Männer unterm Messer

Dezember 2011 | Medizin & Trends

Immer mehr Schönheitsoperationen bei den Herren
 
Sie sagen Falten den Kampf an, nehmen eine schiefe Nase, hängende Augenlider oder einen Männerbauch und -busen nicht länger als gegeben hin: Immer mehr Herren entscheiden sich für eine Schönheitsoperation. MEDIZIN populär über den neuen Trend zur Korrektur der männlichen Schönheit.
 
Von Mag. Sabine Stehrer

Der Druck auf die Männer wächst, das Diktat der Beautyindustrie hat auch sie erreicht: Zahlreiche wissenschaftliche Studien belegen, dass das Aussehen nicht nur bei Frauen ein wesentlicher Erfolgsfaktor ist. Auch schöne und jung aussehende Männer bringen es weiter im Beruf, verdienen mehr und gelten als intelligenter und sozial kompetenter als ihre weniger von der Natur begünstigten Geschlechtsgenossen. Nach einer Umfrage unter 1782 Männern des Markt- und Meinungsforschungsinstituts „marketagent.com“ vom April dieses Jahres ist denn auch für ein Drittel (32,2 Prozent) der Männer gutes Aussehen „sehr wichtig“, für mehr als die Hälfte „eher wichtig“. Und für 15,3 Prozent der Befragten war sogar „voll und ganz vorstellbar“ bzw. „eher vorstellbar“, sich für die Schönheit auch einmal unters Messer zu legen.

Steigende Tendenz

Immer mehr Männer stellen sich das nicht nur vor, sondern tun es auch. In den USA stieg der Anteil an Schönheitsoperationen bei Männern in den vergangenen zehn Jahren von 20 auf 50 Prozent. Auch in Österreich ist die Tendenz zur Korrektur männlicher Schönheit deutlich im Steigen begriffen, weiß Dr. Helmut Hoflehner, Facharzt für plastische, ästhetische und rekonstruktive Chirurgie, stellvertretender Leiter der Schwarzl-Klinik in Laßnitzhöhe in der Steiermark und Vizepräsident der Österreichischen Gesellschaft für plastische, ästhetische und rekonstruktive Chirurgie: „An unserer Klinik hat sich der Anteil der Männer, die sich einer Schönheitsoperation unterziehen, in den vergangenen 13 Jahren auf zwölf Prozent vervierfacht.“ Bundesweit werden diesbezügliche Zahlen nicht erfasst. Doch schätzt der Experte, dass von den jährlich etwa 40.000 bis 50.000 Schönheits-OPs, die hierzulande durchgeführt werden, mittlerweile zehn bis 20 Prozent der Verschönerung von Männern dienen.

Dezente Verschönerungen

Warum legen sich Österreichs Männer unters Messer? „Die meisten wollen im Beruf mit nachrückenden jungen Kollegen mithalten und meinen, dass dies eher gelingt, wenn sie wieder frischer und fitter aussehen“, nennt Helmut Hoflehner die häufigsten Motive. Andere entscheiden sich für diesen Schritt, weil sie wegen ihres Aussehens nicht länger gehänselt werden wollen. Was die beiden Gruppen eint, sei der Wunsch nach dezenten Verschönerungen, so Hoflehner: „Man soll nicht erkennen können, dass sie operiert wurden.“
Wo die Männer operiert werden möchten? In den USA soll Mann schon einmal mit einem Bild von George Clooney in die Klinik marschieren und sagen, er wolle um jeden Preis so aussehen wie der Star. Auch dann, wenn dafür große Eingriffe an der Nase notwendig wären, das Setzen von Kinn- und Wangenknochenimplantaten oder sogar von Brustmuskelplastiken und Wadenaufpolsterungen. Vergleichsweise „sanft“ sind die fünf häufigsten Schönheits-OPs, für die sich Österreichs Männer derzeit entscheiden.

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Die Top 5 der Schönheits-OPs bei Männern

1.  Fettabsaugung
„Fettabsaugungen werden vorwiegend von jenen Männern gewünscht, bei denen das Fett ungünstig verteilt ist, die also etwa schlanke Beine, aber einen dicken Bauch haben und das als störend empfinden“, weiß Hoflehner und erklärt den Ablauf: „Der Eingriff erfolgt nach einer lokalen Betäubung oder in Vollnarkose.“ Zuerst wird ein Mittel in die Fettschichten gespritzt, das die Gefäße verengt und die Fettschicht vergrößert. So lässt sich das Fett leichter und unblutig absaugen – was über dünne Kanülen und einen Pumpmechanismus funktioniert. Hoflehner: „Auf einmal können maximal fünf Liter Fett abgesaugt werden.“ Das dauert eineinhalb bis drei Stunden. Danach muss der Patient über Nacht in der Klinik bleiben. Werden kleinere Mengen Fett entfernt, kann der Mann gleich nach der Absaugung heimgehen.
So oder so verursacht der Eingriff Schmerzen, die unterschiedlich lang andauern. Auch muss der erleichterte und erschlankte Mann vier Wochen lang ein Mieder tragen. „Durch den Druck wachsen die Saugkanäle schneller zusammen und das fettleere Gewebe schrumpft besser“, sagt Hoflehner und gibt weiter zu bedenken: Jede Operation ist mit Risiken verbunden, (Thrombosen, Nachblutungen, Wundinfektionen), unmittelbar nach einer Fettabsaugung kann es darüber hinaus zu Kreislaufproblemen kommen.

2. Lidstraffung
„Männer unterziehen sich einer Lidstraffung, um wieder frischer auszusehen“, nennt Hoflehner den wichtigsten Beweggrund für diesen Eingriff. Der Ablauf: Erst wird der Augenbereich betäubt, danach werden die schlaffe Haut am Oberlid und der schlaffe Teil der Ringmuskeln entfernt. „Die Lidstraffung wird immer an beiden Augen zugleich gemacht, der Eingriff dauert etwa eine Stunde“, erklärt der plastische Chirurg. Danach sind die Augen bis zu zwei Wochen geschwollen. „In den ersten Tagen müssen die Operierten darauf achten, den Blutdruck niedrig zu halten“, sagt Hoflehner. Denn steigt der Blutdruck z. B. beim Sport plötzlich an, kann ein Gefäß im Operationsgebiet platzen. Um die Blutung zu stillen, muss noch einmal operiert werden.

3. Nasenkorrektur
„Männer, die eine Nasenkorrektur durchführen lassen wollen, sind entweder seit jeher unzufrieden mit dem Aussehen ihres Riechorgans, oder sie haben sich durch eine Verletzung eine Höckernase erworben, die sie stört“, weiß der Experte. Die Korrektur läuft in Vollnarkose ab. Bei dem Eingriff werden Nasenknochen, Knorpel, Nasenspitze und Nasenscheidewand bearbeitet. „Nach dem Eingriff, der bis zu eineinhalb Stunden dauern kann, muss der Patient ein bis zwei Tage lang einen Streifen in der Nase tragen und kann durch die Nase nicht atmen“, sagt Hoflehner. „Außerdem wird die Nase für zwei Wochen eingegipst.“ Das spezielle Risiko einer Nasenkorrektur: Operationsnarben können sich verdicken und zu neuen Verformungen führen. Diese Vernarbungen lassen sich meist durch das Tragen eines Druckverbands beseitigen, manchmal ist eine weitere Operation notwendig.  

4. Entfernung des Männerbusens
„Es gibt Männer, bei denen hormonell bedingt ein großer Brustdrüsenkörper entsteht, wodurch ihre Brust weiblich aussieht“, sagt Hoflehner. „Andere haben aufgrund von Fettansammlungen einen großen Busen.“ Ob diese sogenannte Gynäkomastie, wie der Männerbusen in der Fachsprache genannt wird, nun mit Übergewicht erworben oder ererbt ist: Viele Betroffene genieren sich dafür. Ihnen können eine Fettabsaugung bzw. die Entfernung des Großteils des Brustdrüsenkörpers helfen. Letztere erfolgt durch einen Schnitt im Bereich des Brustwarzenvorhofes. Hoflehner: „Ist die Masse, die entfernt werden soll, groß, wird der Patient in Vollnarkose versetzt.“ Braucht wenig entfernt zu werden, reicht eine Lokalanästhesie.“ Der Eingriff dauert bis zu eineinhalb Stunden. Das besondere Risiko dieser Operation: Im Operationsgebiet können sich unschöne Narben bilden.

5. Maßnahmen gegen Falten im Gesicht
„Falten auf der Stirn, seitlich der Augen oder zwischen Nase und Mund lassen Männer schnell älter aussehen, als sie sich fühlen“, so der Facharzt. Um Gefühl und Aussehen wieder in Einklang zu bringen, entscheiden sich immer mehr Männer für Botox-Injektionen oder Unterspritzungen mit Hyaluronsäure. Die speziellen Risiken der Eingriffe: Bei Botox können Lähmungen auftreten, wenn nach den Injektionen Druck auf die bearbeiteten Areale ausgeübt wird. Selten, aber doch kann es beim Kontakt mit Hyaluronsäure zu verschiedenen allergischen Reaktionen kommen.

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