Gesundheit weltweit & Forschung, Heilpflanzen & Phytotherapie

Garteln auf kleinem (Stadt-)Raum

Selbst auf kleinen Minibalkonen und -terrassen lässt sich das Mikroklima positiv beeinflussen. Gemeinsam tragen viele kleine Grünoasen dazu bei, dass auch städtische Gebiete besser mit der Erderhitzung zurechtkommen.

Von Mag.a Andrea Riedel

Endlich eine Wohnung mit „Freifläche“! Erfüllt sich der lang gehegte Wunsch nach Balkon, Terrasse oder gar Minigarten, möchte man am liebsten sofort die nächste Gärtnerei leerkaufen. Doch je begrenzter der Platz, umso genauer sollte man planen. Was man lieber vorher bedenken sollte, erklärt im Folgenden die steirische Landschafts- und Gartenarchitektin DIin Dr.in Agnes Fedl.

Wie viel Platz habe ich?

Viele vergessen im Übereifer, dass die kleine Oase auch begehbar sein sollte, und sehen sich bald einmal durch 100 Blumentöpfe und Pflanzkübel vom anderen Ende des Balkons getrennt. Wer dorthin gelangen will, ohne sich in Stabhochsprung üben zu müssen, sollte vorher genau überlegen, welche Pflanzgefäße in welcher Größe wo stehen können, sodass man immer noch gut daran vorbeikommt. „Genug Raum brauchen auch Tisch und Sessel, sonst kratzt einen später die Himbeerstaude im Nacken“, warnt die Gartenarchitektin. Gießt man „zu Fuß“, darf man nicht auf den Gießkannen-Parkplatz vergessen. Wer bunte Blumen liebt, sollte auf lange oder mehrere Blühphasen achten, sonst belegt die meiste Zeit schlichtes Grün den kostbaren Platz.

Wie sieht es mit der Statik aus?

Höhere Pflanzen, die auch als Sicht- und/oder Sonnenschutz fungieren, brauchen der eigenen Stabilität wegen voluminöse Gefäße, die gefüllt allerdings so einiges auf die Waage bringen. „Auf Balkonen und Terrassen kann daher auch die Statik ein Thema sein, das man gegebenenfalls mit der Hausverwaltung klären sollte, ebenso wie Montagen an Außenwänden, z.B. Rankhilfen für Kletterpflanzen.“

Wie viel Zeit darf’s kosten?

„Wie viel Freizeit will ich investieren?“, ist die nächste Frage. Möchte man nur ein bisschen Grün rund um den Frühstückstisch oder auch Gemüse ernten und eine natürliche Beschattung für den Sommer? Angehenden Kleinstgärtner*innen rät Fedl anfangs eher zu einjährigen Pflanzen, weil sie generell unkomplizierter sind: „Sie sind in der Regel nicht sehr hoch und bedürfen keiner besonderen Stabilisierungsmaßnahmen, man muss sie weder zurückschneiden noch überwintern.“ Bei starkem Schädlingsbefall wird man sie eher nicht mühsam entlausen, sondern neue kaufen, sind sie doch auch billiger als mehrjährige. Düngen muss man Einjährige allerdings öfter und – die Blumenerde ist jährlich zu wechseln, das heißt: im Frühling schwere Säcke an-, gegebenenfalls in höhere Stockwerke hinauf- und womöglich durch die Wohnung schleppen. Und dann das Ganze retour mit der ausgelaugten Alterde. „Gärtnern auf südseitigen Balkonen oder Terrassen wird durch die Erderhitzung immer mehr zur Herausforderung“, meint Agnes Fedl. Sie anzunehmen lohne sich aber, „weil gerade in der Stadt jeder noch so kleine Grünraum ein wertvolles Steinchen in einem Mosaik darstellt“. Mit der Sonne gut zurecht kommt alles Mediterrane, speziell Kräuter wie Oregano, Minze, Basilikum etc. Selbst wer sie nicht zum Kochen braucht, erfreut sich an ihren zarten Blüten und deckt damit jedenfalls den Tisch für Bienen und Hummeln. „Bei den Kräutern kann man auch zu mehrjährigen Sorten greifen: Rosmarin, Lavendel, Lorbeer, Salbei etc. überstehen gut eingepackt die vielerorts ohnehin (zu) milden Winter und treiben nach dem Rückschnitt wieder frisch aus.

Welche Pflanzen machen wenig Aufwand?

Relativ wenig Aufwand hat man auch mit mehrjährigen Stauden, Storchschnabel etwa oder Sonnenhut, Fetthenne oder Prachtlilie. Das gilt auch für einige Palmen- und Feigenarten sowie für Olivenbäumchen. Gemüse wie Paprika oder Melanzani vertragen ebenfalls viel Sonne. So wie Gurken, Zucchini und Tomaten brauchen sie allerdings relativ viel Wasser. Tomaten sollte man dennoch ein Regendach spendieren und sie nur von unten gießen. Petersilie, Schnittlauch und Zitronen melisse sowie Salate vertragen die pralle Sonne nicht gut. Für sie ist Halbschatten oder ein Platz an ost- oder westwärts gerichteten Wänden ideal. Und noch zwei Tipps hat Fedl parat: „Dünne (Obst-) Bäumchen möglichst windgeschützt aufstellen, da sie leicht brechen. Auch Samen zieht man am besten in gemäßigter, windstiller Lage vor, damit die zarten Keimlinge nicht sofort vertrocknen.“

Was eignet sich als Pflanzgefäß?

Jedes Material hat Vor- und Nachteile: Am schnellsten trocknet die Erde in klassischen Tongefäßen aus. Hält man sie aber immer schön feucht, heizen sie sich am wenigsten auf. Im Winter springen Tontöpfe leicht, wenn sich nasse Erde beim Durchfrieren ausdehnt. Für Kunststofftöpfe spricht ihr geringes Eigengewicht und dass Erde darin länger feucht bleibt. „Auch Metallkübel und -töpfe vom Flohmarkt sind okay. Direkt in der Sonne sollten aber nur solche stehen, die zumindest zehn Liter fassen“, warnt die Gartenarchitektin, sonst könne den pflanzlichen Insassen schnell zu heiß werden. Glasierte Keramik ist oft kunstvoll und entsprechend teuer, hält aber meist nur ein paar Jahre. Was das Substrat – also Blumenerde, Granulate etc. – betrifft, betont die Expertin dass „torfhältige Erden zwar viel Wasser speichern und wenig wiegen, aus ökologischen Gründen jedoch keine Option sind“. Eine sehr gute Alternative seien spezielle Balkonerden, die Tonsplitter oder mineralische Granulate zur besseren Wasserspeicherung und Lockerung enthalten und meist vorgedüngt sind. Noch entscheidender als das Substrat ist aber die Größe des Gefäßes: je kleiner, desto schneller trocknet es nämlich aus.

Foto: iStock, SrdjanPav

Share

Das könnte Sie auch interessieren:

Logo medizinpopulär