Wie Wunden besser heilen

April 2008 | Medizin & Trends

So wird´s wieder gut
 
Ob bei akuten, chronisch schlecht heilenden oder infizierten Wunden: Die Medizin hat bei der Behandlung in den letzten Jahren neue Erkenntnisse gewonnen und alte Grundsätze über Bord geworfen. MEDIZIN populär über das moderne „Wundmanagement“.
 
Von Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher

Neue Verbandsstoffe und ein perfektes Wundmanagement – das sind die Eckpfeiler der modernen Wundbehandlung. Denn heute berücksichtigt man mehr denn je den Grundsatz: „Je früher eine Wunde optimal versorgt ist, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass langfristige Probleme entstehen“, betont die diplomierte Krankenschwester Kornelia Kasberger. Sie hat – wie inzwischen immer mehr diplomiertes Pflegepersonal und auch Ärzte – eine spezielle Weiterbildung zum Thema „Wundmanagement“ absolviert und ist im Landeskrankenhaus Bad Ischl tätig.
In der Wundbehandlung hat sich in den letzten Jahren einiges verändert. Früher lautete die Überzeugung: Nur eine „trockene“ Wunde ist eine „gute“ Wunde – neben verschiedensten Salben wurde teilweise sogar ein Föhn eingesetzt, um dies zu erreichen. „Dabei ist das schlicht und einfach falsch! Es ist ein feuchtes Klima, das den natürlichen Prozess der Wundheilung fördert“, unterstreicht Kasberger. Inzwischen wurden für die feuchte Wundbehandlung spezielle Verbandsstoffe entwickelt. Außerdem werden zum Beispiel Wundgele eingesetzt, um ein feuchtes Milieu aktiv zu fördern.

Von Braunalge bis Vakuum
Was die neuen Verbandsmaterialien noch alles können? In manchen kommen Säuren der Braunalge zum Einsatz. Diese sorgen vor allem dafür, dass der Verband nicht mit der Wunde verklebt und die körpereigenen Vorgänge zur Wundreinigung und Heilung ideale Bedingungen vorfinden. Außerdem verhindern die modernen Verbandsmaterialien die Bildung von Wundschorf. Dieser ist zwar eine Art natürliche Wundauflage, die vor eindringenden Keimen schützt, doch kann der Schorf die Heilung verzögern. Denn durch ihn trocknen wichtige Bestandteile der Wundflüssigkeit – Enzyme, Hormone und Wachstumsfaktoren – aus und stehen den an der Wundheilung beteiligten Zellen für ihre Aufgabe nicht mehr zur Verfügung. Der Schorf kann zudem auch als Barriere das Einwandern neuer Oberhautzellen behindern, die es für ein Abheilen aber unbedingt braucht.
Eine weitere Neuigkeit, die sich im modernen Wundmanagement bereits bewährt hat, ist die so genannte V.A.C.-Therapie (= Vacuum Assisted Closure), die die Wundheilung mittels Vakuum positiv beeinflusst. Dabei wird ein Schwamm auf die Wunde gelegt und befestigt. Dazu kommt ein kleines Gerät, das einen individuell einstellbaren Unterdruck erzeugt und damit das abgesonderte Sekret absaugt sowie in den meisten Fällen die Durchblutung und die Gewebeneubildung anregt. Vor allem größere Wunden können so gut versorgt werden. Das System kann mehrere Tage auf der Wunde belassen werden – man erspart sich also häufiges Verbandswechseln.

Nicht selber herumdoktern!
Welche „Alltagswunden“ von Küchenmesser, Gartenschere oder Rasierer gehören in professionelle Hände? Die zertifizierte Wundmanagerin Kornelia Kasberger warnt davor, größere und tiefere bzw. stark blutende Wunden im Alleingang zu versorgen. „Hier ist es wichtig, möglichst rasch das nächste Spital oder den Hausarzt aufzusuchen, wo eine professionelle Behandlung erfolgen kann.“ Das gilt vor allem für Menschen, die eine Vorerkrankung haben (z. B. Diabetes, Probleme mit der Schilddrüse).
Vorsicht ist auch vor Keimen geboten. „Das gilt gerade bei tieferen oder größeren Wunden, die zu Hause unter schlechten hygienischen Bedingungen versorgt werden“, unterstreicht Kasberger. Wie merkt man, dass Keime in die Wunde gekommen sind? Hinweise sind Hautrötungen, die nicht verschwinden, üble Gerüche, starke Schmerzen oder ein gräulicher Belag. „Das kann gefährlich werden, vor allem wenn diese Keime in die Blutbahn gelangen.“
Unbedingt zum Arzt führen sollte ein weiteres häufiges Problem, das bei der Heilung gerade von größeren Wunden auftreten kann: eine Veränderung der rund um die Wunde liegenden Haut. Ist das der Fall, so kann keine neue Haut gebildet werden, es kommt zu Hautrötungen und Schmerzen bzw. zu lila-rötlichen Verfärbungen.

Wundmanagement ist Zusammenarbeit
Prim. Univ. Doz. Dr. Rupert Koller, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Wundbehandlung, hält es außerdem für wichtig, dass gerade schwerwiegende oder chronische Wunden auch dem Hautarzt, plastischen Chirurgen oder eben den speziell ausgebildeten Wundmanagern vorgestellt werden. Koller: „Auch in den medizinisch gut versorgten Industrieländern kommt es bei fünf Prozent der über 80-Jährigen zu chronischen Wunden, bedingt durch Diabetes, arterielle Verschlusserkrankung, die so genannte Schaufensterkrankheit, oder generelle chronische venöse Insuffizienz.“ Der medizinische Fortschritt kann in vielen Fällen zu Erleichterung führen, die Schmerzen reduzieren und die Anzahl der Verbandswechsel deutlich verringern.
Neben modernen Verbandsmaterialien und Behandlungsmethoden verweist Koller auf eine weitere Möglichkeit: „Während früher das Dogma galt, dass eine langfristig offene Wunde von innen her abzuheilen hätte, muss man sich heute bei jeder chronischen Wunde die Frage stellen, ob nicht eine chirurgische Intervention eine deutliche Beschleunigung des Abheilungsprozesses erbringen würde. Die plastische Chirurgie kann durch Hauttransplantation oder Gewebeverschiebung wesentlich zur Verkürzung des Leidensweges der Patientinnen und Patienten führen.“ Begleitet werden diese Eingriffe von einer Antibiotikatherapie, um die Bakterien, die sich auf chronischen Wunden ansiedeln und eine normale Abheilung stören, zu bekämpfen. Auch hier steht der medizinische Fortschritt nicht still und es werden immer mehr neue, immer bessere Präparate entwickelt.
Grundsätzlich, so Prim. Koller, der auch Vorstand der Abteilung für Plastische und Wiederherstellungschirurgie am Wiener Wilhelminenspital ist, „haben die modernen Entwicklungen in der Wundbehandlung für die Betroffenen in der Regel positive Auswirkungen“. Ein gutes Wundmanagement braucht aus Kollers Sicht aber auch eine „sehr gute Kooperation zwischen Hausarzt, niedergelassenem Facharzt, Spitalsarzt sowie speziell geschultem Pflegepersonal sowohl innerhalb als auch außerhalb des Spitals“. Das gilt besonders dann, wenn Vorerkrankungen wie Diabetes vorliegen oder wenn es um chronische Wunden geht.

ServiceTipp
Für die Behandlung chronischer Wunden gibt es in Wien und Umgebung einen Service: pflegerische Beratung oder Wundmanagement vor Ort, Lieferung von Verbandsmaterial ins Haus etc. Mehr dazu unter www.sunmed.at
   

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