Oase des Wohlbefindens

November 2016 | Leben & Arbeiten

So wird Ihr Zuhause ein Ort der Behaglichkeit
 
So soll unser Zuhause sein: Ein Ort, der zu uns passt, uns aufatmen lässt und Erholung vom stressigen Alltag bietet. Wie Sie die eigenen Wohnbedürfnisse erkennen und Ihr Heim in eine behagliche Wohlfühl-Oase verwandeln.
 
Von Mag. Helga Schimmer

Die gute Nachricht zuerst: Eine Wohnung, in der sich die Seele wohlfühlt, muss nicht teuer sein. Nur ein bisschen Zeit zur Selbstreflexion sollten Sie aufwenden, denn schließlich wollen Sie einen „Lebensraum“, der in erster Linie nicht den aktuellen Wohntrends entspricht, sondern Ihrem eigenen Wesen.
„Räume und Häuser nehmen als unsere unmittelbare Umgebung direkt Einfluss auf uns, auf Stimmungen und Gefühle, auf Leistungsfähigkeit und Gesundheit“, weiß Wohnpsychologin Dr. Barbara Perfahl. Die Tatsache, dass der moderne westliche Mensch gut 90 Prozent seines Daseins in geschlossenen Räumen verbringt, veranlasst die in Hamburg lebende gebürtige Linzerin das eigene Zuhause – nach Haut und Kleidung – als unsere „dritte Haut“ zu bezeichnen. „Die Wohnung macht einen bedeutenden Teil unserer Identität aus. Wenn sie schlecht ‚sitzt‘, stört sie das Wohlbefinden genauso wie ein kratzender Pulli“, sagt die Expertin.

Wenn die Wohnung nicht passt

Da gibt es ein Zimmer, das keiner nutzen mag, oder die Familienmitglieder kommen sich bei der Raumnutzung dauernd in die Quere, oder es stellt sich eine diffuse Unzufriedenheit mit bestimmten Einrichtungsteilen ein – alles Hinweise auf eine Disharmonie zwischen einer Wohnung und ihren Bewohnern. Psychologisch formuliert: „Die Aneignung der Wohnräume hat nicht richtig funktioniert.“
Oft liegt das daran, dass man sich noch nicht mit den eigenen Wohnbedürfnissen auseinandergesetzt hat bzw. diese kaum kennt. Perfahl: „Vieles nimmt ja Einfluss auf unser Wohnideal: die Möbelindustrie, Wohnzeitschriften, Modetrends. Aber nicht jeder Stil oder jedes Domizil passt zu jedem Menschen.“
Die individuellen Wohnbedürfnisse sind einerseits persönlichkeitsspezifisch, andererseits können sie sich im Laufe des Lebens verändern. „Beispielsweise haben ältere Menschen oft ein höheres Sicherheitsbedürfnis als jüngere“, sagt Perfahl. Auch bei einem Wandel der Lebensumstände, etwa nach dem Ausziehen der erwachsenen Kinder oder dem Tod des Partners, stellt sich vielfach Unzufriedenheit ein, weil die bestehende Wohnsituation den neuen Anforderungen noch hinterherhinkt. Da hilft nur eines: Machen Sie sich auf den Weg zum Wohlfühl-Zuhause und erkunden Sie die eigenen Wohnbedürfnisse!

Ansprüche an das Zuhause

Das Wohnen kann zweifellos als Basis des täglichen Lebens gelten. Deshalb sind die sechs Wohnbedürfnisse, die Perfahl nennt, eng an die Maslow’sche  Bedürfnispyramide angelehnt. „Genügt unsere Wohnumgebung diesen Grundbedürfnissen nicht, löst das in der Regel deutliches Unbehagen aus“, so die Psychologin. Wobei jeder die Anforderungen an sein Zuhause etwas anders gewichtet. Diese Unterschiede gilt es zu erforschen:

  • Etwa ist Sicherheit für viele Menschen das grundlegende Bedürfnis. Für sie muss, ganz unserem evolutionären Erbe gemäß, das Eigenheim die schützende Höhle sein. „Die Ängste beziehen sich heute freilich weniger auf den Überfall durch wilde Tiere, sondern eher auf Diebstähle und Einbrüche“, erläutert Perfahl.
  • Ein weiteres Wohnbedürfnis ist Erholung. Für manche soll das Zuhause  ein Ruhepol im tosenden Alltag sein: In den eigenen vier Wänden will man sich entspannen und Kraft tanken. Die Wohnung ist ein Rückzugsort, an dem Lärm und fremde Menschen als störend empfunden werden.
  • „Viele leben in ihrer Wohnung aber auch das Bedürfnis nach Gemeinschaft aus“, sagt die Psychologin. „Man denke etwa an die Familienküche als Herzstück eines Hauses, das oft als Kommunikationszentrale fungiert.“ Gäste empfangen, Partys veranstalten, Feste feiern – das gesellige Miteinander lässt sich in den eigenen vier Wänden vortrefflich pflegen.
  • Außerdem drücken wir der Wohnung gerne unseren Stempel auf. Die einen mögen’s ordentlich und aufgeräumt, während andere mehr schmücken und dekorieren und wieder andere im Eigenheim Laissez-faire walten lassen. In jedem Fall sagt das etwas über die Persönlichkeit aus. Die Wohnung dient also auch der Selbstdarstellung.
  • Nicht nur Kinder und Jugendliche, sondern auch viele Erwachsene lieben es, die eigenen Räume in eine Kreativwerkstatt zu verwandeln. Immer wieder stellen sie die Möbel um, dekorieren neu, streichen die Wände in anderen Farben – und leben damit ihr Bedürfnis nach einem Gestalten der Umwelt aus.
  • Darüber hinaus sollten die ästhetischen Bedürfnisse nicht zu kurz kommen, denn eine unattraktive Umgebung kann das Gemüt auf Dauer in erheblichen Stress versetzen. „Leider wird der ästhetische Aspekt manchmal zugunsten praktischer und technischer Belange vernachlässigt“, bedauert die Expertin. „Dabei fördern gerade schöne, mit positiven Emotionen verknüpfte Dinge unser seelisches Wohlbefinden am stärksten.“

Eigene Vorlieben ergründen

Und wie schafft man sich nun ein Zuhause für die Seele? Perfahl schlägt als ersten Schritt eine genaue Bestandsaufnahme der momentanen Wohnsituation vor: „Hier spielen unter anderem Fragen nach der Art beziehungsweise Nutzung der vorhandenen Räume eine Rolle.“ Im zweiten Schritt wird bewertet: Was finde ich gut, was möchte ich verändern? Als Drittes erforscht man die prägenden Erfahrungen mit dem Wohnen in der eigenen Kindheit. Schritt Nummer vier auf dem Weg zur behaglichen Wohn-Oase ist der wichtigste: das Kennenlernen und Überprüfen der persönlichen Wohn­bedürfnisse. Zu guter Letzt geht es an die Umsetzung, wobei oft bereits kleinere Veränderungen wie eine andere Beleuchtung näher an das optimale Wohlfühl-Zuhause bringen.

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Was der Wohnstil über uns verrät

Zeig mir, wie du wohnst, und ich sag dir, wer du bist.

Ganz so einfach ist es natürlich nicht, denn der Mensch ist weit mehr als die Sammlung seines Mobiliars. Gewisse Einblicke in die Wesensart gewährt der jeweilige Wohntyp allerdings schon:

  • Ästhetisch-schlicht
    Schnörkel jedweder Art sind diesem Wohntyp ein Gräuel. Er mag’s puristisch: gerade Linien, glatte Flächen, kühle Farben. Dass mit reduzierter, ja spartanischer Eleganz möblierte Räume einfach sauber zu halten sind, kommt den ordnungsliebenden, disziplinierten Menschen sehr entgegen. „Weniger ist mehr“, lautet das Lebensmotto dieser sachlichen Ästheten, denen mitunter ein Hang zum Perfektionismus eigen ist.

  • Ursprünglich-traditionell
    Das Außergewöhnliche wird man im Heim eines Traditionalisten vergeblich suchen. Seine Räume sind einfach, gemütlich und volkstümlich eingerichtet. Die urige Bauernstube vermittelt ihren Bewohnern jene Sicherheit und Bodenständigkeit, die sie brauchen. Sich geborgen und erdig zu fühlen, ist für die den überlieferten Werten Verpflichteten die Essenz des Lebens. Aufgeschlossenheit gegenüber Neuem zählt dagegen meist nicht zu ihren hervorstechenden Qualitäten.

  • Edel-repräsentativ
    Luxus strahlt aus allen Ecken. Edle, kostspielige Einzelheiten oder Antiquitäten werten das gediegene Interieur zusätzlich auf. Bewohner eines solchen Domizils sind meist dynamische, entschlussfreudige und ehrgeizige Menschen, die andere leicht für sich einnehmen. Sie imponieren gerne, verfügen häufig über ein großes Netzwerk, sind erfolgreich und durchsetzungsfähig. Was Feinfühligkeit und Empathie betrifft, haben sie bisweilen noch Entwicklungspotenzial.

  • Sinnlich-kreativ
    Fantasievoll, ideenreich und individualistisch – die Wohnung des künstlerisch Begabten spiegelt seine persönlichen Stärken deutlich wider. Er liebt Extravagantes und lehnt Genormtes ab. Schöpferische Menschen umgeben sich gerne mit ungewöhnlichen oder exotischen Elementen, setzen auffällige Farbakzente und legen bei der Gestaltung ihrer Einrichtung gerne auch selbst Hand an. Sie kreieren ein Zuhause, in dem nicht nur sie selbst, sondern auch ihre Gäste sich traumhaft wohlfühlen. Allerdings kann es ihnen schwerfallen, das rechte Maß zu finden.

  • Behaglich-familiär
    Wie eine beruhigende Oase in rauer Natur wirkt das Heim, das Familienmenschen für sich und ihre Lieben erschaffen. Praxistaugliche Gegenstände und bequemlichkeitsfördernde Details dürfen nicht fehlen. Obwohl häuslich und eher introvertiert, zeichnen diesen Wohntyp Bindungsfähigkeit und Geselligkeit aus. Dank seinem Talent, eine lockere, entspannte Atmosphäre zu schaffen, fühlen sich im kuscheligen Nest auch Besucher rundum wohl – gelegentliches Chaos inbegriffen.

Buchtipp
Perfahl,
Ein Zuhause für die Seele.
In fünf Schritten zum Wohlfühl-Zuhause
ISBN 978-3-451-61305-0
192 Seiten, € 17,50
Kreuz Verlag 2015

Stand 11/2016

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