Sorgenkind Herz

Mai 2006 | Medizin & Trends

Die besten Tipps für starke Blutgefäße
 
Das Risiko einer Herzerkrankung steigt mit den Jahren. Doch mit dem richtigen Lebensstil, vor allem mit viel Bewegung, kann man den Alterungsprozess der Blutgefäße verlangsamen: Man ist so alt wie seine Gefäße!
 
Von Mag. Michael Krassnitzer

Das Alter bemisst sich nicht an den Lebensjahren allein. „Man ist so alt wie seine Gefäße“, weiß Primarius Dr. Josef Sykora, Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie. Denn ein funktionierendes Blutkreislaufsystem ist das Um und Auf für unsere Gesundheit. Das Herz und die Blutgefäße sind verantwortlich dafür, dass sämtliche Zellen unseres Körpers mit Sauerstoff versorgt werden. Sind die Rohre verstopft und kommt die Pumpe ins Stocken, dann macht die Mensch-Maschine schlapp.

Im Lauf der Zeit lagern sich Fette in den Gefäßwänden ab. Es entsteht eine schmierige Plaque, die sich entzünden oder einreißen kann, die im Laufe der Zeit versteift, die Gefäße verengt und den Blutfluss verlangsamt – die Arterienverkalkung oder Atherosklerose. Betrifft diese Verengung die Blutgefäße des Herzens, dann spricht man von einer koronaren Herzkrankheit. Diese kann zu einem Sauerstoffmangel im Herzen führen, der mit großen Schmerzen einher geht (Angina Pectoris).

Auch Herzinfarkt und Schlaganfall sind Folgen der Arterienverkalkung: Atherosklerotische Plaques sind brüchig, sie können daher Risse bekommen und die Innenwand der Gefäße verletzen. An dieser Wunde gerinnt das Blut und der entstehende Blutkuchen kann das Gefäß zur Gänze verstopfen.

Blutgerinnsel können auch vom Blutstrom mitgerissen werden und anderswo im Körper kleinere Gefäße verschließen. Bei einem kompletten Gefäßverschluss wird das dahinter liegende Gewebe nicht mehr mit Sauerstoff versorgt und stirbt ab. Eine Verstopfung der Herzkranzgefäße führt zum Herzinfarkt, ein Gefäßverschluss im Gehirn zum Schlaganfall.

Herzinfarkt ist kein Schicksal

Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems sind typische Erkrankungen des Alters. 72 Prozent der Herzinfarktpatienten sind älter als 65, nur ein Prozent der Myokardinfarkte, wie Herzinfarkte in der Fachsprache genannt werden, trifft Menschen, die jünger sind als 45. Doch Herzerkrankungen sind kein unausweichliches Schicksal. Wie lange Herz und Blutgefäße einwandfrei funktionieren, hängt nämlich zu einem guten Teil von uns selbst ab.

Zum einen kann man bestimmte angeborene oder erworbene Risikofaktoren mit Medikamenten in den Griff bekommen: hoher Blutdruck, erhöhte Blutfettwerte oder Diabetes sind heute gut therapierbar. Je früher diese Risikofaktoren erkannt und behandelt werden, desto besser. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen seien daher jedem ans Herz gelegt!

Andere Risikofaktoren sind eine Frage des Lebensstils: Rauchen, Übergewicht, Stress, Bewegungsmangel sind dabei die vier wichtigsten. Rauchen führt nachweislich zur vorzeitigen Alterung der Blutgefäße und somit unweigerlich zu Herzerkrankungen. Übergewicht hebt den Blutdruck und fordert dem Herzen besondere Anstrengungen ab, auch Stress erhöht den Blutdruck und belastet somit den Kreislauf. Und wenn das Herz zu viel ruht, also durch Bewegungsmangel zu wenig gefordert wird, steigt die Wahrscheinlichkeit einer Herzerkrankung.

Fit nach Bypass-Operation

„Körperliche Aktivität ist ganz entscheidend, denn sie wirkt sich nicht nur direkt positiv auf unseren Organismus aus, sondern beeinflusst auch andere Risikofaktoren: Wer sich viel bewegt, hat im Allgemeinen einen niedrigeren Blutdruck, einen niedrigeren Cholesterinspiegel und raucht auch weniger“, erklärt Dr. Sykora. Ausdauertraining steht daher in der von ihm geleiteten Herz-Kreislauf-Rehabilitation am Humanomed Zentrum Althofen an erster Stelle. Diese im April eröffnete Rehabilitationsabteilung, übrigens die erste im Bundesland Kärnten, setzt dabei auf ein neuartiges Konzept: den Kontakt von Reha-Patienten mit Gesunden und mit Leistungssportlern. Zu der privaten Einrichtung nämlich gehört nicht nur ein Rehabilitationszentrum mit Schwerpunkt Orthopädie, sondern auch das größte Fitnesscenter Kärntens, das zum Teil unter einem Dach mit der Herz-Kreislauf-Rehabilitation liegt. Dort kann man (ehemaligen) Spitzensportlern wie Andreas Goldberger oder Christian Mayer über den Weg laufen. „Für die Patienten ist es sehr motivierend, wenn ihr Therapeut vor ein paar Minuten noch so jemanden betreut hat“, ist Sykora überzeugt: „Das schafft eine Atmosphäre, die den Patienten motiviert, seinen Lebensstil zu ändern. Nach einer Bypassoperation zum Beispiel kann man wieder völlig fit werden und Sport betreiben.“

Das Altersspektrum der Herz-Reha-Patienten in Althofen reicht von Anfang 30 bis über 90. Je älter jemand ist, desto behutsamer muss freilich das Bewegungsprogramm angegangen werden, betont Sykora. Denn bei älteren Menschen ist oft der Bewegungsapparat in Mitleidenschaft gezogen. Senioren brauchen daher speziell zusammengestellte Trainingsprogramme, die auf die abgenützten Gelenke oder die brüchigen Knochen Rücksicht nehmen. Multimorbidität, also das Nebeneinander mehrerer Erkrankungen, ist leider ein häufiges Problem bei älteren Menschen, die Behandlung einzelner Krankheiten ist damit schwieriger.

Gegen Todesängste

„Bei der Entstehung und Therapie von koronaren Herzerkrankungen kommt auch psychischen Faktoren eine ganz besondere Bedeutung zu. Eine gestörte oder ungünstige Verarabeitung der Krankheit kann wesentlich Einfluss auf die aktive Mitarbeit in der Behandlung haben“, erklärt Sykora. Ältere Herzpatienten leiden mehr als jüngere unter Todesängsten und stärker unter der Trennung von Familie und Freunden. In Althofen steht daher auch psychologische Hilfe am Programm: einmal wöchentlich Gruppengespräche mit Psychologen, wenn notwendig auch Einzeltherapien.

Wer auf die Gesundheit seines Herz-Kreislauf-Systems schaut, sollte auch auf gesunde, relativ fettarme Ernährung Wert legen. Dazu gehören Frischobst und frische Salate, Gemüse als Rohkost oder schonend zubereitet, Pellkartoffeln, Speisen aus Getreideschrot und Vollgetreideflocken (Müsli), Vollreis, Vollkornbrot oder magere Milchprodukte wie Frischkäse. Vermeiden Sie jegliche Art von Zucker, also auch braunen Zucker, Traubenzucker und Fruchtzucker, Nahrungsmittel und Getränke mit Zuckerzusatz, Süßigkeiten, Weißbrot und Semmeln. Gehen Sie sparsam mit Salz um und achten Sie auf die versteckten Fette in industriellen Nahrungsmitteln wie Wurst oder Fertiggerichten. Dr. Sykora empfiehlt, öfters Fisch statt Fleisch zu essen: „Nicht nur jeden Freitag und nicht in Fett herausgebacken und mit einem üppigen Mayonnaisesalat!“

Ein Glaserl fürs Herz

Obwohl es paradox klingt, ist die Wirkung eines alten Hausmittels wissenschaftlich erwiesen: Alkohol ist gut für Herz und Kreislauf. Das ist allerdings kein Freibrief für hemmungslose Trinkgelage, denn die richtige Menge macht es aus: 25 Gramm Alkohol pro Tag – und nicht mehr! Das entspricht etwa einem Krügerl Bier, einem Viertel Wein oder einem Stamperl Schnaps. Entgegen der landläufigen Meinung muss es nicht Rotwein sein. Studien haben ergeben, dass es der Alkohol selbst ist, der dem Herzen gut tut, und nicht die besonderen Inhaltsstoffe des dunklen Rebensaftes.
   

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