Hoher Blutdruck

Mai 2010 | Medizin & Trends

Hypertonie rechtzeitig und richtig behandeln
 
Jeder dritte Mensch in Österreich hat einen zu hohen Blutdruck – eine Erkrankung, die unbehandelt zu Schlaganfall, Herzinfarkt und Demenzerkrankungen führen kann. Doch die Gefahr wird immer noch unterschätzt: Ein Viertel der Betroffenen weiß nichts von seiner Erkrankung oder ignoriert das Problem. Lesen Sie, wie man Bluthochdruck erkennt, was wirklich dagegen hilft und was man tun kann, um ihn gar nicht erst zu bekommen.
 
Von Mag. Sabine Stehrer

Kopfweh und Schmerzen im Genick, Schweißausbrüche und Übelkeit, Nasenbluten und Sehstörungen, Kreislaufprobleme, Gereiztheit und das Gefühl, unter Druck zu stehen – das alles können Hinweise auf Bluthochdruck sein, in der Fachsprache Hypertonie genannt. „Von den meisten Betroffenen werden die genannten Symptome aber auf andere Ursachen als auf eine Hypertonie zurückgeführt“, weiß Univ. Prof. Dr. Dieter Magometschnigg, Leiter des Instituts für Hypertoniker in Wien. „Andere spüren gar nichts davon, dass sie einen zu hohen Blutdruck haben.“
Von Bluthochdruck betroffen ist aber jeder dritte Mensch in Österreich – wobei das Altersgefälle groß ist: Unter den 20-Jährigen sind 15 Prozent Hypertoniker, unter den 50-Jährigen 40 Prozent, unter den 70- bis 80-Jährigen bereits 80 Prozent. Doch ein Viertel der Hypertoniker weiß nichts von seiner Erkrankung und riskiert schlimme Folgen: „Bleibt die Hypertonie unerkannt und unbehandelt, führt sie früher oder später zu einem Schlaganfall, Herzinfarkt oder zu Demenzerkrankungen.“

Was ist Bluthochdruck?

Nach der Definition der Österreichischen Hochdruckliga beginnt Bluthochdruck dann, wenn bei 30 Messungen an verschiedenen Tagen und zu verschiedenen Zeitpunkten bei mehr als einem Viertel der Messungen der obere Wert über 135 und der untere Wert über 85 liegt. Der obere (systolische) Wert gibt jenen Druck an, der in den Arterien auftritt, wenn Blut aus dem Herzen gepumpt wird. Der untere (diastolische) Wert ist der Druck, der in den Arterien herrscht, bevor sich die Herzklappen wieder öffnen und Blut ins Herz zurückfließt. „Bei Menschen bis 50 Jahren ist oft nur der untere Wert erhöht, bei Menschen ab 50 nur der obere“, sagt Magometschnigg. Egal, welcher Wert erhöht ist, beides weist auf ein Risiko für Herz- und Kreislauferkrankungen wie Schlaganfall und Herzinfarkt hin. Je höher die Werte, desto höher das Risiko – ab Werten von 140 zu 90 steigt es um das Eineinhalbfache.

Lebensstil als Risikofaktor Nummer eins

„Die Hypertonie ist bei 90 bis 95 Prozent der Betroffenen eine Nebenwirkung des Lebens, wie es die große Mehrheit der Menschen in den westlichen Industrieländern führt“, sagt Magometschnigg. Diese Mehrheit bewegt sich zu wenig, isst zu viel, nimmt zu viel Fett zu sich und zu viel Salz, ist daher übergewichtig, trinkt zu viel Alkohol, raucht. „Das alles zusammengenommen, verbunden mit einer ererbten Neigung zur Hypertonie treibt den Blutdruck mit zunehmendem Alter immer mehr in die Höhe.“ In etwa fünf bis zehn Prozent der Fälle wird die Hypertonie von einer anderen Erkrankung verursacht: z. B. von hormonellen Störungen, einer Überfunktion der Schilddrüse, Nierenerkrankungen, erhöhtem Cholesterinspiegel, Diabetes Typ 1 und Typ 2. Selten wird die Erkrankung von psychischen Faktoren wie Stress ausgelöst.  

Gut behandelbar

Während bei einem Viertel der Betroffenen das Leiden lange Zeit unerkannt bleibt und erst im Krankheitsfall bemerkt wird, also etwa bei einem Schlaganfall oder Herzinfarkt, erhalten drei Viertel der Patienten die Diagnose entweder bei einer Vorsorgeuntersuchung oder durch Zufall, wenn sie wegen einer anderen Erkrankung zum Arzt gehen und dieser nebenher den Blutdruck misst. Magometschnigg: „Hat man den Bluthochdruck erkannt, ist die Erkrankung gut behandelbar.“ Sind die Werte nur leicht erhöht, kann oft schon eine Änderung des Lebensstils den Blutdruck wieder normalisieren. Die Betroffenen müssen darauf achten, sich regelmäßig und ausreichend zu bewegen und sich gesund zu ernähren: Das heißt fettarm und salzarm. Darüber hinaus ist beim Alkohol Zurückhaltung angesagt, auf Nikotin sollte ganz verzichtet werden. „Wer sich dauerhaft an diese Regeln halten kann, kann auch damit rechnen, dass der Blutdruck dauerhaft im Normbereich bleibt“, sagt Magometschnigg.

Medikamentöse Therapie

Die Empfehlung, den Lebensstil zu ändern, gilt auch bei mittelschwer oder stark erhöhtem Blutdruck. Magometschnigg: „Die Betroffenen kommen aber um die Einnahme von blutdrucksenkenden Medikamenten in Form von Tabletten nicht herum.“ Welche Mittel in welcher Menge gegeben werden, wird im Einzelfall und nach zahlreichen Messungen über mehrere Tage entschieden. Zur Wahl stehen sogenannte Betablocker, die die Wirkung der Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin hemmen und auf diese Art und Weise den Blutdruck senken, und ACE-Hemmer, Angiotensin Converting Enzyme, die die Bildung oder Wirkung der blutdruckerhöhenden Angiotensin-Enzyme hemmen. Parallel werden oft Diuretika gegeben, die mit Salz auch Wasser aus dem Körper schwemmen, sowie Kalziumantagonisten, die die Wirkung von Kalzium in den glatten Muskelzellen der Gefäße verringern, wodurch sich die Gefäße erweitern und der Blutdruck sinkt. Magometschnigg: „Mit diesen Mitteln kann ein mittelstark und stark erhöhter Blutdruck gesenkt und dauerhaft niedrig gehalten werden.“ Damit der Körper nicht mehr unter Druck gerät, müssen die Medikamente allerdings ein Leben lang eingenommen werden.

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Bluthochdruck-Therapien der Zukunft
Impfung und Schrittmacher

*   In den nächsten Jahren könnte die Behandlung des Bluthochdrucks für die Betroffenen bequemer werden: Weltweit arbeiten verschiedene Forschergruppen an der Entwicklung eines Impfstoffs gegen die Hypertonie. Dieser wird nach dem Prinzip der sogenannten ACE-Hemmer funktionieren und vor der blutdrucksteigernden Wirkung des Enzyms Angiotensin schützen. Geimpft wird dann voraussichtlich jedes halbe Jahr.

*   Ebenfalls in Entwicklung ist der Einsatz eines Schrittmachers gegen Bluthochdruck: Dieser soll die Drucksensoren in der Halsschlagader stimulieren und elektrische Impulse an das Hirn senden, die dazu führen, dass körpereigene Mechanismen zur Senkung des Blutdrucks in Gang gesetzt werden.

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Blutdruckkontrolle per SMS

Einen besonderen Service für Bluthochdruckpatienten bietet das Wiener Institut für Hypertoniker. Seit zwei Jahren wird dort der Blutdruckverlauf der Hypertoniker täglich kontrolliert.
Damit das Institut Einblick in den Blutdruckverlauf bekommt, schicken die Patienten jeden Tag ihre Messwerte per SMS an eine SMS-Zentrale. Dort werden die Selbstmesswerte gesammelt und grafisch aufbereitet zur medizinischen Beurteilung an das Institut weitergeleitet. „Wenn mit den Werten etwas nicht stimmt, fragen wir die Betroffenen per SMS, ob sie ihre Medikamente eingenommen haben, oder wir bitten sie, einen Arzttermin zu vereinbaren“, sagt Institutsleiter Univ. Prof. Dr. Dieter Magometschnigg. Das Ergebnis der Maßnahme: Im Vergleich zum internationalen Durchschnitt konnte die Therapietreue der Patientinnen und Patienten um das Doppelte gesteigert werden. Und statt wie anderswo 40 bis 50 Prozent der Bluthochdruckpatienten kommen mit dem SMS-Service 80 bis 90 Prozent dauerhaft in den Normbereich.

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Selten und meist ungefährlich: Zu niedriger Blutdruck

An zu niedrigem Blutdruck, in der Fachsprache Hypotonie genannt, leiden nur zwei bis vier Prozent der Bevölkerung. Blutniederdruck besteht, wenn bei 30 Messungen an verschiedenen Tagen und zu verschiedenen Zeitpunkten die Werte unter 110 zu 70 liegen. Mögliche Ursachen für Blutniederdruck sind eine genetische Veranlagung, eine Schilddrüsenunterfunktion, Bewegungsmangel, aber auch eine Herzerkrankung, lange Bettlägrigkeit etc.
Eine Gefahr für die Gesundheit stellt die Hypotonie nicht dar, doch kann sie mit Kopfschmerzen, Verstimmungen und einem ausgeprägten Kälteempfinden einhergehen: alles Symptome, die durch regelmäßiges Ausdauertraining, eine salzreiche Ernährung und viel Trinken gelindert werden können. Kommt es bei Betroffenen häufig zu Kreislaufstörungen bis hin zu Ohnmachtsanfällen, sollte an eine Therapie mit blutdrucksteigernden Medikamenten gedacht werden. Eine wichtige Ursache für gelegentlich zu niedrigen Blutdruck sind Rhythmusstörungen. Wenn der Blutdruck meistens normal oder erhöht ist und gelegentlich abfällt, sollte der Herzrhythmus untersucht werden.

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