Vorsicht Männer: Diabetes droht!

Juni 2007 | Medizin & Trends

Warum der männliche Lebensstil gefährlich ist
 
Vorsicht, Männer: Gerade in den besten Jahren droht ihnen die Zuckerkrankheit!
Umso wichtiger ist es, auf die leisesten Anzeichen zu achten, denn der Diabetes kommt schleichend – und kann katastrophale Folgen haben.
 
Von Dr. Kurt Markaritzer

In Österreich gibt es laut offiziellem Diabetesbericht mehr als 350.000 Zuckerkranke. Experten gehen davon aus, dass mindestens 100.000 weitere Menschen Diabetes haben, ohne es zu wissen. Dazu dürften vor allem Männer zählen, die sich bekanntlich nur höchst ungern eingestehen, dass sie krank sein könnten. Die Zahlen sprechen aber eine andere Sprache. Zwar kommt Diabetes bei Frauen mit 2,1 Prozent der Bevölkerung etwas häufiger vor als bei Männern, in der Altersklasse zwischen 35 und 75 ist es allerdings genau umgekehrt: Der Anteil der zuckerkranken Männer an der Gesamtbevölkerung ist in dieser Altersgruppe immer höher als jener der Frauen, erst in späteren Lebensjahren verschiebt sich das Verhältnis zu ungunsten der Frauen.
Der einfachste Weg, sich Klarheit zu verschaffen, ist die Untersuchung beim Arzt – aber Männer sind absolute Vorsorgemuffel und vergeben so die Chance, die Krankheit durch eine frühzeitige Behandlung zu heilen, sie riskieren unbewusst schwere Folgeschäden – deshalb sollten sie wenigstens aufmerksam auf erste Anzeichen eines möglichen Diabetes achten.

Dazu zählen vor allem:

  • Müdigkeit, Niedergeschlagenheit und Schwäche,
  • starker Durst,
  • häufiges Wasserlassen,
  • oftmalige Haut- und Schleimhautinfektionen,
  • Juckreiz,
  • Kribbeln und Gefühllosigkeit in Händen, Beinen und Füßen,
  • verschwommene Sicht,trockene und/oder schuppige Haut,
  • ständig offene Wunden oder
  • Infektionen, die nur schwer heilen.

Eines oder mehrere dieser Warnzeichen sind schon Grund zur Sorge. Wenn dann noch Bluthochdruck oder zu hohe Anteile des schädlichen LDL-Cholesterins und zu niedrige des „guten“ HDL-Cholesterins dazu kommen, ein Familienmitglied bereits an Diabetes erkrankt ist oder die Betroffenen rauchen, ist Alarmstufe rot angesagt. Spätestens jetzt sollten sich die Männer unbedingt untersuchen lassen! Das gilt auch dann, wenn sich immer öfter Erektionsprobleme einstellen – auch das kann ein Hinweis auf eine noch nicht entdeckte Zuckerkrankheit sein.

Lange keine Beschwerden
Der bekannte Diabetologe Univ. Prof. Dr. Guntram Schernthaner, Vorstand der 1. Medizinischen Abteilung der Krankenanstalt Rudolfstiftung in Wien, warnt vor Leichtsinn: „Das tückische am Diabetes ist, dass er sehr oft über längere Zeit keinerlei Beschwerden verursacht. Wenn die Patienten aber die ersten Probleme oder Komplikationen spüren, ist die Krankheit oft schon weit fortgeschritten und eine erfolgreiche Behandlung weniger aussichtsreich. Deshalb ist es wichtig, dass Maßnahmen zur Prävention und zur Früherkennung forciert werden.“
Die Ärztin oder der Arzt hat verschiedene Möglichkeiten, Diabetes-gefährdete Patienten zu erkennen. Die wichtigsten Risikofaktoren sind hoher Blutdruck sowie hohe Blutfettwerte. Der Blutdruck sollte unter 130/80 mmHg sein, das LDL-Cholesterin sollte bei allen Patienten kleiner als 100 mg/dl sein (bei Patienten nach einem Herzinfarkt und Schlaganfall sogar kleiner als 70 mg/dl). Der HbA1c-Wert – das ist ein Wert zur Kontrolle des Blutzuckerspiegels – soll unter sieben Prozent liegen. Patienten mit erhöhtem Mikroalbumin, also mit erhöhter Eiweißausscheidung im Harn, sind besonders gefährdet und müssen besonders aufmerksam behandelt werden.

Schlimme Folgen
Wie wichtig die Früherkennung, aber auch die Begleitkontrollen sind, zeigt ein kurzer Überblick über mögliche Folgen von Diabetes: Diabetiker sind besonders herzinfarkt- und schlaganfallgefährdet, nach aktuellen Statistiken ist jeder dritte Österreicher, der einen Schlaganfall erleidet, ein Diabetiker. Der Typ-2-Diabetes ist einer der Hauptverursacher des Nierenversagens. Bei Zuckerkranken verschlimmern sich die Folgen von Bluthochdruck, und auch der Nikotingenuss ist für sie höchst riskant: Die Todesrate bei rauchenden Diabetikern ist zwei- bis dreimal höher als bei diabetischen Nichtrauchern, vor allem wegen der drastisch zunehmenden Gefahr von Herzkrankheiten und Nierenversagen.

Besonders folgenschwer ist der diabetische Fuß. Die Ursachen dafür sind komplex. Bei Diabetikern werden in die Nervenscheiden Zucker eingeladen, es kommt zu einer so genannten diabetischen Neuropathie, welche die Übertragung an vielen Nerven stört. Deshalb haben sehr viele Patienten ein taubes Gefühl an Händen und Füßen und ihre Empfindlichkeit gegenüber Temperatur und Schmerzen ist stark vermindert. Zudem ist bei ihnen die Durchblutung schlechter. Die Kombination dieser Benachteiligungen kann sich katastrophal auswirken, wenn es an den Fußsohlen zu kleinen Verletzungen kommt, die Diabetiker wegen der mangelnden Schmerzempfindlichkeit nicht spüren. Durch die Verletzungen können Infektionen auftreten, die bei fünf bis neun Prozent aller Diabeteskranken Geschwüre am Fuß hervorrufen, welche im schlimmsten, leider gar nicht so seltenen Fall eine Amputation notwendig machen. Bei Diabetes-Patienten müssen die Hälfte aller Fußamputationen vorgenommen werden!

Ein nahezu normales Leben
So gefährlich die Krankheit ist – niemand muss bei der Diagnose „Diabetes“ schockiert sein. Prof. Schernthaner: „Mit modernen Therapiemaßnahmen kann man Diabetes-Patienten gut einstellen, sie können dann ein nahezu normales Leben führen. Besonders hoffnungsvoll ist die Lage natürlich, wenn die Krankheit so früh wie möglich erkannt wird, da ist sogar eine Heilung möglich. Aber selbst im fortgeschrittenen Stadium kann man immer noch eine deutliche Milderung der Leiden erreichen.“
Besser als jede Behandlung ist selbstverständlich die Vorbeugung und die ist bei Typ-2-Diabetes besonders Erfolg versprechend, sagt der Wiener Diabetesexperte: „Die Leute sollen drei bis vier Kilo abnehmen und drei Stunden Sport pro Woche betreiben, damit würde die Wahrscheinlichkeit, dass sie tatsächlich zuckerkrank werden, um 60 Prozent sinken. Für diese aktive Vorbeugung ist es übrigens nie zu spät, sagt der Diabetologe.

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Stichwort Diabetes
Diabetes mellitus, der auch Zuckerkrankheit genannt wird, ist eine chronische Stoffwechselerkrankung. Nährstoffe aus Lebensmitteln, etwa Kohlehydrate, Fette und Eiweiße, werden im Körper umgewandelt. Aus den Kohlehydraten werden im Magen und Darm Traubenzuckerbausteine, die direkt in die Blutbahn gelangen und den Organismus mit Energie versorgen. Damit die Körperzellen den Zucker aus der Blutbahn aufnehmen und verarbeiten können, brauchen sie Insulin, das ist ein Hormon, das in der Bauchspeicheldrüse gebildet wird. Diabetiker leiden an einem Mangel an Insulin, deshalb können die Zellen dem Blut nicht genügend Zucker „abnehmen“, in der Folge steigt die Zuckerkonzentration im Blut, der Blutzuckerspiegel ist erhöht. Die Zuckermoleküle lagern sich an den Wänden der Blutgefäße ab und behindern den Blutkreislauf oder schädigen Nervenzellen.

So wird behandelt
Es gibt zwei Arten von Zuckerkrankheit: den Diabetes Typ 1 und den Diabetes Typ 2 (90 Prozent der Fälle). Während Typ-1-Patienten immer mit Insulin behandelt werden müssen, können Typ-2-Diabetiker die Krank- heit durch Umstellungen der Ernährung und mehr Bewegung oft so gut in den Griff bekommen, dass sie keine Medikamente benötigen. In späteren Stadien müssen sie dem Körper Insulin mit Tabletten oder Spritzen zuführen. Seit kurzem sind Medikamente mit dem Wirkstoff Inkretin-Mimetikum auf dem Markt, der die Insulinausschüttung an den Zuckergehalt der Nahrung anpasst. Für die Zukunft setzen Experten vor allem in das Inhalationsinsulin große Hoffnungen, Fortschritte werden auch bei neuen Methoden der Gentherapie und der Inselzelltransplantationen verzeichnet, die Umsetzung in die Praxis wird allerdings noch einige Zeit dauern.

So beugt Mann vor
Prim. Dr. Johannes Püspök, ärztlicher Leiter vom Moorheilbad Harbach, hält „Gender Medicine“, also eine Medizin, die auf die Besonderheiten von Mann und Frau abgestimmt ist, gerade auch im Zusammenhang mit Diabetes für die neue Herausforderung des Gesundheitssystems.

„Bei Männern ist der diabetogene Lebensstil weiter verbreitet als bei Frauen. Übergewicht, Bewegungsarmut und vor allem falsche Ernährungsgewohnheiten sind die wesentlichen Entstehungsfaktoren für Diabetes. Gezielte Programme zur Lebensstilmodifikation, angeboten in spezialisierten Zentren wie zum Beispiel in der Privatkrankenanstalt für Stoffwechselerkrankungen im Moorheilbad Harbach, sind Teil der Strategien zur Prävention und Therapie des Diabetes mellitus.“

Buchtipp
Abrahamian, Fisch
Leben mit Diabetes Typ 2 Anleitung für Anfänger und Fortgeschrittene

Verlagshaus der Ärzte, Euro 14,90 (Österreich)
ISBN 978-3-901488-93-1
   

 

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