Urlaub ohne Krankheit

August 2014 | Leben & Arbeiten

So bleiben Sie gesund
 
Endlich ein paar freie Tage – und dann krank? Das darf und muss nicht sein. MEDIZIN populär zeigt auf, wie Sie den häufigsten Gefahren für Ihre Gesundheit im Urlaub entgehen können und was zu tun ist, wenn es Sie doch erwischt.
 
Mag. Sabine Stehrer

Gefahr Klimaanlage:
Das schützt vor Halsweh, Husten, Schnupfen & Fieber

Ob im Auto oder Bus, Flugzeug oder Zug: In den Transportmitteln, die wir benützen, um an den Urlaubsort zu gelangen, ist die Luft meist klimatisiert. Doch durch die Kühlung trocknet die Luft aus, und je länger wir trockene Luft einatmen, desto trockener wird auch die Schleimhaut unserer Atemwege. Und das hat Folgen: „Wenn die Nase, der Mund und der Rachen nicht gut befeuchtet sind, ist der Schutz vor Krankheitserregern herabgesetzt“, warnt Univ. Prof. Dr. Herwig Kollaritsch vom Zentrum für Reisemedizin in Wien. So haben Viren und Bakterien, die sich durch die Klimaanlage noch dazu stärker verteilen, leichtes Spiel; eine Erkältung oder gar Sommergrippe hat man sich dann schnell eingefangen. Zumindest der Austrocknung der Schleimhaut kann man aber gut entgegenwirken. Kollaritsch: „Damit die Atemwege nicht austrocknen, sollte man während der Fahrt oder während des Fluges viel trinken.“ Haben einen Halsweh, Husten, Schnupfen und Fieber erwischt, gilt auf Reisen und im Urlaub dasselbe wie daheim: „Man sollte von anstrengenden Aktivitäten Abstand halten, ruhen und sich so lange auskurieren, bis die Symptome der Sommergrippe oder der Erkältung wieder verschwunden sind“, so Kollaritsch. Mittel, die helfen, die Beschwerden zu lindern – von Tabletten gegen Halsschmerzen über Nasenspray bis hin zu fiebersenkenden Medikamenten –, sind nahezu überall erhältlich und machen das Urlaubsleid erträglicher. Wer kurz vor dem Rückflug erkrankt, sollte unbedingt einen schleimhautabschwellenden Nasenspray im Handgepäck haben. Denn ist die Nase verstopft, besteht die Gefahr, dass der Druckausgleich nicht funktioniert, und das kann zu Trommelfellverletzungen führen.

Gefahr Hotelbuffet:
Das bewahrt vor Montezumas Rache

Beim Anblick der Köstlichkeiten am Hotelbuffet vergessen viele Urlauber leider eines: „Die Hygienestandards beim Transport und bei der Zubereitung von Lebensmitteln sind in einigen Urlaubsregionen, besonders in tropischen Ländern, nicht mit den Standards vergleichbar, die wir in Österreich haben“, ruft Kollaritsch die Tatsachen in Erinnerung. Nicht selten geraten am Urlaubsort daher Keime ins Essen oder Trinken, die eine der häufigsten Reisekrankheiten übertragen: den Durchfall. Was am besten davor schützt? Zurückhaltung, so der dringende Rat des Reisemediziners: „Auf rohe Lebensmittel, also auf Salat, ungeschältes Obst, auch auf Eis sollte man ebenso verzichten wie auf Wasser aus Krügen oder aus der Leitung und auf Getränke mit Eiswürfeln.“ Hat einen Montezumas Rache ereilt, bleibt nur eines: „Aussitzen, im doppelten Sinne des Wortes“, schmunzelt der Arzt. Von Salzstangerln und Cola-Getränken zur Unterstützung des Heilungsprozesses rät Kollaritsch ab, da sie entgegen der landläufigen Meinung keine heilende Wirkung haben. „Besser ist, spezielle Rehydrierungslösungen oder viel schwarzen Tee mit Zucker und Salz zu trinken, um einer Austrocknung entgegenzuwirken.“ Gegessen werden sollte in der Zeit der Unpässlichkeit nur leicht Verdauliches wie Zwieback oder Suppe. Spezielle Tabletten gegen Durchfall können das Leiden verkürzen. Meist verschwindet es aber auch ohne Medikamente nach wenigen Tagen so schnell, wie es gekommen ist. Ernst wird es jedoch, wenn der Durchfall von hohem Fieber begleitet wird oder wenn ein Baby betroffen ist. Kollaritsch: „In beiden Fällen muss ein Arzt aufgesucht werden, denn dann sind oft Antibiotika und eventuell Infusionen nötig.“

Gefahr Sonne:
Das beugt Sonnenschäden vor

Sonne tanken ist das erklärte Ziel vieler Urlauber – und so setzen sie sich ihren Strahlen gleich mehrere Stunden am Tag aus. Weil das UV-Licht am Urlaubsort meist viel intensiver vom Himmel brennt als daheim, kommen selbst vorgebräunte Sonnenanbeter oftmals nicht ohne Sonnenbrand davon: „Besonders während eines Urlaubs am Meer, in den Tropen, aber auch in den Bergen müssen immer Sonnenschutzmittel mit sehr hohem Schutzfaktor verwendet werden, denn die Sonneneinstrahlung ist dort auch dann stärker als bei uns, wenn der Himmel bewölkt ist“, mahnt Kollaritsch zu Vorsicht und ergänzt: „Das Mittel nimmt man sich außerdem am besten von zuhause mit.“ Der Grund: In den Urlaubsregionen sind die Sonnenschutzpräparate oft anders gekennzeichnet, „und so kann es passieren, dass man eines besorgt, das nicht ausreichend schützt“. Hat es einen erwischt, sollte man der Haut After-Sun-Lotionen gönnen und natürlich die Sonne so lange meiden, bis der Sonnenbrand abgeklungen ist. Sind die sonnenbedingten Verbrennungen besonders stark und haben sich sogar Brandblasen gebildet, sollte man einen Arzt aufsuchen und die Hautschäden behandeln lassen.

Gefahren Hitze & Höhe:
Das hilft bei Kreislaufproblemen

Vor allem bei einem Urlaub in schwül-heißem Klima macht so mancher Kreislauf schlapp: Müdigkeit, Schwäche und Schwindelgefühle sind die Folge – all das, was man just in der schönsten Zeit des Jahres gar nicht gebrauchen kann. „Hinter diesen Beschwerden stecken oft Blutdruckprobleme oder ein Flüssigkeitsmangel“, kennt Kollaritsch die Ursachen. „Oft genügt es daher schon, viel Wasser, einen starken Kaffee oder schwarzen Tee zu trinken, um den Kreislauf wieder in Schwung zu bringen und die Urlaubsaktivitäten genießen zu können.“ Treten die Kreislaufprobleme dann auf, wenn binnen kurzer Zeit große Höhenunterschiede bewältigt werden, sind weitere Maßnahmen zu treffen: Wird einem schwindlig, wenn man etwa mit der Seilbahn auf einen Berg fährt, dann sollte man „so rasch wie möglich wieder hinunterfahren und sich ausruhen, bis man sich wieder besser fühlt“, so der dringende Expertenrat.

Gefahr Pool & WC:
Das schützt vor einer Blasenentzündung

Sei es, weil es umständlich ist, weil das Ersatzbadekleid daheim vergessen wurde, oder weil es gerade bei extremer Hitze ganz willkommen ist, etwa Abkühlung auf der Haut zu spüren: Aus welchen Gründen auch immer man Badehose oder Bikini nach dem Schwimmen nicht wechselt, die Nachlässigkeit kann sich rächen: „Die nassen Badekleider wirken auf den Unterbauch wie kalte Umschläge“, bringt es Kollaritsch auf den Punkt. Ist der Unterbauch abgekühlt, setzt das die Abwehrkräfte herab – und die Gefahr für eine Blasenentzündung hinauf. Übertragen werden die Entzündungen  durch Bakterien, die auch auf WC-Sitzen in öffentlichen Toiletten lauern können – Frauen fangen sich die Erreger besonders häufig ein. Was tun, wenn es einen erwischt hat? Kollaritsch: „Wer eine Blasenentzündung hat, sollte sich von einem Arzt behandeln lassen, denn die Entzündung kann auf das Nierenbecken übergehen, und eine Nierenbeckenentzündung ist eine durchaus bedrohliche Angelegenheit.“

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Per Flugzeug in den Urlaub:
Was beim Fliegen gefährlich werden kann

Wer Angst vorm Fliegen hat, ist mit einem Flugangstseminar besser beraten als mit Beruhigungsmitteln oder gar Alkohol, um die Furcht zu lindern: „Schon geringe Mengen an Alkohol, die zu einem leichten Schwipserl führen, aber auch Beruhigungsmittel können im Flugzeug zu Gleichgewichtsstörungen, Zuckerentgleisungen, Atem- und Herzrhythmusstörungen führen“, warnt Dr. Joachim Huber, Internist, Kardiologe, Fliegerarzt und Raumfahrtmediziner in Wien. Außerdem erhöhen sowohl der Alkohol als auch die Beruhigungsmittel das Risiko für Thrombosen.Aber auch für jene, die ohne mulmiges Gefühl in den Flieger steigen, kann es gefährlich werden: „Der veränderte Luftdruck, die geringere Sauerstoffsättigung der Luft, die Trockenheit der Luft und der Bewegungsmangel können den Reisenden zusetzen, vor allem, wenn sie gesundheitliche Probleme haben“, nennt Huber die Faktoren, die im Flugzeug zum Tragen kommen können.
Die Flugtauglichkeit vom Arzt abklären lassen sollten deswegen, wer…

  • …an Herzproblemen leidet oder eine Herzerkrankung hinter sich hat,
  • …schon bei leichter Anstrengung, also etwa beim Gehen in der Ebene kurzatmig wird oder von einer chronischen Atemwegserkrankung betroffen ist,
  • …akut an einer sehr schweren Atemwegserkrankung leidet,*  …ein chronisches Venenleiden hat,
  • …an der sogenannten Schaufensterkrankheit bzw. partiellen arteriellen Verschlusskrankheit leidet,
  • …Diabetiker ist, wenn durch den Flug eine große Zeitverschiebung entsteht,
  • …an Blutarmut leidet,
  • …schwanger ist, wenn eine Problemschwangerschaft vorliegt oder die werdende Mutter älter als 35 ist.

 

Stand 06/2014

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