Unliebsame Tattoos: So wird man Tätowierungen los

März 2015 | Medizin & Trends

Der Trend zu Tattoos ist vor allem bei den Jungen ungebrochen, und immer mehr vor allem Ältere wollen ihre Altlasten auf der Haut loswerden. Die Medizin hat dafür heute zwar einige Methoden parat, doch nicht immer lässt sich die Tätowierung gänzlich entfernen. Schmerzhaft ist die Prozedur allemal. Was heute möglich ist und was nicht.
 
Von Mag. Sabine Stehrer

Es waren der britische Seefahrer James Cook und seine Matrosen, die den Trend zum Tattoo Ende des 18. Jahrhunderts aus Polynesien nach Europa brachten. Von da an war der Körperschmuck vor allem unter Seeleuten, Halbwelt-Angehörigen und Häftlingen begehrt. Heute lassen sich längst nicht mehr nur Vertreter von Randgruppen tätowieren, sondern Mitglieder aller Gesellschaftsschichten. In Österreich schmücken sich 13 Prozent mit Tattoos, in der Generation unter 30 trägt sogar jeder Dritte Farbe unter der Haut, und vor allem unter Jungen ist der Trend zur Tätowierung ungebrochen.
Warum das so ist, untersuchte das Linzer Meinungsforschungsinstitut IMAS. Dabei stellte man fest,  dass die weitaus meisten der Wunsch nach dem Ausdruck ihrer Persönlichkeit dazu veranlasst, sich tätowieren zu lassen. Doch im Lauf der Zeit verändert sich der Mensch: „Und dann gefällt so einigen das Motiv auf der Haut nicht mehr, weil es nicht mehr zu ihnen passt oder die Form verloren hat“, nennt die Wiener Dermatologin Dr. Brigitte Klein die Hauptgründe dafür, dass immer mehr, eher Ältere, ihre Altlasten auf der Haut loswerden möchten. Andere haben ­ sich im Überschwang früherer Verliebtheit den Namen eines Partners stechen lassen – und sind die Monikas, Norberts und Sigis aus dem Leben verschwunden, soll auch der an sie erinnernde Schriftzug weg. „Wieder andere wollen ihr Tattoo loswerden, weil es an ihrem neuen Arbeitsplatz unerwünscht ist oder weil sie einer Religionsgemeinschaft beitreten, die Tattoos verbietet“, weiß Brigitte Klein, die sich auf die Entfernung von Tätowierungen spezialisiert hat.  

Ausschneiden mit dem Skalpell

Wer sich nur von Engelsflügerln, Röschen oder Sternderln trennen will, hat dabei die besseren Karten: „Kleinere Tätowierungen lassen sich sehr leicht entfernen“, erklärt die Medizinerin. „Sie können vom Dermatologen unter lokaler Betäubung mit dem Skalpell herausgeschnitten werden wie ein Muttermal, und es bleibt nur eine winzige Narbe zurück.“ Prinzipiell lassen sich freilich auch größere Symbole, Schriften oder Bilder aus der Haut herausschneiden. Doch muss man sich dafür unter das Messer eines Chirurgen legen, benötigt eine Narkose und hat Schmerzen, einen längeren Heilungsprozess sowie große, bleibende Narben in Kauf zu nehmen. Klein: „Deswegen eignet sich diese Maßnahme nur in Notfällen, also wenn der Leidensdruck groß ist oder die Entfernung aus anderen Gründen sofort geschehen muss.“

Tattoofrei mit dem Laser

Die beste und daher heute gängigste Methode zur Beseitigung größerer Tattoos ist laut der Medizinerin die Behandlung mit speziellen Lasern. „Der Lichtstrahl solcher Laser dringt bis in die Hautschicht ein, wo sich die Farbpartikel befinden, und zerkleinert sie durch Hitzeimpulse“, informiert die Medizinerin darüber, wie die Farbe aufgelöst wird. „Die dann winzigen Bestandteile der Partikel werden über die Lymphbahnen in die Lymphknoten abtransportiert.“ Dort, wo sich auch ein Teil der Farbe befindet, die beim Stechen in die Haut gelangte, verbleiben sie – was laut Klein nach derzeitigem Wissensstand nicht gefährlich ist. Über die Bläschen und Krusten, die nach der Anwendung auf der gelaserten Fläche entstehen und nach einiger Zeit aufgehen bzw. abfallen, dringen weitere Partikel nach außen.

Geduld und Schmerztoleranz gefragt

Wie lange eine einzige Laser-Behandlung dauert, hängt laut Brigitte Klein von der Größe des Tattoos ab: „Je kleinflächiger ein Motiv ist, desto kürzer dauert die Behandlung, bei kleineren wenige Minuten, bei großen bis zu eineinhalb Stunden.“ Wie viele Einheiten nötig sind, bis der in Ungnade gefallene Körperschmuck verblasst, hängt aber nicht so sehr von der Größe ab: Hierbei ist die Farbe der wichtigste Gradmesser: „Je mehr Farbe beim Stechen verwendet wurde, desto mehr Lasereinsätze braucht es, bis nichts mehr vom Tattoo übrig ist“, sagt Klein. Auch welche Farbe sich unter der Haut befindet, spielt eine Rolle. So können schwarze und dunkelblaue Farbpartikel besser vom Laser erfasst und schneller zerstört werden als grüne, violette oder rote. Bis ein zufriedenstellendes Ergebnis erzielt wird, sind zehn, manchmal auch noch mehr Behandlungen nötig. Und da zwischen den Anwendungen mindestens sechs Wochen liegen sollten, könne es laut der Expertin sein, dass sich die Entfernung über Jahre hinzieht. Neben Geduld brauchen die Behandelten aber auch eine größere Schmerztoleranz. Klein: „Die Entfernung eines Tattoos tut sicher mehr weh als das Tätowieren.“ Die Schmerzen während der Prozedur lassen sich aber durch lokal betäubende Salben oder Injektionen lindern.

Manchmal bleiben Schatten zurück

Nicht immer lässt sich mit dem Lichtstrahl der nicht mehr erwünschte Adler am Bauch, der unpassend gewordene Drache am Oberarm oder das peinlich gewordene Arschgeweih gänzlich beseitigen. Weiße und hautfarbene Pigmente kann der Laser nicht erfassen, und manchmal bleiben auch von anderen Farben Schatten zurück.
Zu unangenehmen Nebenwirkungen führe die Laserbehandlung selten, weiß Brigitte Klein. „In Einzelfällen kommt es zu allergischen Reaktionen auf die austretende Farbe oder Narbenbildung.“ Öfter sei dies bei Methoden der Fall, die ebenfalls praktiziert werden, wie der Dermabrasion, der Entfernung mit Blitzlichtlampen oder mit Milchsäure. Die Anwendung von Milchsäure führe laut Klein sogar oft zu Vernarbungen, die aussehen, als wäre man „mit brennenden Zigarettenstummeln gefoltert worden“. Und damit ist wohl keinem geholfen, der sein Tattoo loswerden will.

Stand 03/2015

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