In Österreich ist rund ein Viertel der Bevölkerung von Bluthochdruck betroffen. Die Gene und der Lebensstil spielen eine wichtige Rolle in der Entstehung der Erkrankung.
Von Daniela Rittmannsberger-Kampel
„Der Fluch der Erkrankung ist, dass man sie häufig sehr spät erkennt.“
Es gehört bei vielen Menschen ab dem Alter von 60 Jahren zum Alltag: das tägliche Blutdruckmessen. 25 bis 30 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher leiden an der sogenannten Hypertonie – dem Bluthochdruck. Ab dem 60. Lebensjahr ist sogar jede bzw. jeder Zweite davon betroffen. MEDIZIN POPULÄR beleuchtet die oft unentdeckte Volkskrankheit – von Prävention bis zur Behandlung.
Wie misst man richtig?
Priv.-Doz. Dr. Christian Koppelstätter, PhD, betreut als Facharzt für Innere Medizin und Nephrologie in der Hypertoniesprechstunde an der Nephrologischen Abteilung der Klinik Innsbruck häufig Patientinnen und Patienten mit Bluthochdruck. Von der Erkrankung betroffen ist man ab 140/90 mmHg in der Messung der Arztpraxis bzw. ab 135/85 mmHg in der Selbstmessung. Letzteres steht für Millimeter Quecksilbersäule und zeigt an, wie stark das Blut gegen die Gefäßwände drückt. Der erste Wert wird als systolischer Wert bezeichnet, der den Druck beim Zusammenziehen des Herzens beschreibt. Der zweite Wert – der diastolische Wert – bezeichnet den Druck in der Entspannungsphase dazwischen. Wird beim Arzt bzw. der Ärztin ein erhöhter Blutdruck gemessen, ist das nicht immer aussagekräftig. „Man muss den psychologischen Aspekt betrachten. Es ist wie in einer Prüfungssituation: Man sitzt da und möchte einen möglichst niedrigen Blutdruckwert. Das allein treibt den Blutdruck meist in die Höhe“, erklärt der Facharzt. Er empfiehlt daher, dass man zuhause in Ruhe sitzend den Blutdruck morgens, mittags und abends über mehrere Tage und Wochen hinweg misst. Diese saubere Blutdruckmessung ist das Um und Auf für den behandelnden Arzt bzw. die Ärztin, um herauszufinden, ob Handlungsbedarf besteht. Hat man 20 bis 30 Messwerte gesammelt und der Blutdruck ist auch in der gewohnten Umgebung öfter erhöht, sollte man die Hausärztin oder den Hausarzt konsultieren und die Werte besprechen. Je nach Vorerkrankung werden dann die nächsten Schritte überlegt: „Hat ein Patient bzw. eine Patientin bereits einen Herzinfarkt erlitten, wird er bzw. sie rascher und intensiver betreut“, erklärt Christian Koppelstätter. Dass man immer wieder einen höheren Blutdruck hat, ist hingegen normal. Wenn man etwa Sport macht oder sich über etwas ärgert, steigt der Blutdruck automatisch. Problematisch wird es, wenn man einige Minuten lang ruhig am Tisch im eigenen Zuhause sitzt und der Blutdruck trotzdem immer wieder erhöht ist.
„Gibt kein klassisches Symptom“
Hinter Bluthochdruck stecken vor allem unsere Gene – bei 90 Prozent aller Betroffenen liegt eine genetische Veranlagung für die Erkrankung vor. Eine große Rolle spielt allerdings der Lebensstil. Übergewicht, hoher Salzkonsum, Alkoholkonsum, wenig Bewegung und Stress können den Blutdruck dauerhaft erhöhen. Auch die Hormone müssen in der Entstehung von Bluthochdruck berücksichtigt werden: Frauen bleiben aufgrund des Hormons Östrogen im Vergleich zu Männern oft länger vor Bluthochdruck geschützt, erklärt Koppelstätter. Mit Beginn der Menopause sinkt jedoch der Östrogen-Spiegel und das Risiko, an einer Hypertonie zu erkranken, steigt an. „Mit 65 Jahren haben Frauen dann statistisch gesehen die Männer überholt, was den Bluthochdruck anbelangt“, erklärt der Mediziner. Die wenigsten Menschen spüren tatsächlich, dass sie an Bluthochdruck leiden. Symptome wie innere Unruhe, Kopfschmerzen oder Schwindel seien unspezifisch: „Es gibt kein klassisches Symptom für Bluthochdruck.“ Koppelstätter rät daher, ab dem 40. Lebensjahr regelmäßig Blutdruck zu messen. Viele Menschen bemerken erst nach Vorfällen wie einem Schlaganfall oder einem Herzinfarkt, dass sie an Hypertonie leiden – dann ist der Schaden jedoch schon passiert. Denn unbehandelt kann Blutdruck zu solchen Vorfällen sowie zu einer Nierenfunktionseinschränkung führen. „Der Fluch der Erkrankung ist, dass man sie häufig sehr spät erkennt. Der Mensch behandelt gerne akute gesundheitliche Probleme. Wenn man an Bluthochdruck leidet, geht es einem trotzdem oft wunderbar und die Einsicht fehlt, warum man ein Medikament einnehmen soll.“
Bewusster Lebensstil
Nicht immer müssen sofort Medikamente eingenommen werden. Vor allem der Lebensstil ist ausschlaggebend, um die Blutdrucktablette hinauszögern zu können. Eine große Rolle spielt Übergewicht. Jedes Kilogramm Körpergewicht wirkt sich auf den Blutdruck aus, erklärt
Koppelstätter. Nimmt man etwa zehn Kilogramm ab, sinkt der systolische Wert um 10 mmHg. Die mediterrane Diät mit viel Gemüse, Obst, Fisch und Olivenöl wird bei Bluthochdruck empfohlen. Salz wirkt sich ebenfalls auf den Blutdruck aus. Es sollten nicht mehr als fünf Gramm am Tag verzehrt werden. Daher gilt: „Den Salzstreuer nicht am Tisch stehen haben, sondern sich stattdessen mit Gewürzen austoben“, empfiehlt der Spezialist. Ob man auf zu hohen Salzkonsum mit erhöhtem Blutdruck reagiert, ist allerdings ebenfalls genetisch bedingt. Auch der Alkoholkonsum sollte auf geringe Mengen eingeschränkt werden. Zweieinhalb Stunden Bewegung pro Woche wirken sich ebenfalls positiv auf die Blutdruckwerte aus. Und nicht zuletzt spielt die Stressbelastung eine Rolle. Auch wenn sich die Einnahme von Medikamenten nicht immer vermeiden lässt, kann man die Dosis durch Lebensstilmaßnahmen positiv beeinflussen. Im Vergleich zu früher achten Ärztinnen und Ärzte heutzutage vermehrt auf die genetische Komponente: „Wenn in der Familie gehäuft Schlaganfälle auftreten bzw. beide Elternteile betroffen sind, ist die Chance sehr groß, dass man selbst an Bluthochdruck erkrankt.“
Bluthochdruck gehört zu den am einfachsten behandelbaren, chronischen Erkrankungen, sagt der Mediziner. Ändert man seinen Lebensstil, kann man bereits viel erreichen. Wenn nicht anders möglich, sollte man konsequent die verordneten Medikamente einnehmen, um so wieder auf ein Normalmaß zu kommen. Denn Bluthochdruck gehört zum Älterwerden häufig dazu: „Wenn wir älter werden, häufen sich die Fehlermeldungen. Hier gehört der Bluthochdruck dazu. Je älter wir sind, desto steifer werden die Blutgefäße.“ Auch wenn der Bluthochdruck oft in unseren Genen steckt und auch das Alter eine Rolle spielt, kann mit einem gesunden Lebensstil viel bewirken – am besten präventiv.
Bluthochdruck (Hypertonie) …
… ist eine Erkrankung, bei der das Blut dauerhaft mit zu hohem Druck durch die Gefäße gepumpt wird. Dadurch können Herz, Nieren und Gefäße geschädigt werden. Bluthochdruck entsteht vor allem durch genetische Veranlagung, aber auch altersbedingt durch hormonelle Veränderungen und den Lebensstil.
Richtig Blutdruck messen
Vorbereitung:
- Blase entleeren
- Keine koffeinhaltigen Getränke, Nikotin oder Sport 30 Minuten davor
Körperhaltung:
- Fünf Minuten entspannt auf einen Sessel setzen, Rücken an die Lehne stützen
- Füße flach auf den Boden stellen, Beine nicht überkreuzen
- Arm locker auf Herzhöhe auflegen
Messung:
- Oberarmmessgerät bevorzugen (genauer als Handgelenk)
- Manschette korrekt anlegen (nicht zu locker, ca. 2–3 cm oberhalb der Ellenbeuge)
- 1–2 Mal messen, eine Minute Pause dazwischen
- Messwerte notieren (Datum, Uhrzeit, Arm)
Normale Blutdruckwerte liegen bei bzw. unter 120/80 mmHg. Von einem erhöhten Blutdruck spricht man ab 130/85 mmHg. Werte ab 140/90 mmHg gelten als Bluthochdruck.
Mediterrane Ernährung
Eine Ernährungsweise, die sich an den traditionellen Essgewohnheiten der Mittelmeerregion orientiert, z. B. Griechenland, Italien und Spanien.
Hauptbestandteile:
- Obst & Gemüse: täglich, bunt und vielfältig
- Vollkornprodukte: Brot, Nudeln, Reis, Couscous
- Hülsenfrüchte & Nüsse: Bohnen, Linsen, Mandeln, Walnüsse
- Fisch & Meeresfrüchte: mehrfach pro Woche
- Olivenöl: Hauptfettquelle, statt Butter
- Milchprodukte: vorwiegend Joghurt und Käse, in Maßen
- Fleisch: selten, bevorzugt Geflügel
Fotos: Wolfgang Lackner, istockphoto/tarik vision