Frauengesundheit

Tage wie dieser: Wirksame hilfe bei Regelschmerzen

Vom Teenager bis zur reifen Frau: Menstruationsbeschwerden verändern sich – und müssen nicht einfach ertragen werden. Ein Gynäkologe erklärt die Ursachen von Menstruationsschmerzen und zeigt auf, welche Strategien für Linderung sorgen.

Von Natascha Gazzari

Gastprof. Univ.-Lektor OA Dr. Harald Lass
„Fast drei von vier Frauen erleben
Menstruations­schmerzen irgendwann in ihrem Leben; besonders häufig sind Teenager und junge Frauen betroffen.“

Für einige Frauen ist es nur ein leichtes Unwohlsein, für andere eine monatliche Herausforderung, die den Alltag erheblich beeinträchtigt: Fast drei von vier Frauen werden im Laufe ihres Lebens von mehr oder weniger starken Menstruationsschmerzen (Dysmenorrhoe) geplagt. Das häufigste Symptom sind krampfartige Beschwerden im Unterbauch. Zahlreiche weitere Beschwerden, die den gesamten Körper betreffen und das Wohlbefinden stark beeinträchtigen können, sind Rückenschmerzen, Übelkeit, Durchfall, Kopfschmerzen, Müdigkeit und ein allgemeines Unwohlsein. Die Schmerzen beginnen meist mit Einsetzen der Blutung und halten in der Regel 24 bis 48 Stunden an. „Verantwortlich dafür sind körpereigene Botenstoffe, sogenannte Prostaglandine, die während der Menstruation vermehrt gebildet werden und die Gebärmuttermuskulatur zusammenziehen lassen – das verursacht die typischen Krämpfe“, berichtet Gastprof. Univ.-Lektor OA Dr. Harald Lass, Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe im St. Josef Krankenhaus Wien.

Gynäkologinnen und Gynäkologen unterscheiden zwei Formen von Regelschmerzen: die primäre und die sekundäre Dysmenorrhoe. Der häufigste Typ, die primäre Dysmenorrhoe, tritt ohne erkennbare organische Ursache auf und betrifft besonders häufig junge Frauen ab der ersten Regelblutung. Hinter der zweiten Form, der sekundären Dysmenorrhoe, verbergen sich hingegen oft konkrete Erkrankungen wie Endometriose, bei der Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutter wächst, oder gut­artige Muskelknoten, sogenannte „Myome“. „Sekundäre Menstruationsschmerzen sind häufig intensiver, halten länger an und können mit weiteren Symptomen wie chronischen Beckenschmerzen sowie Schmerzen beim Geschlechtsverkehr oder beim Stuhlgang einhergehen“, ergänzt der Gynäkologe.

Risikofaktoren: Von Alter bis Stress

Regelschmerzen unterscheiden sich in ihrer Qualität, ihrem Rhythmus und ihrer Belastung so sehr voneinander wie die Frauen, die sie durchleben. Ob und wie stark eine Frau von Dysmenorrhoe betroffen ist, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab – einer davon ist das Alter: „Im Teenageralter sind Menstruationsschmerzen oft besonders ausgeprägt, da der Hormonhaushalt noch nicht eingespielt ist. Mit zunehmendem Alter und nach einer Geburt berichten viele Frauen über schwächere Beschwerden oder sogar ein Ausbleiben der Schmerzen. Nach der Menopause verschwinden Menstruationsschmerzen ganz.“ Einige Frauen berichten, dass sich Regelschmerzen ab etwa dem 30. Lebensjahr verstärken oder auf andere Bereiche wie Rücken oder Verdauung verschieben – besonders, wenn sie keine hormonelle Verhütung nutzen und kinderlos sind. Gynäkologe Lass erklärt, was hinter diesem Phänomen steckt: „Wiederholte Schmerzepisoden können das Nervensystem empfindlicher machen, man spricht auch von einer zentralen Sensibilisierung. Ohne hormonelle Verhütung und Schwangerschaft kommt es zu mehr Perioden und damit häufiger zu Schmerzen, was langfristig das Schmerzempfinden beeinflussen kann.“ Unabhängig vom Alter der Frau gibt es weitere Risikofaktoren, die sich auf die Stärke der Menstruationsschmerzen auswirken können. Dazu zählen ein früher Beginn der ersten Regelblutung (Menarche), niedriges Körpergewicht, Eisenmangel, chronische Erkrankungen wie Endometriose oder das polyzystische Ovarialsyndrom sowie starker Stress. Auch die Gene spielen eine Rolle, wie der Frauenarzt erläutert: „Studien zeigen, dass eine erbliche Veranlagung die Schmerzintensität beeinflussen kann. Bestimmte Veränderungen im Erbgut sind mit einer erhöhten Empfindlichkeit gegenüber Regelschmerzen verbunden.“

Belastende Beschwerden abklären lassen

Auch wenn sich viele Frauen mit den monatlich wiederkehrenden Schmerzen abgefunden haben: Regelschmerzen müssen nicht sein bzw. können meist gut behandelt werden. Klingen die Beschwerden nach ein bis zwei Tagen wieder ab und sprechen auf Schmerzmittel wie Ibuprofen gut an, müssen sie nicht zwingend gynäkologisch abgeklärt werden. Anders sieht es laut Lass dann aus, wenn die Schmerzen zunehmen, sei es in der Intensität oder in der Dauer. Eine weiterführende Abklärung ist immer auch dann empfohlen, wenn zusätzliche Beschwerden wie Beckenschmerzen, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, beim Wasserlassen oder beim Stuhlgang auftreten oder Hinweise auf Endometriose bestehen, wie etwa Unfruchtbarkeit, Zysten oder bekannte Fälle von Endometriose in der Familie. „Entscheidend ist letztlich immer das persönliche Gefühl der Frau. Es gilt als wichtige Orientierung bei der Wahl des Diagnose- und Behandlungsweges“, ergänzt der Gynäkologe.

Raus aus der Schmerzspirale

Die Behandlungsmöglichkeiten bei Regelschmerzen sind vielfältig. Bevor man zu Medikamenten greift, können oft schon einfache, nicht-medikamentöse Maßnahmen Linderung verschaffen. Eine Wärmflasche oder ein Kirschkernkissen auf dem Unterbauch entspannt die verkrampfte Muskulatur und wird von vielen Frauen als wohltuend empfunden. Auch körperliche Aktivität, etwa in Form eines Spazierganges oder sanfter Yogaübungen, kann durchblutungsfördernd wirken und Verspannungen lösen. Ergänzend können Methoden wie Selbstakupressur oder die Transkutane Elektrische Nervenstimulation (TENS) probiert werden. Die wissenschaftliche Evidenz für diese Maßnahmen ist zwar teilweise begrenzt, doch ihre Anwendung ist risikoarm und für viele ein effektiver erster Schritt. Bei sehr starken Schmerzen oder wenn Hausmittel nicht ausreichen, können medikamentöse Therapien notwendig werden. Die erste Wahl bei akuten Regelschmerzen sind häufig nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen oder Naproxen. Sie wirken direkt an der Schmerzursache, indem sie die übermäßige Bildung der schmerzauslösenden Botenstoffe (Prostaglandine) in der Gebärmutter hemmen. Für eine optimale Wirksamkeit empfiehlt Lass folgendes Einnahmeschema: „Besonders effektiv sind diese Medikamente, wenn man sie bereits ein bis zwei Tage vor dem erwarteten Beginn der Menstruation einnimmt und die Einnahme über die ersten zwei bis drei Tage der Blutung fortsetzt.“ Nichtsteroidale Antirheumatika können starke Blutungen positiv beeinflussen, belasten jedoch den Magen. „Das Risiko für Nebenwirkungen im Verdauungstrakt lässt sich deutlich reduzieren, indem man die Tabletten immer zu einer Mahlzeit einnimmt“, so die Empfehlung des Arztes.

Für Frauen, die zugleich eine zuverlässige Verhütung wünschen, sind hormonelle Verhütungsmittel eine etablierte Erstlinientherapie bei Menstruationsschmerzen. Sie wirken vorbeugend, indem sie den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut und damit die Prostaglandin-Produktion reduzieren. Zur Verfügung stehen neben der klassischen „Pille“ auch das Verhütungspflaster, der Vaginalring sowie Langzeitmethoden wie das Hormonimplantat oder die Hormonspirale. In Abstimmung mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt können hormonelle Verhütungsmittel kontinuierlich eingenommen werden, was oft zu einer schnelleren und anhaltenderen Schmerzlinderung führt. Allerdings kann diese Einnahmeweise mit mehr Zwischenblutungen verbunden sein. 

Die Rolle der Verhütungsmethode

Die Wahl der Verhütung ist also nicht nur eine Frage der Familienplanung, sondern kann auch einen direkten Einfluss auf das monatliche Wohlbefinden der Frau nehmen. „Hormonelle Verhütungsmittel können Regelschmerzen deutlich reduzieren, während Frauen, die nicht verhüten, tendenziell häufiger und stärker von diesen Beschwerden berichten“, weiß Lass. Anders verhält es sich bei hormonfreien Methoden, wie der klassischen Kupferspirale. Sie kann – bei aller Zuverlässigkeit als Verhütungsmittel – die Schmerzen im Vergleich zu Frauen ohne Verhütung sogar noch verstärken. Daher ist es besonders wichtig, dass bei der Beratung zur Familienplanung gezielt nach bestehenden Regelschmerzen gefragt wird. „Wenn eine Frau ohnehin unter starken Krämpfen leidet, sollte die hormonfreie Spirale nicht die erste automatische Wahl sein. Stattdessen sollten Alternativen wie die Hormonspirale oder andere hormonelle Methoden besprochen werden.“


Ernährung: Was hilft, was nicht?

Es gibt zwar keine feste „Diät gegen Regelschmerzen“, aber eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Fisch und Vollkornprodukten wirkt sich oft positiv aus.

Wichtige Mikronährstoffe:

  • Vitamin D, Calcium und Zink, z. B. in Milchprodukten, Nüssen, Hülsenfrüchten
  • Omega-3-Fettsäure, in fettem Fisch wie Lachs, Leinsamen, Walnüssen
  • Vitamin B1, in Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten
  • Curcumin, im Gewürz Kurkuma

Besser reduzieren:

Stark verarbeitete Lebensmittel, Zucker und Weißmehlprodukte können Entzündungsprozesse fördern und die Beschwerden verstärken.

Nahrungsergänzungsmittel:

Bestimmte pflanzliche Extrakte wie Mönchspfeffer, Ingwer, Fenchel sowie Fischölkapseln werden oft als ergänzende Optionen genannt. Sie können einen Versuch wert sein, ersetzen aber bei starken Beschwerden keine ärztlich empfohlene Therapie. Besprechen Sie die Einnahme im Zweifel mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.


Fotos: zvg, istockphoto/MicrovOne

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