Dr. Johannes Bisschoff, Facharzt für Dermatologie und Allergologie, Leiter des Wahlarztzentrums „Medizin am Hauptbahnhof“ in Wien, beantwortet die aktuelle Leserfrage.
Von Natascha Gazzari
Facharzt für Dermatologie und Allergologie
MEDIZIN POPULÄR-Leserin Melanie W. fragt: „Bei einem Ausflug mit der Familie haben meine Arme und mein Gesicht zu viel Sonne abbekommen, obwohl der Himmel bedeckt war. Am Abend war die Haut schmerzhaft gerötet und hat gejuckt. Welche Sofortmaßnahmen helfen bei Sonnenbrand?“
Für einen Sonnenbrand ist vor allem die UV-B-Strahlung verantwortlich. Sie schädigt das Erbgut – sprich die DNA – der Hautzellen direkt. Der Körper reagiert darauf mit einer Entzündung: Die Haut wird rot, warm, schwillt an und schmerzt. Häufig treten Juckreiz oder ein Spannungsgefühl auf, bei starkem Sonnenbrand kommt es sogar zur Blasenbildung. Wichtig ist, die Entzündungsreaktion rasch zu lindern und die Hautbarriere zu unterstützen.
Was macht einen Sonnenbrand gefährlich?
Ein Sonnenbrand kann die Gesundheit sowohl akut als auch langfristig gefährden. Bei großflächigen oder schweren Verbrennungen, die mit Blasen, Fieber und Kreislaufproblemen einhergehen, kann es zu Flüssigkeitsverlust, Infektionen und allgemeinem Krankheitsgefühl kommen. In solchen Fällen ist ein Arztbesuch ratsam. Langfristig betrachtet erhöht jede UV-bedingte DNA-Schädigung das Risiko für Hautkrebs. Besonders relevant sind wiederholte Sonnenbrände in der Kindheit und Jugend – sie gelten als zentraler Risikofaktor für das maligne Melanom, umgangssprachlich schwarzer Hautkrebs.
Wer ist besonders gefährdet?
Ein erhöhtes Risiko haben Menschen mit heller Haut (Hauttyp I und II), hellen Augen und rötlichen oder blonden Haaren. Besonderen Schutz braucht die Haut von Kindern und Jugendlichen, da diese dünner und empfindlicher ist. Auch Medikamente spielen eine Rolle: So können Immunsuppressiva das Hautkrebsrisiko erhöhen. Auch bestimmte Antibiotika sowie entwässernde Medikamente können dazu führen, dass die Haut empfindlicher auf UV-Strahlung reagiert. Generell gilt: Bei Aufenthalten im Gebirge oder am Wasser erhöht sich die UV-Belastung durch Reflexion, wodurch auch das Sonnenbrandrisiko steigt.
Wie kann man vorbeugen?
Konsequenter Sonnenschutz ist die wirksamste Prävention. Zwischen 11 und 15 Uhr ist die UV-Strahlung am intensivsten, daher die Mittagssonne am besten meiden. Schützende Kleidung aus dicht gewebten Materialien, ein Hut mit breiter Krempe und eine Sonnenbrille mit UV-Schutz sind ideal. Sonnenschutzmittel sollten 20 bis 30 Minuten vor dem Sonnenbaden großzügig aufgetragen werden. Um den Schutz aufrechtzuerhalten, sollte alle zwei Stunden sowie nach dem Schwimmen nachgecremt werden. Babys im ersten Lebensjahr sollten keiner direkten Sonne ausgesetzt werden. In diesem Alter wirken Sonnenschutzmittel noch nicht optimal. Sonnenschutzmittel verlängern zwar die Eigenschutzzeit der Haut, sind jedoch kein Ersatz für ein vernünftiges Verhalten in der Sonne.
Woran erkennt man ein gutes Sonnenschutzmittel?
Ein hochwertiges Produkt verfügt über einen Breitbandschutz, filtert also sowohl die für den Sonnenbrand verantwortliche UV-B-Strahlung als auch die für die Hautalterung entscheidende UV-A-Strahlung. Viele Produkte schützen auch gegen Blaulicht und Infrarotlicht. Beim Lichtschutzfaktor empfiehlt es sich, LSF 50 zu verwenden. Insbesondere bei empfindlicher oder zu Allergien neigender Haut sollten Mittel gewählt werden, die frei von stark reizenden Duftstoffen sind. Für das Gesicht eignen sich leichte Fluids, trockene Haut sollte mit reichhaltigeren Lotionen geschützt werden, für Kinderhaut gibt es ebenfalls spezielle Formulierungen. Wasserfeste Produkte sind speziell bei Badeaufenthalten sinnvoll, ersetzen jedoch nicht das regelmäßige Nachcremen. Entscheidend ist nicht nur das Produkt, sondern die richtige Anwendung. Studien zeigen, dass die meisten Menschen deutlich zu wenig Sonnenschutzmittel verwenden und der tatsächliche Schutz dadurch erheblich reduziert wird. Um den auf dem Sonnenschutzmittel ausgewiesenen Lichtschutzfaktor zu erreichen, müssen zwei Milligramm pro Quadratzentimeter Haut aufgetragen werden, das entspricht etwa vier Esslöffeln für den Körper eines Erwachsenen. Wichtig ist auch zu wissen, dass es mittlerweile Sonnenschutzprodukte gibt, die gezielt auf unterschiedliche Hauttypen abgestimmt sind – etwa für zu Akne neigende Haut, bereits pigmentierte Haut, Rosacea oder hypersensible Haut. Eine individuelle Beratung in der Arztpraxis oder Apotheke kann helfen, das passende Produkt zu finden, sodass das tägliche Auftragen des Sonnenschutzes zu einer angenehmen und gut verträglichen Hautroutine wird.
SOS-Maßnahmen bei Sonnenbrand
- Raus aus der Sonne: weiteres Sonnenbaden bis zur Abheilung vermeiden
- Kühlen: Kühle (nicht eiskalte) feuchte Umschläge oder lauwarme Duschen lindern Schmerzen.
- Feuchtigkeit zuführen: Leichte, parfumfreie After-Sun-Produkte oder Feuchtigkeitslotionen mit Inhaltsstoffen wie Aloe Vera, Panthenol oder Glycerin beruhigen die Haut.
- Ausreichend trinken: Ein Sonnenbrand geht mit
Flüssigkeitsverlust einher. - Bei Bedarf entzündungshemmend behandeln: Bei stärkeren Beschwerden können kurzfristig niedrig dosierte Kortison-Cremes (nach ärztlicher Empfehlung) oder Schmerzmittel wie Ibuprofen helfen.
- Ungeeignet sind fettreiche Salben, da sie die Hitze in der Haut quasi „einschließen“.
- Bei Blasenbildung gilt: Blasen nicht öffnen, sauber halten und ärztlich beurteilen lassen.
Die Balance finden
Sonnenlicht hat nicht nur Schattenseiten, sondern durchaus auch gesundheitsfördernde Effekte: UV-B-Strahlung ermöglicht die Bildung von körpereigenem Vitamin D. Auch mögliche positive Effekte von Sonnenlicht auf die Herz-Kreislauf-Gesundheit werden diskutiert. Wichtig ist bei der Sonnenexposition die individuelle und auf den Hauttyp angepasste Balance zwischen Nutzen und Risiko zu finden.
Fotos: www.derma-wien.at, istockphoto/ Irina Strelnikova