Sie schützen Herz und Gefäße, fordern aber manchmal den Körper: Warum Medikamente gegen hohe Blutfette müde machen können – und was wirklich hilft.
Jede zweite Österreicherin bzw. jeder zweite Österreicher hat einen zu hohen Cholesterinspiegel. Knapp 900.000 davon sind deswegen auf Cholesterinsenker – sogenannte Statine – eingestellt. Die Medikamente sind enorm wichtig, denn unbehandelt stellen erhöhte Blutfettwerte ein ernstes Gesundheitsrisiko dar: Das überschüssige Cholesterin lagert sich in Gefäßwänden ab, wodurch der Blutdruck steigt. Dies wiederum begünstigt Herzinfarkte oder Schlaganfälle. Häufig führen Statine neben ihren positiven Effekten aber zu unangenehmen Begleiterscheinungen. Zu ihnen zählen allen voran Müdigkeit und Erschöpfungszustände. Besonders körperlich aktive Menschen leiden durch die Einnahme außerdem häufiger unter Muskelkrämpfen und -schmerzen (Statin-assoziierte
Myopathie). Die Medikamente hemmen nämlich nicht nur die Cholesterinproduktion, sondern auch die Energieversorgung des Körpers. Warum passiert das?
Bestimmtes Enzym wird gehemmt
Vereinfacht ausgedrückt hemmen Blutfettsenker die Produktion eines bestimmten Enzyms, das für die Bildung von Cholesterin verantwortlich ist. Dadurch kommt es – ungewollt – auch zu einer verminderten Produktion von Coenzym Q10. Dieser lebenswichtige Stoff ist im Gegensatz zum überschüssigen Cholesterin jedoch ganz und gar nicht unerwünscht in unserem Körper. Er wird nämlich von jeder einzelnen Zelle zur Energiegewinnung benötigt – so auch vom Herzen und den Muskeln.
Liegt ein Coenzym-Q10-Mangel vor, kommt es zu den genannten Beschwerden. Auch das Alter ist ein wesentlicher Faktor. So zeigen Studien, dass die Coenzym-Q10-Konzentration im Blut mit den Jahren stetig abnimmt. 40-Jährige weisen etwa bereits 30 Prozent weniger Coenzym Q10 im Herzmuskel auf als 20-Jährige.
Natürliche Hilfsmittel
Wichtig: Auch wenn Nebenwirkungen auftreten – setzen Sie die Cholesterinsenker nie selbstständig ab, sondern besprechen Sie dies unbedingt mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt. Betroffene können aber zu natürlichen Hilfsmitteln greifen. Die Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA vermögen die Wirkung von cholesterinsenkenden Medikamenten sogar zu verstärken. Sie machen die Blutgefäße elastischer und unterstützen beim Senken des Spiegels. So können sie dazu beitragen, dass sich die Werte schneller normalisieren. Mitunter kann die Ärztin, der Arzt dann ein niedrigdosiertes Statin verschreiben.
Auch gegen den verringerten Coenzym-Q10-Spiegel lässt sich etwas tun. Hierfür gibt es spezielle Präparate – denn eine ausreichende Zufuhr von Coenzym Q10 über die alltägliche Ernährung ist kaum zu erreichen. Lassen Sie sich in der Apotheke beraten, denn es kommt auf eine ausreichend hohe Dosierung (mindestens 100 mg pro Tag) an. Das Coenzym Q10 sollte zudem in Öl gelöst sein, das erhöht die Bioverfügbarkeit. Man kennt das etwa vom Karottensaft, den man immer mit ein paar Tropfen Öl verfeinern sollte, um das enthaltene Vitamin A besser aufzunehmen.
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