Vorsorgeuntersuchung: Das wird untersucht

September 2009 | Medizin & Trends

1974 wurde nicht nur MEDIZIN populär gegründet, sondern auch eine wichtige Maßnahme zur Gesundheitsvorsorge eingeführt: die Gesundenuntersuchung, heute Vorsorgeuntersuchung genannt. Nach einer Statistik des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger nehmen das Angebot, das für alle Über-18-Jährigen in Österreich kostenlos ist, derzeit rund zwölf Prozent in Anspruch. Ein Grund, warum viele der Untersuchung fern bleiben, ist unter anderem mangelnde Information über den Ablauf des Checks. Für MEDIZIN populär schildert die Allgemeinmedizinerin Dr. Ina Etlinger-Dress, wie die Vorsorgeuntersuchung vor sich geht und was sie bringt.
 
Von Mag. Sabine Stehrer

Das Vorsorge-Rezept ist ganz einfach: Man nehme ein Telefon und ein bisschen Zeit. Für alle weiteren Zutaten sorgen die Ärztinnen und Ärzte. Was am Ende dabei herausschaut? Wertvolle Ratschläge fürs Gesundbleiben, die beruhigende Gewissheit, dass man gesund ist, oder aber die Chance, eine früh erkannte Krankheit gut behandeln zu können. Wer dieses Rezept bei Dr. Ina Etlinger-Dress im Gesundheitszentrum Wien-Mitte der Wiener Gebietskrankenkasse anwenden will, vereinbart zunächst telefonisch einen Termin. „Dabei muss bedacht werden, dass man zum Untersuchungszeitpunkt nüchtern sein sollte, und dass die ärztliche Untersuchung mit Blutabnahme und Urinabgabe gut eine Stunde dauern kann“,  sagt die Allgemeinmedizinerin.

Zunächst gilt es einen Fragebogen auszufüllen, auf dem nach Vorerkrankungen, bekannten Erkrankungen und erblichen Vorbelastungen gefragt wird. Auf Basis dieser Angaben führt die Medizinerin ein ausführliches Gespräch mit dem Patienten. „Dann messe ich Blutdruck und Puls, schaue in den Mund, um zu sehen, wie es um die Zahngesundheit bestellt ist, messe Bauchumfang sowie Körpergröße und bitte den Patienten, sich auf die Waage zu stellen.“

Auf Herz und Nieren

Außerdem hört die Medizinerin die Lunge ab, tastet Leber, Niere, Milz und andere Organe ab, begutachtet Gelenke und Wirbelsäule und hält nach Auffälligkeiten wie einer vergrößerten Schilddrüse, vergrößerten Lymphknoten oder Hauterscheinungen Ausschau. Die Ergebnisse dieser Erst-Untersuchung bestimmen den weiteren Inhalt des Patientengesprächs. „Ich frage zum Beispiel, ob der Blutdruck schon öfter so hoch oder so niedrig war, und rate zu weiteren Kontrollen und falls notwendig zu weiteren Untersuchungen.“ Stellt die Medizinerin Schäden an den Zähnen fest, rät sie zum baldigen Besuch eines Zahnarztes. Liegen Über- oder Untergewicht fest, rät sie zum Abnehmen bzw. zu mehr Bewegung oder zu einer reichhaltigeren Ernährung. „Sehe ich auffällige Muttermale, rate ich zur Untersuchung beim Hautarzt.“
Über-45-jährigen Männern rät sie, den so genannten PSA-Test zur Früherkennung von Prostatakrebs machen zu lassen. Männer und Frauen über 50 sollten zur Koloskopie, damit Darmkrebs möglichst früh erkannt werden kann. Allen Frauen wird empfohlen, jedes Jahr einmal zum Gynäkologen zu gehen, um verschiedene Unterleibskrebsarten gegebenenfalls früh zu erkennen. Frauen über 40 sollten alle zwei Jahre zur Mammographie, die der Früherkennung von Brustkrebs dient.

Blut, Urin, Stuhl

Nach dem ärztlichen Gespräch und den Erstuntersuchungen gehen die Vorsorgepatienten im Gesundheitszentrum Wien-Mitte ins Labor im selben Haus. Dort werden mehrere Blutproben aus einer Vene am Arm entnommen. „Deswegen muss man nüchtern zur Vorsorgeuntersuchung gehen, denn bestimmte Lebensmittel können die Ergebnisse des Bluttests verfälschen“, erklärt Etlinger-Dress. Das gilt auch für die Urinprobe, die man im Labor abgibt und die ebenfalls dort untersucht wird. Die Blutuntersuchung gibt z. B. Auskunft darüber, wie es um die Cholesterinwerte und die Leberfunktion bestellt ist. Bei Frauen wird zusätzlich ein so genanntes rotes Blutbild gemacht, das einen Hinweis auf einen Eisenmangel geben kann. Vorsorgewillige ab 50 Jahren bekommen kleine Briefchen mit nach Hause, in die sie an drei Tagen Stuhlproben geben. Diese werden beim zweiten Termin des Vorsorgechecks auf Blut im Stuhl untersucht. 

Lebensstilberatung

Liegen die Ergebnisse aus dem Labor vor, wird wieder ein ausführliches Patientengespräch geführt, bei dem es um die vorliegenden Werte geht. Meist sei dieses Gespräch mit einer Lebensstilberatung verbunden, sagt Etlinger-Dress. „Leider muss ich vielen dazu raten, weniger Alkohol zu trinken, weniger bzw. am besten nicht mehr zu rauchen, besser auf ihre Ernährung zu achten bzw. weniger zu essen.“ In einigen Fällen habe sie damit Erfolg. „Dann kommen die Leute nach einem Jahr wieder und sind tatsächlich gesünder geworden.“ Leider, so sagt sie auch, verhalte es sich in vielen anderen Fällen umgekehrt. „Da sind die Risikofaktoren dann größer statt kleiner.“


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Wo und wie oft zum Check?

  • Der Hausarzt informiert über die Möglichkeiten der Vorsorgeuntersuchung in Ihrer Nähe bzw. führt sie auch selbst durch, indem er für notwendige Untersuchungen an Fachärzte und Labors überweist.
  • Ab dem 20. Lebensjahr sollte man alle zwei Jahre zur Vorsorgeuntersuchung, ab dem 40. Lebensjahr jedes Jahr.

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Vorsorgeuntersuchung neu
Seit 2005 mit im Paket:

  • eine Neubewertung der Risikofaktoren für Herz- und Kreislauferkrankungen,
  • eine Aufklärung und Unterstützung bei der gesundheitsfördernden Veränderung des Lebensstils hinsichtlich Bewegung, Ernährung, Alkoholkonsum, Medikamentenkonsum und Raucherentwöhnung,
  • die Darmkrebsvorsorge für Menschen über 50 Jahre (Darmspiegelung zusätzlich zur Untersuchung auf Blut im Stuhl),
  • Hör- und Sehleistungstests für Menschen ab 65,
  • ein Blick in den Mund, um Zahn- und Zahnfleischerkrankungen früh zu erkennen.

Die Vorsorgeuntersuchung neu wurde mit dem Ziel eingeführt, die Zahl der Herz- und Kreislauferkrankungen bis zum Jahr 2020 um 40 Prozent zu reduzieren, die Zahl der Krebserkrankungen um 15 Prozent und die Zahl der Diabetes-Erkrankungen um 30 Prozent.

 

 

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