Verdauung, Magen & Darm

Magenspiegelung: Routineeingriff mit kompliziertem Namen 

Wie genial: Eine Magenspiegelung bietet Einblick in das Innere des Körpers, ohne ihn aufzuschneiden. Mit Sedierung merken Patientinnen und Patienten kaum etwas vom Eingriff. 

PD Dr. Philipp Schreiner
„Bei Menschen mit schwerem Übergewicht oder Schlafapnoe macht die Untersuchung im Spital Sinn.“ 

Lust auf einen Zungenbrecher? Probieren Sie es mal mit „Ösophagogastroduodenoskopie“. Noch nie gehört? Kein Wunder, der medizinische Fachausdruck ist nicht besonders geläufig. Selbst Medizinerinnen und Mediziner nehmen das 27-Buchstaben-Wort im Gespräch mit Patientinnen und Patienten kaum in den Mund. Sie sagen lieber „Gastroskopie“ oder, noch einfacher, „Magenspiegelung“. Und das wiederum sind bekannte Begriffe, ist die Magenspiegelung doch eine der häufigen medizinischen Untersuchungen. Ein Routineeingriff, der Einblick in den menschlichen Körper bietet, ohne diesen aufzuschneiden, in das Innere der Speiseröhre, des Magens und des Zwölffingerdarms. Von daher auch der komplizierte medizinische Fach­ausdruck „Ösophagogastroduodenoskopie“: „Ösophago“ leitet sich vom griechischen Wort für die Speiseröhre ab, „Gastro“ steht für den Magen, „Duodeno“ für den Zwöl­fingerdarm. Und „Skopie“ meint die Untersuchung. 

Keine Vorsorgeuntersuchung

Im Gegensatz zur Darmspiegelung, die allen Menschen in Österreich ab 45 zur Krebsfrüherkennung empfohlen wird, ist die Gastroskopie hierzulande keine Vorsorgeuntersuchung. „In vielen Ländern Asiens ist das anders“, sagt PD Dr. Philipp Schreiner, Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie. „Weil dort viel mehr Menschen an Magenkrebs erkranken, was neben genetischen Ursachen auch an einer hohen Anzahl von Helicobacterinfektionen in diesen Ländern und an den Ernährungsgewohnheiten liegt.“ In Österreich wird die Gastroskopie nur bei entsprechender Indikation durchgeführt. Das bedeutet: Sie wird jenen Patientinnen und Patienten nahegelegt, die bereits Beschwerden haben. „Oder bestimmten Risikogruppen“, sagt Schreiner. „Das können ältere Menschen mit Übergewicht sein, die rauchen und unter Reflux leiden.“ Oder Menschen mit Magenkrebsfällen in der Familie. 

Was sind nun die Beschwerden, bei denen Ärztinnen und Ärzte eine Magenspiegelung verordnen? „Zum einen Schluckbeschwerden. Wenn Patientinnen und Patienten etwa das Gefühl haben, es bleibt ihnen beim Schlucken etwas stecken“, erklärt Schreiner. Auch bei saurem Aufstoßen, bekannt als Reflux, bei Sodbrennen oder andauernden Schmerzen im Oberbauch wird eine Magenspiegelung durchgeführt, um die Ursache herauszufinden. „Ohne Risikofaktoren aber erst dann, wenn die Patientin bzw. der Patient auf die herkömmliche Magenschutztherapie durch Medikamente nicht anspricht.“

Im Dämmerschlaf

Eine Magenspiegelung wird ambulant durchgeführt. Dem Eingriff geht ein Informations- und Anamnesegespräch voraus. Die Ärztin oder der Arzt erklärt den Ablauf der Untersuchung, klärt über mögliche Risiken auf und informiert sich über die Krankheitsgeschichte. Patientinnen und Patienten müssen nüchtern zur Untersuchung kommen, damit der Magen leer ist und keine Gefahr für eine Aspiration (Verschlucken von Essen in die Luftröhre) herrscht. Der Eingriff selbst dauert nur zehn bis 15 Minuten. Theoretisch ist er auch in wachem Zustand möglich. Patientinnen und Patienten, die sich zutrauen, den Schlauch zu schlucken und einen aufkommenden Würgereflex zu unterdrücken, können sich dafür entscheiden. Die meisten bevorzugen es aber, sediert zu werden. Dabei handelt sich nicht um eine Narkose, sondern um eine Art Dämmerschlaf, in der man von der Untersuchung nichts mitbekommt. 

Endoskop: Mehr als ein Schlauch mit Kamera

Ist die Patientin bzw. der Patient eingeschlafen, wird über den Mund ein dünner, biegsamer Schlauch, das Endoskop, eingeführt. An dessen Ende befindet sich eine Lichtquelle und eine Kamera, die Bilder aus dem Inneren des Körpers aufnimmt. Die Ärztin oder der Arzt sieht live: Ist die Schleimhaut der Speiseröhre glatt und rosa-weißlich, also gesund, oder deuten Schwellungen und Rötungen auf eine Entzündung hin? Gibt es Wunden und Erosionen in der Speiseröhre? Wie sieht die Magenschleimhaut aus? Ist sie entzündet? Gibt es ein Geschwür? Zum Schluss gelangt das Endoskop in den Zwölffingerdarm. Auch dort wird auf Auffälligkeiten wie Rötungen oder Geschwüre untersucht. 

Das Endoskop hat in seinem Inneren zwei Kanäle und eine Optik. Durch den einen Kanal bläst die Ärztin bzw. der Arzt bei der Untersuchung ein Luft-Gas-Gemisch in den Magen, der normalerweise zusammengefaltet ist, ähnlich einem Luftballon ohne Luft. Der Magen bläht sich auf, und die Schleimhäute können inspiziert werden. Blut, Speisereste oder Schleim an der Magenschleimhaut werden durch Wasser weggespült. Durch den zweiten Kanal können Instrumente eingeführt und Gewebeproben entnommen werden. „Der Kanal kann auch therapeutisch eingesetzt werden, zum Beispiel, indem mittels spezieller Schlingen kleinere Tumore entfernt werden“, erklärt Philipp Schreiner. Auch Blutungen können im Zuge der Spiegelung gestoppt werden.

Krankenhaus oder Ordination

Lieber im Krankenhaus oder bei niedergelassenen Gastroenterologinnen und Gastroenterlogen zur Magenspiegelung? Philipp Schreiner empfiehlt: „Bei Menschen, die an schwerem Übergewicht oder an einer Schlafapnoe leiden, macht der Eingriff im Spital Sinn. Weil man dort in einem Notfall schnell reagieren kann.“ Für alle anderen Patientinnen und Patienten spräche nichts gegen die Untersuchung in einer Ordination. 

Apropos Notfall: Komplikationen bei einer Magenspiegelung sind selten. „Sie ist eine sehr sichere Untersuchung“, sagt Schreiner. Häufigere Nebenwirkungen sind leichte Halsschmerzen, Blähungen oder ein Völlegefühl. Selten sind schwerere Komplikationen wie Verletzungen der Schleimhäute. Nach der Untersuchung wachen die Patientinnen und Patienten relativ rasch wieder auf und können sich auf den Heimweg machen. Aber Achtung: Die Reaktionsfähigkeit ist durch die Sedierung eingeschränkt. 24 Stunden lang darf man deshalb nicht Autofahren oder mit potenziell gefähr­lichen Maschinen arbeiten. Am besten lassen Sie sich von einer Begleitperson nach Hause bringen.



Krankheitsbilder die bei einer Gastroskopie entdeckt werden können 

  • Gastritis: Entzündung der Magenschleimhaut, akut oder chronisch. Häufige Ursachen sind Helicobacter pylori, Medikamente, Alkohol oder Stress. Typisch sind Oberbauchschmerzen oder Druckgefühl. Therapie: Protonenpumpenhemmer (Säureblocker).
  • Magengeschwür (Ulkus): Tiefergehende Schleimhaut­verletzung. Symptome: Schmerzen, Übelkeit, Völlegefühl. Risikofaktoren sind u. a. Gastritis und Helicobacter pylori. Behandlung: Säureblocker, ggf. Antibiotika.
  • Reflux: Rückfluss von Magensäure in die Speiseröhre durch einen schwachen Schließmuskel. Typisch: Sodbrennen, saures Aufstoßen. Therapie: Medikamente, Lebensstiländerung.
  • Helicobacter pylori: Bakterium, das Entzündungen und Geschwüre verursacht. Nachweis per Biopsie, Behandlung mit Antibiotika.
  • Zwerchfellbruch: Verlagerung von Magenanteilen in den Brustraum. Oft symptomlos, möglich sind Sodbrennen oder Husten. Bei Beschwerden können Medikamente eingesetzt werden, in manchen Fällen ist eine Operation nötig.
  • Zöliakie: Autoimmunerkrankung mit chronischer Entzündung der Dünndarmschleimhaut, ausgelöst durch Glutenunverträglichkeit. Diagnose per Biopsie. Therapie: lebenslang glutenfreie Ernährung.

Fotos:  zvg, istockphoto / lunar_cat

Share

Logo medizinpopulär