AIDS

August 2011 | Medizin & Trends

Das Leiden der vielen Gesichter
 
Aufgrund der Fortschritte in der Medizin hat Aids heute viel von seinem Schrecken verloren. Das macht die Menschen unvorsichtig – und die Krankheit breitet sich weiter und weiter aus. In Österreich kommt es nach Angaben der Aidshilfe täglich zu ein bis zwei Neu-Infektionen mit dem HI-Virus, das Aids auslösen kann. Der Großteil der Betroffenen steckt sich bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr an.
 
Von Mag. Sabine Stehrer

HIV-positiv: Diese Diagnose trifft in Österreich rund 500 Menschen im Jahr. Sie bedeutet, dass im Blut der Betroffenen das sogenannte Humane Immundefizienz-Virus, HIV, nachgewiesen wurde. Der Erreger kann unbehandelt früher oder später Aids auslösen, was für „Acquired Immune Deficiency Syndrome“ steht, das „erworbene Immundefektsyndrom“. Bereits unmittelbar nach der Infektion kann es bedingt durch die Viren, die das Immunsystem attackieren, zu Grippe ähnlichen Symptomen kommen. Beim Ausbruch von Aids hingegen kommt es zu vermehrten Ansteckungen mit verschiedenen, lebensgefährlichen Infektionserkrankungen – so hat das Leiden viele Gesichter. „Die Betroffenen erkranken oft an Darminfektionen oder entzündlichen Hauterkrankungen, auch an Pilzinfektionen, Netzhautentzündungen, Lymphomen im Gehirn, die zu epileptischen Anfällen führen können, und an Krebs“, erklärt Dr. Horst Schalk, Allgemeinmediziner in Wien, der sich auf die Betreuung und Behandlung von HIV-Infizierten und Aids-Erkrankten spezialisiert hat. Schalk kennt auch die häufigsten Todesursachen bei Aids: „Das sind schwere Lungenentzündungen und Multiorganversagen.“

Meilenstein in der Therapie

Derzeit sind laut Aids-Hilfe in Österreich 5000 bis 8000 Menschen mit dem HI-Virus infiziert, 1300 sind an Aids erkrankt, von 100 Erkrankten sterben derzeit im Jahr fünf bis zehn Männer und bis zu fünf Frauen. Damit ist die Zahl der Erkrankungen und auch der Todesfälle gegenüber den Jahren bis 1995 stark gesunken. Das war das Jahr, in dem man begann, HIV bzw. Aids mit einer speziellen Kombinationstherapie zu behandeln.
„Die Kombinationstherapie besteht in der Gabe von drei Substanzen in Form von Tabletten, die die Vermehrung des Virus verhindern“, erklärt Schalk. „Nach einigen Wochen Therapie kann so die Viren-Konzentration im Blut gegen Null gehen.“ Vorausgesetzt, die HIV-Infizierten nehmen ihre Tabletten weiter, können sie heute viele Jahre leben, und das oft nahezu beschwerdefrei: Nebenwirkungen der Therapie können eine chronische Müdigkeit oder depressive Verstimmungen sein.
Auch wenn die Infektion bereits in Aids übergegangen ist, werden mit der Therapie gute Behandlungserfolge erzielt. „Bei den Therapierten kommt es erfahrungsgemäß viel seltener zu Ansteckungen mit lebensgefährlichen Infektionskrankheiten“, sagt Schalk. Bei optimal Therapierten sinkt auch die Infektionsgefahr mit HIV, die von ihnen ausgeht, deutlich, so der Experte weiter. „Trotzdem ist Safer Sex dringend zu empfehlen!“  

Ansteckung beim ungeschützten Sex

Nach den Statistiken der Aids-Hilfe infizierten sich in Österreich mehr als zwei Drittel bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr, davon 42 Prozent über Kontakte zwischen Mann und Frau, 28,6 Prozent über homosexuelle Kontakte. 20,5 Prozent stecken sich beim Drogenkonsum durch das Weitergeben und mehrmalige Verwenden von Spritzen an. Bei den übrigen erfolgte die Infektion über Kontakt mit dem Blut eines Infizierten. Zwei Drittel der Neu-Infizierten waren zuletzt Männer, ein Drittel Frauen. Das Alter der Betroffenen reicht von 15 bis 60 Jahren, die meisten sind zwischen 20 und 50.

Kondome und Gummihandschuhe

Wie kann man sich vor einer HIV-Infektion schützen? „Grundsätzlich, indem man vermeidet, dass infektiöse Körperflüssigkeiten in die eigene Blutbahn geraten“, sagt Schalk. „Hochinfektiös sind Blut, Sperma, Vaginal-, Gehirn- und Rückenmarksflüssigkeit.“ Beim häufigsten Übertragungsweg, dem hetero- und homosexuellen Geschlechtsverkehr, schützt das Kondom vor der Übertragung von Blut zu Blut oder von Sperma bzw. Vaginalflüssigkeit zu Blut. Von der äußerst seltenen Übertragung von Blut zur Gehirn- und Rückenmarksflüssigkeit und umgekehrt, zu der es z. B. beim Leisten Erster Hilfe oder bei Operationen kommen kann, schützen Gummihandschuhe.  

Vorbeugung durch PEP

Wer befürchtet, mit HIV infiziert worden zu sein, kann der Infektion durch die sogenannte postexpositionelle Prophylaxe, kurz PEP, vorbeugen. Diese Prophylaxe muss allerdings binnen weniger Stunden nach einem Vorfall (Kondomunfall, Vergewaltigung etc.) erfolgen. „Dabei werden gegebenenfalls Hautstellen desinfiziert und über einige Wochen die gleichen Substanzen gegeben, die auch HIV-Infizierte und Aids-Erkrankte erhalten“, erklärt Schalk, der die Behandlung in seiner Ordination anbietet. Auf PEP folgt ein HIV-Test, der dazu dient, abzuklären, ob eine HIV-Infektion besteht – dies allerdings erst einige Wochen später, da das Virus nicht sofort nach der Übertragung nachweisbar ist.

Hoffnungsträger Biologicals

Wann wird HIV bzw. Aids heilbar sein? Schalk: „Das kann niemand vorhersagen.“ Hoffnung auf Heilung geben neue Biologicals. Diese Substanzen zielen darauf ab, sogenannte Gedächtniszellen abzutöten, die immer wieder neue Viren bilden können. Und zwar auch dann noch, wenn die Vermehrung der Viren längst gestoppt und in der Blutbahn lebende Viren durch das körpereigene Immunsystem abgetötet sind.

Infotipps:
Informationen über HIV bzw. Aids und die Möglichkeiten, sich kostenlos auf HIV testen zu lassen, finden sich im Internet auf www.aids.at

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