Bänderriss, Knieverletzung oder Überlastung: MEDIZIN POPULÄR beleuchtet die häufigsten Sportverletzungen und verrät, wie man im Ernstfall richtig reagiert.
Von Daniela Rittmannsberger-Kampel
„Kontaktsportarten weisen ein deutlich höheres Verletzungsrisiko auf.“
Laufen, Radfahren, Fußballspielen: Die frühlingshaften Temperaturen locken viele Menschen aus ihrem sportlichen Winterschlaf. Was oft gut geht, kann einmal zum Verhängnis werden: Man knickt beim Laufen um oder verletzt sich das Knie beim Fußballspielen. MEDIZIN POPULÄR zeigt, welche Sportverletzungen besonders häufig vorkommen – und was im Ernstfall wirklich hilft.
Trainingszustand entscheidend
„Am häufigsten sehen wir Verletzungen des Sprunggelenks, besonders das klassische Umknicken. Diese Verletzung wird oft unterschätzt, weil viele davon ausgehen, dass ,nur‘ die Bänder oder die Kapsel gezerrt sind. Tatsächlich kann es aber auch zu Teil- oder kompletten Bandrissen kommen. Das tritt besonders bei Ballsportarten oder beim Laufen auf“, erklärt ao Univ.-Prof. Dr. Christian Gäbler. Der Mediziner ist unter anderem ärztlicher Direktor am Sportambulatorium Wien – Zentrum für Orthopädie und Sporttraumatologie – und Teamarzt des österreichischen Nationalteams von American Football.
Knieverletzungen kommen am zweithäufigsten vor. Sie treten vor allem bei Ballsportarten wie Fußball oder Handball sowie beim Skifahren auf. An dritter Stelle kommen die Muskelverletzungen, besonders an der Wade und am Oberschenkel. „Sie entstehen meist bei explosiven Bewegungen wie Sprints, schnellen Richtungswechseln oder Sprüngen, etwa im Ballsport oder in der Leichtathletik. Die meisten Muskelverletzungen beginnen als Zerrungen, bei denen es bereits zu kleinsten Mikroeinrissen in der Muskulatur kommt.“ Nicht zu unterschätzen sind laut Gäbler außerdem die Überlastungsprobleme. Sie entstehen häufig dann, wenn Trainingsumfang oder -intensität zu schnell gesteigert werden. Entscheidend ist dabei weniger das biologische Alter als der Trainingszustand: Ein gut trainierter 75-Jähriger könne körperlich belastbarer sein als ein untrainierter 25-Jähriger, sagt der Mediziner.
Von Pause bis Kühlen
Sport ist nicht gleich Sport, wenn es um das Verletzungsrisiko geht. Welche Sportarten sind besonders risikoreich? „Kontaktsportarten weisen ein deutlich höheres Verletzungsrisiko auf. Dazu zählen Football, Rugby, Eishockey und auch Handball. In diesen Sportarten kommt es sowohl zu direkten Kollisionen als auch zu schweren Verletzungen“, erklärt Gäbler. Auch beim Skifahren besteht das Risiko, Kreuzband- oder Seitenbandverletzungen zu erleiden. Laufen hingegen sei ein Sport mit einem geringen Verletzungsrisiko und einem hohen gesundheitlichen Nutzen. Egal, welche Sportart oder Verletzung – im Fall einer akuten Verletzung steht immer die PECH-Regel an erster Stelle: PECH steht für Pause, Eis, Compression und Hochlagern. „Die sportliche Belastung muss sofort beendet werden. Kühlung hilft, um Schwellung und Bluterguss zu reduzieren. Das Eis sollte allerdings niemals direkt auf die Haut gelegt, sondern immer in ein Tuch gewickelt werden. Für die Kompression nimmt man idealerweise eine elastische Binde und das Hochlagern unterstützt zusätzlich den Abschwellungsprozess“, erklärt der Mediziner. Wann jedoch sollte man einen Arzt bzw. eine Ärztin aufsuchen? Immer dann, wenn man bei einer Verletzung ein deutliches „Ereignis“ – etwa einen stechenden Schmerz, ein Wegknicken oder Instabilitätsgefühl – spürt. Auch bei anhaltenden Schmerzen, Fehlstellungen oder Belastungsunfähigkeit sollte man ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen.
Langsamkeit als Schlüssel
Nicht nur Verletzungen, sondern auch Wunden können im Zuge des Sportelns auftreten. Am häufigsten kommen Schürfwunden vor, etwa beim Radfahren oder Fußballspielen. Gefolgt von Platz-, Riss- und Quetschwunden. Tiefere Wunden sollten immer ärztlich versorgt werden. Oberflächliche Wunden können selbst behandelt werden – dabei gilt es aber einiges zu beachten: „Wunden müssen immer gründlich gereinigt werden, am besten mit Leitungswasser und einer sterilen Wundlösung. Grobe Verschmutzungen sollten vorsichtig entfernt werden“, erklärt Gäbler. Wunden an der Luft trocknen zu lassen, sei ein Mythos: Eine Wunde heilt schneller und besser in feuchtem Milieu. Wundauflagen oder ein Hydrokolloidpflaster sind hier sinnvoll. Bei Anzeichen einer Infektion – etwa einer Rötung oder Eiter – sollte man die Verletzung ärztlich abklären lassen.
Viele Sportlerinnen und Sportler können es nach einer Verletzung kaum erwarten, wieder mit dem Sport anzufangen. Hier gilt vor allem eines: „Der Schlüssel zum erfolgreichen ,Return to sport‘ liegt in der Langsamkeit. Nach schweren Verletzungen sind eine ärztliche Abklärung und Physiotherapie sinnvoll. Ziel ist es, während der Heilungsphase die Beweglichkeit zu erhalten und frühzeitig wieder mit Belastung zu beginnen.“ Sobald das Gewebe belastbar ist, folgen Kraft- und Koordinationstraining, später sportartspezifische Übungen. Erst wenn diese schmerzfrei möglich sind, ist eine Rückkehr zum Sport angeraten.
Fotos: Foto Wilke, istockphoto/Natalia Kosheleva