MEDIZIN POPULÄR-Leserin Anna B. fragt: Ich habe immer wieder Probleme mit hartem Stuhlgang, verbunden mit lästigem Juckreiz im Analbereich. Kürzlich habe ich auf dem Toilettenpapier hellrote Blutspuren bemerkt. Kann es sein, dass ich Hämorrhoiden habe?
Von Natascha Gazzari
Borhanian,
Facharzt für
Allgemein- und Viszeralchirurgie in Salzburg Stadt, beantwortet die aktuelle Leserfrage.
Hämorrhoiden sind gut durchblutete Gefäßpolster im Analkanal und ein natürlicher Bestandteil unseres Körpers. Diese Gefäßkissen unterstützen gemeinsam mit dem Schließmuskel die Feinabdichtung des Darms und tragen wesentlich zur Kontinenz bei. Erst wenn sich diese Polster vergrößern und Beschwerden verursachen, spricht man von einem Hämorrhoidalleiden. Obwohl das Thema oft als unangenehm empfunden wird und viele Betroffene aus Scham nicht darüber sprechen, handelt es sich um ein sehr häufiges Gesundheitsproblem. Ein erheblicher Teil der erwachsenen Bevölkerung ist zumindest zeitweise betroffen. Durch die Tabuisierung entsteht jedoch der falsche Eindruck, Hämorrhoiden seien selten oder außergewöhnlich – tatsächlich sind sie weit verbreitet.
Welche Symptome sind typisch?
Typische Symptome sind die von der Leserin beschriebenen Blutauflagerungen am Toilettenpapier oder auf dem Stuhl, Juckreiz, Nässen, ein Druck- oder Fremdkörpergefühl im Analbereich sowie – in fortgeschritteneren Stadien – ein Vorfall von Gewebe beim Stuhlgang. Schmerzen stehen meist nicht im Vordergrund. Sollten Schmerzen hinzukommen, sollte an andere Ursachen wie eine Analfissur oder eine Analvenenthrombose gedacht werden. Blut im Stuhl sollte immer ärztlich abgeklärt werden, da auch andere Erkrankungen wie Darmpolypen oder bösartige Veränderungen ähnliche Beschwerden verursachen können. Spätestens bei wiederholten Blutungen, zunehmenden Beschwerden oder anhaltenden Symptomen über mehrere Wochen ist eine ärztliche Untersuchung ratsam.
Welche Ursachen begünstigen die Entstehung?
Die Entstehung eines Hämorrhoidalleidens hängt meist mit einem erhöhten Druck im Bauchraum und einer chronischen Belastung beim Stuhlgang zusammen. Besonders bedeutsam ist starkes oder wiederholtes Pressen. Durch den erhöhten Druck staut sich Blut in den Gefäßpolstern, die sich dadurch vergrößern können. Häufige Risikofaktoren sind Verstopfung, ballaststoffarme Ernährung, Bewegungsmangel, Übergewicht sowie langes Sitzen auf der Toilette. Auch in der Schwangerschaft können hormonelle Veränderungen und die veränderten Druckverhältnisse im Beckenbereich die Entstehung begünstigen. Ein oft unterschätzter Faktor ist die verlängerte Toilettensitzung. Das Lesen der Zeitung oder die Nutzung des Smartphones auf dem WC verlängern die Toilettensitzung über das medizinisch Sinnvolle hinaus. Dadurch steigt der Druck im Analbereich unnötig an.
Empfehlenswert ist eine kurze, zielgerichtete Toilettensitzung von wenigen Minuten ohne zusätzliche Ablenkung. Ebenso wichtig ist es, Pressen möglichst zu vermeiden. Der Stuhlgang sollte ohne Kraftaufwand erfolgen. Kommt es regelmäßig zu Verstopfung, sollte die Ursache abgeklärt und die Stuhlregulation verbessert werden.
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
Medizinisch werden Hämorrhoiden je nach Ausprägung in vier Grade eingeteilt. Die Behandlung richtet sich nach dem Stadium und dem individuellen Leidensdruck. In frühen Stadien stehen konservative Maßnahmen im Vordergrund. Ziel ist es, den Stuhl weich und gleitfähig zu halten, um Pressen zu vermeiden. Kurzfristig können Salben oder Zäpfchen eingesetzt werden, um Juckreiz oder leichte Entzündungen zu lindern. Sie lindern vor allem Symptome und ersetzen keine ursächliche Therapie.
Wenn konservative Maßnahmen nicht ausreichen, stehen minimalinvasive Verfahren zur Verfügung. Häufig angewendet wird die Gummibandligatur, bei der das vergrößerte Gewebe durch ein kleines Gummiband abgebunden wird und in der Folge schrumpft. Auch Verödungsverfahren (Sklerosierung) können eingesetzt werden. Beide Methoden erfolgen in der Regel ambulant und sind gut verträglich. In fortgeschrittenen Stadien oder bei ausgeprägtem Leidensdruck kann eine operative Behandlung notwendig werden. Dabei wird überschüssiges Gewebe chirurgisch entfernt oder repositioniert.
Wie kann man selbst vorbeugen?
Durch einfache Alltagsmaßnahmen lässt sich viel erreichen. Wichtig sind eine ballaststoffreiche Ernährung mit Vollkornprodukten, Gemüse, Obst und gegebenenfalls pflanzlichen Quellstoffen, ausreichend Flüssigkeit, regelmäßige Bewegung, kurze Toilettensitzungen ohne Smartphone oder Zeitung sowie das bewusste Vermeiden von Pressen. Nach dem Stuhlgang ist eine schonende Reinigung mit Wasser sinnvoll. Starkes Reiben mit trockenem Papier kann die empfindliche Haut zusätzlich reizen.
Fotos: istock/Alena Igdeeva