Schön fruchtig

September 2017 | Kosmetik & Pflege

Obst in Cremes, Peelings und Badezusätzen
 
Der Trend zur natürlichen Kosmetik ist nicht aufzuhalten: Immer häufiger finden sich Pflegeprodukte mit fruchtigen Inhaltsstoffen in den Verkaufsregalen. Eine Expertin erklärt, wie wertvoll Obstkosmetik für die Schönheit sein kann, was ihre Wirkstoffe für unsere Haut leisten und worauf bei der Anwendung zu achten ist.
 
Von Mag. Helga Schimmer

Herbstzeit ist Erntezeit. Ein bunter Obstkorb mit Früchten aus heimischem Anbau hebt die Laune und macht Appetit aufs gesunde Snacken. Äpfel, Pfirsiche, Trauben und Beeren schmecken allerdings nicht nur hervorragend, sie sind auch ein Jungbrunnen für unsere Haut. Kein Wunder, dass Kosmetikhersteller die appetitlichen Früchte verstärkt verarbeiten – nicht zuletzt um unsere Sehnsucht nach einer naturnahen Lebensweise zu stillen. „In fertigen fruchtigen Kosmetikprodukten ist aber nicht die komplette Frucht enthalten, sondern darin stecken – je nach Verwendung – bestimmte Auszüge daraus“, sagt Dr. Patricia Gill-Figwer, Fachärztin für Hautkrankheiten, Venerologie und Allergien in Wien. So finden sich in pflegenden Cremes und Lotionen typischerweise Öle aus den Früchten bzw. deren Samen – wie etwa Pfirsichkernöl, Marillenkernöl, Traubenkernöl oder Sanddornöl. Für Duschgels, Shampoos und Badezusätze hingegen greifen die Hersteller gerne auf die fruchtigen Duftkomponenten zurück. Die dritte Gruppe der Obstextrakte, die sich wachsender Beliebtheit erfreut, sind Fruchtsäuren. Sie verbessern vor allem in Form von Peelings, aber auch als Cremen oder Fluids die Hautstruktur. Doch der Reihe nach.

Fruchtöle – pflegend und regenerierend

Fruchtöle sind besonders hilfreich bei trockener, empfindlicher Haut. „Eine Creme, beispielsweise mit Traubenkernöl, weist einen besonders hohen Gehalt an Omega 6-Fettsäuren auf, die einen belebenden Effekt auf die Haut haben“, weiß Gill-Figwer. Traubenkernöl zählt zu den edelsten und teuersten Pflanzenölen. Schon im Mittelalter erkannte man, dass das Öl kleinere Schnittwunden heilen und rissige, spröde Stellen zum Verschwinden bringen kann. Es enthält auch viel Vitamin E, das die Haut strafft und Falten reduziert. Sogenannte Oligomere Procyanidine (kurz: OPCs) wirken stark antioxidativ, schützen die Haut also vor dem schädlichen Einfluss freier Radikale und kommen deshalb häufig in Anti-Aging-Pflegeprodukten zum Einsatz.
Ein weiterer Alleskönner unter den Fruchtölen stammt aus dem Sanddorn, einer Vitamin C-reichen, orangeroten kleinen Frucht aus der Familie der Ölweidengewächse, die schon lange als immunstärkendes Mittel verwendet wird. Gill-Figwer: „Aus dem Sanddorn werden zwei verschiedene Öle gewonnen – Fruchtfleischöl und Kernöl.“ Das rötliche Sanddorn-Fruchtfleischöl enthält Carotinoide, die als Radikalfänger wirken, und zwar so gut, dass Sanddornprodukte von Kosmonauten sogar mit ins All genommen wurden, um Schäden durch Strahlen vorzubeugen: Die Wirksamkeit des Sanddorn-Fruchtfleischöls zur Stärkung der Haut gegen UV- und Röntgenstrahlung ist auch wissenschaftlich belegt. Das Öl unterstützt außerdem die Regenerierung der Haut nach einem Sonnenbrand und hat einen entzündungshemmenden Effekt.
Sanddornkernöl dagegen enthält weniger Carotinoide, dafür aber mehr ungesättigte Fettsäuren. Zum Beispiel senkt Linolsäure den natürlichen Wasserverlust über die Haut und erhöht so die Hautfeuchte. Sie ist auch Bestandteil von Ceramid-L, des wichtigsten Barriere­stoffes der Hornschicht. Da die Haut von Neurodermitikern meist einen Mangel an Ceramid-L aufweist, ist Sanddornkernöl laut der Dermatologin für diese Patienten ein exzellentes Pflegemittel.

Fruchtige Duftextrakte – verführerisch und belebend

Ob das Duschgel mit Grapefruitnote, das Schaumbad mit Apfelduft oder das Haarshampoo mit Pfirsichbouquet – aromatische Fruchtessenzen machen die Körperpflege zum sinnlichen Erlebnis. Über die Herkunft der betörenden Aromen herrscht jedoch nicht immer Klarheit. „Ob die Duftstoffe tatsächlich aus Früchten gewonnen oder aber künstlich hergestellt wurden, lässt sich nur durch aufmerksames Lesen der Inhaltsliste herausfinden. Gerade Menschen mit empfindlicher Haut und Allergiker sollten sich dafür Zeit nehmen, da einige Duftstoffe dafür bekannt sind, leicht Allergien auszulösen“, gibt Gill-Figwer zu bedenken. Nachsatz: „Lassen Sie sich am besten vom Hautarzt oder in der Apotheke beraten.“
Duftkomponenten werden landläufig unter dem Begriff „ätherische Öle“ zusammengefasst. Dabei handelt es sich um Stoffgemische aus Alkoholen, Estern, Ketonen oder Terpenen, die Pflanzen zur Anlockung von Insekten oder zur Abwehr von Schädlingen herstellen. Zur Unterscheidung der Qualität eines ätherischen Öls verwendet man folgende Bezeichnungen: Naturbelassene bzw. natürliche Öle bestehen aus mehreren naturreinen Stoffkomponenten ohne synthetische Zusätze. Naturidentische Öle werden nach dem Vorbild der chemischen Zusammensetzung natürlicher ätherischer Öle synthetisch hergestellt, bestehen aber aus deutlich weniger Stoffkomponenten als ein vergleichbares natürliches Öl. Die künstlichen Öle schließlich kommen in der Natur gar nicht vor, sondern werden auf einen bestimmten Geruch hin im Chemielabor entworfen.
„Es ist aber ein Irrtum zu meinen, ätherische Öle natürlicher Herkunft seien harmlos. Auch sie können allergische Reaktionen hervorrufen oder die Haut sensibilisieren“, sagt Gill-Figwer und rät Menschen, die zu Allergien neigen, ein neues Kosmetikprodukt zunächst an der Innenseite des Unterarms auszuprobieren: Wenn sich an dieser empfindlichen Hautstelle nach mehreren Tagen keine Reaktion zeigt, verträgt man es.

Fruchtsäuren – porenverfeinernd und aufhellend

Vermutlich ohne Wissen um die chemische Wirkung behandelten bereits französische Hofdamen des 17. Jahrhunderts ihre Haut mit Rotwein. Trauben und viele andere Früchte enthalten sogenannte Alpha-Hydroxy-Acids, kurz: AHAs. Diese als Fruchtsäuren bezeichneten Substanzen verbessern die Hautstruktur, verfeinern die Poren und reduzieren oberflächliche Pigmenteinlagerungen. Auch im Kampf gegen Hautunreinheiten haben sie sich bewährt. „Wer eine etwas intensivere Behandlung benötigt, kann abends ein Fruchtsäure-Peeling machen“, so Gill-Figwer. „Leichtere Creme- oder Fluid-Zubereitungen eignen sich auch für Stellen, an denen die Haut dünner und trockener ist, wie etwa im Dekolleté.“ Das leichte Kribbeln, das Fruchtsäurepräparate gelegentlich hervorrufen, schadet der Haut nicht, sondern deutet auf die Wirksamkeit des Produktes hin.
Wichtig: Tagsüber einen guten Sonnenschutz auftragen – am besten fettfrei und mit Lichtschutzfaktor 50+.

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Selbstgemachte Obstkosmetik:
Fruchtige Schönheitsrezepte

von Hautärztin Dr. Patricia Gill-Figwer

  • Pflegendes Wannenbad mit Fruchtöl und Milch

    Geben Sie einen Liter Milch oder einen halben Becher Schlagobers zusammen mit zwei Esslöffeln natürlichem Fruchtöl (z.B. Sanddornöl, Olivenöl) in das einlaufende warme Badewasser. 10 bis 15 Minuten genießen, anschließend mit den Händen abstreifen, mit einem Handtuch leicht abtupfen, einen Bademantel überziehen und über Nacht einwirken lassen. Die Milch wirkt hier als Emulgator, der die wertvollen Inhaltsstoffe des Fruchtöls besser in die Haut transportiert. Eine wahre Wohltat für trockene und zu Neurodermitis neigende Haut.

  • Reparierende Packung mit Weintrauben
    Zerdrücken oder pürieren Sie eine Handvoll Weintrauben und mischen Sie einen Esslöffel Heilerde und einige Tropfen Olivenöl unter. Tragen Sie den Brei auf Gesicht, Hals und Dekolleté auf und lassen Sie ihn mindestens eine halbe Stunde einwirken. Mit einem Baumwolltuch abgedeckt, ist die Wirkung intensiver. Nach dem Abwaschen fühlt sich die Haut zart und erfrischt an, denn die Fruchtsäure der Trauben hat die Poren verfeinert. Außerdem wirkt die Packung gegen Pickel und mildert Rötungen.

  • Erfrischende Maske mit Erdbeeren und Topfen

    Die roten Beeren schmecken nicht nur unserem Gaumen, sondern auch der Haut – unter anderem wegen der enthaltenen Flavonoide und Vitamin C. Erstere wirken der Hautalterung entgegen, indem sie freie Radikale einfangen, letzteres hat Bleichwirkung auf Pigmentflecken. Außerdem versorgt die Erdbeermaske die Haut mit Mineralstoffen wie Kalium und Magnesium. So geht’s: Drei frische Erdbeeren, zwei Esslöffel Topfen und einen Teelöffel Olivenöl pürieren. Die Masse mit einem Kosmetikpinsel auf die Gesichtshaut streichen, dabei die Augenpartie aussparen und mindestens zehn Minuten einwirken lassen. Anschließend mit lauwarmem Wasser abspülen und eine Feuchtigkeitscreme auftragen.

Stand 09/2017

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