Neurologie & Psyche

Parkinson im Blick

Parkinson zählt zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen. Neue Erkenntnisse zeigen, dass sich Symptome und Krankheitsverlauf bei Männern und Frauen unterscheiden.

Parkinson gehört weltweit zu den am schnellsten zunehmenden neurologischen Erkrankungen. Auch für die Österreichische Gesellschaft für Neurologie (ÖGN) ist die Krankheit ein zentrales Thema. Der Welt-Parkinson-Tag am 11. April – dem Geburtstag von James Parkinson, der die Erkrankung 1817 erstmals wissenschaftlich beschrieben hat – soll das öffentliche Bewusstsein für Parkinson stärken. Angesichts steigender Erkrankungszahlen setzt sich die Österreichische Parkinson-Gesellschaft (ÖPG) außerdem für mehr Prävention ein, etwa durch die Reduktion schädlicher Umwelt- und Lebensstilfaktoren sowie durch gesündere Ernährung und mehr körperliche Aktivität.

Männer häufiger betroffen als Frauen

Parkinson ist eine chronische Erkrankung mit vielen Facetten, deren Auswirkungen häufig unterschätzt werden. In Österreich leben derzeit schätzungsweise 25.000 bis 30.000 Menschen mit Parkinson. „Für das Gesundheitssystem bedeutet die steigende Zahl der Parkinson-Erkrankungen eine enorme Herausforderung“, sagt Prim. Univ.-Prof. Dr. Jörg Weber, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Neurologie und Vorstand der Neurologie am Klinikum Klagenfurt. Die Erkrankung entsteht durch den fortschreitenden Verlust von Nervenzellen im Gehirn, die den Botenstoff Dopamin produzieren. Diese Zellen befinden sich in einer Region des Gehirns, die Substantia nigra genannt wird. An der Entstehung der Krankheit können sowohl genetische Faktoren als auch Umweltfaktoren beteiligt sein. Auffällig sind Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Männer erkranken mindestens eineinhalbmal häufiger an Parkinson als Frauen. Auch der Krankheitsverlauf und die Symptome können sich unterscheiden. Frauen zeigen häufiger nicht-motorische Beschwerden und entwickeln früher Wirkungsschwankungen der Medikamente. Männer wiederum leiden häufiger unter Apathie, Demenz oder bestimmten Schlafstörungen. Auch Umweltbelastungen, etwa durch Schadstoffe am Arbeitsplatz, könnten eine Rolle spielen.

Parkinson-Register gestartet

Diese Unterschiede zeigen, wie wichtig eine personalisierte Therapie ist. Moderne Behandlungskonzepte berücksichtigen heute Alter, Krankheitsstadium, Geschlecht sowie körperliche und psychische Begleiterkrankungen. Zudem sollen Patientinnen und Patienten stärker in Therapieentscheidungen eingebunden werden. Um die Datenlage zu verbessern, führt die Österreichische Parkinson-Gesellschaft seit Oktober 2025 das anonymisierte Parkinson-Register ÖPAR. Es soll Forschung, Versorgung und Therapie in Österreich weiter verbessern. „Mit einer solchen Datenbasis können wir Parkinson in Österreich langfristig besser verstehen und die Versorgung nachhaltig verbessern“, sagt Priv.-Doz. Dr. Regina Katzenschlager, Präsidentin der Österreichischen Parkinson-Gesellschaft und Leiterin der Neurologie an der Klinik Donaustadt. Typische Symptome der Parkinson-Krankheit sind Bewegungsverlangsamung, Muskelsteifigkeit, Zittern und Gangstörungen. Daneben können auch nicht-motorische Beschwerden auftreten, etwa Schlafstörungen, Verstopfung oder eine sogenannte REM-Schlaf-Verhaltensstörung, bei der Betroffene während der Traumphase sprechen oder sich bewegen. Im weiteren Verlauf können auch psychische Symptome wie Angst, Depression sowie Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen auftreten.

Von Medikamenten bis Bewegung

Die medikamentöse Therapie ist ein zentraler Bestandteil der Behandlung. Medikamente können die Symptome meist deutlich lindern, besonders in frühen Krankheitsphasen. Grundlage der Therapie ist häufig der Wirkstoff L-Dopa, der individuell mit anderen Medikamenten kombiniert werden kann. Neuere Behandlungsformen ermöglichen auch eine rasche Hilfe bei sogenannten Off-Phasen, in denen die Wirkung der Medikamente nachlässt. Wenn Medikamente nicht mehr ausreichend wirken, können auch gerätegestützte Therapien eingesetzt werden. Dabei werden Medikamente kontinuierlich über Pumpensysteme abgegeben oder spezielle Verfahren wie die Tiefe Hirnstimulation genutzt. Welche Therapie geeignet ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab und wird gemeinsam mit den Patientinnen und Patienten entschieden. Neben Medikamenten spielen auch Bewegung, Therapieangebote und psychosoziale Unterstützung eine wichtige Rolle. Regelmäßige körperliche Aktivität, Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie sowie psychologische Betreuung und Selbsthilfegruppen können dazu beitragen, die Lebensqualität von Betroffenen zu verbessern.

Parkinson-Register ÖPAR

Die Österreichische Parkinson-Gesellschaft führt nationalen und internationalen Beispielen folgend seit Oktober 2025 ein Register, in das sich Patientinnen und Patienten freiwillig eintragen lassen können. Die Eingaben erfolgen streng anonymisiert. Derzeit ÖPAR in sieben österreichischen Kliniken geführt. Es soll in weitere Kliniken und Spitäler ausgerollt werden. Erfasst werden sowohl demografische Parameter als auch Krankheitsdaten, Therapien, der Verlauf und eine Reihe sozialer Aspekte.

Welt-Parkinson-Tag

Der Welt-Parkinson-Tag findet jährlich am 11. April statt. Der Tag wurde zu Ehren von Dr. James Parkinson, dem Entdecker der Krankheit, gewählt – sein Geburtstag fällt auf den 11. April 1755. 1817 hat er erstmals die Symptome der später nach ihm benannten Erkrankung wissenschaftlich beschrieben. Seit 1997 wird dieser Tag weltweit genutzt, um das öffentliche Bewusstsein für die Erkrankung zu heben, Betroffene und Angehörige zu informieren und zu unterstützen sowie Fragen zum Thema Parkinson zu beantworten.


Fotos: istock/BojanMirkovic

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