Frauengesundheit, Neurologie & Psyche

Übergewicht in der Schwangerschaft schadet Psyche

Eine Bachelorarbeit aus dem Studiengang Hebammen der Hochschule Burgenland beschäftigt sich mit dem Zusammenhang von Übergewicht und Depression in der Schwangerschaft bzw. nach der Geburt. Der klare Auftrag an das System: Psychische Gesundheit muss fixer Bestandteil der Schwangeren- und Wochenbettbetreuung werden.

Postpartale Depressionen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen im Wochenbett und betreffen etwa 10 bis 20 Prozent aller Mütter. Einen bisher unterschätzten Risikofaktor stellt nach aktuellen Forschungsergebnissen das Übergewicht dar. Und: die Zahl adipöser Schwangerer steigt. Laut WHO hat mehr als ein Drittel der Frauen im gebärfähigen Alter Übergewicht, jede siebente ist adipös. Das hat auch Auswirkungen auf die Geburtshilfe. An der Hochschule Burgenland widmete Verena Schwarz, Absolventin des ersten Jahrgangs im Bachelorstudiengang Hebammen, ihre Abschlussarbeit diesem Thema.

Verantwortung für Hebammen

Verena Schwarz ist nach Studienabschluss als Hebamme in der Klinik Oberwart tätig. Für ihre Abschlussarbeit recherchierte sie in aktuellen wissenschaftlichen Studien und führte Interviews mit

Expertinnen und Experten. Sie betont: „Hebammen müssen sowohl das körperliche Wohl als auch die seelische Stabilität im Blick behalten, um die Frauen umfassend betreuen zu können. Dieses Zusammenspiel ist für eine bestmögliche Betreuung wichtig.“ Schwarz belegt in ihrer Arbeit, dass Adipositas in der Schwangerschaft nicht nur eine körperliche Diagnose, sondern Teil eines komplexen Zusammenspiels biologischer, psychischer und gesellschaftlicher Faktoren ist. Die Evidenz zeigt ein erhöhtes Risiko für postpartale Depressionen bei adipösen Frauen, bedingt durch Entzündungsprozesse, Bewegungsmangel sowie Stigmatisierung, Scham, negatives Körperbild und reduzierte soziale Teilhabe. In der Praxis wirken weniger die Kilos selbst als negative Erfahrungen im Gesundheitssystem, gesellschaftlicher Druck und fehlende Unterstützung als Auslöser und Verstärker. Strukturelle Defizite wie fehlende Screenings, Zeit und Vernetzung legen die Last der Früherkennung oft allein auf die Hebammen. Nötig sind laut Schwarz eine wertfreie, ressourcenorientierte Betreuung, interdisziplinäre Zusammenarbeit und die feste Verankerung psychischer Gesundheit in der Schwangeren- und Wochenbettversorgung.

„Die Beschäftigung mit dem Thema zeigt deutlich, dass psychische Gesundheit in der Schwangeren- und Wochenbettbetreuung kein Zusatz, sondern Kernaufgabe ist. Im Bachelorstudiengang Hebammen arbeiten wir an der Hochschule Burgenland kontinuierlich daran, alle dafür relevanten Kompetenzen in der Ausbildung abzudecken – von Screening- und Gesprächsführung über wertfreie, ressourcenorientierte Begleitung bis zur interdisziplinären Zusammenarbeit –, damit unsere Absolventinnen Frauen ganzheitlich und evidenzbasiert betreuen können“, betont Studiengangsleiterin Beate Kayer.

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