fördert. Anschließend wird der Mund mehrmals mit Wasser gründlich gespült und die Zähne sollen geputzt werden.
Die körpereigenen Abwehrkäfte sollen beim Ölziehen also gestärkt werden. Ob bei Bronchitis, Zahnfleischentzündungen, Magengeschwüren, Kopfschmerzen oder Schuppenflechte – Anhänger des Ölschlürfens schwören auf die alternative Behandlung und deren Wirkung. Wirklich aussagekräftige größere Studien findet man nicht. Dafür aber ein paar kleinere, beispielsweise eine Untersuchung von Sesamöl. Diese zeigte, dass tägliches Ölziehen über acht Wochen die Zahnbelagswerte etwas stärker reduzieren kann als Wasser, und die Zahl der Mundbakterien, insbesondere von Streptococcus mutans (dem wichtigsten Erreger von Karies), bei den Studienteilnehmenden um 20 Prozent zurückgegangen war.
Studien hin oder her – ob die Methode wirklich wirkt, muss jede und jeder für sich selbst entscheiden. Dabei gilt wie so oft in der alternativen Medizin: Selbst, wenn es wissenschaftlich keine eindeutigen Beweise für die Wirkung einer Therapie gibt, heißt das nicht, dass sie nicht trotzdem dem einen oder anderen guttun kann.
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