Schwimmbad oder Schotterteich?

August 2012 | Medizin & Trends

Wo man ohne Risiko baden kann
 
Wasser ist zum Baden da – zumal in der heißen Jahreszeit, wenn jede Pore des Körpers nach Abkühlung verlangt. Doch wo bleibt das Plantschen eher ohne gesundheitliche Folgen: im chlorierten Schwimmbecken, im naturbelassenen Schotterteich, im gut durchfluteten Flussbad, in heimischen Seen oder in Nachbars Pool? MEDIZIN populär informiert.
 
Von Wolfgang Kreuziger

Ein herzhafter Köpfler in die Wellen und mit ein paar kräftigen Schwimmzügen die brütende Hitze abgestreift! Baden ist und bleibt bei den Österreichern der zeitlose Evergreen in der Hitparade sommerlicher Freizeitvergnügen. Über 50 gekennzeichnete Badeseen und mehrere 1000 öffentliche Bäder locken mit ihren kühlen Fluten.  
So weit, so angenehm, würden sich da nicht oft auch zahllose ungebetene Badegäste im Wasser tummeln, die mit freiem Auge gar nicht auszunehmen sind. Ob Süßwasser, Salzwasser oder Chlorwasser: Im Grund können dort alle Viren, Bakterien, Pilze und Parasiten vorkommen, die die Natur zu bieten hat, und sich bei starker Vermehrung zu einer ernsten Bedrohung auswachsen. Das Österreichische Gesundheitsministerium schreibt daher jeder öffentlichen Badeanstalt alle 14 Tage eine Analyse des Wassers durch unabhängige Labore vor. Dabei wird die Belastung mit den vorrangig auftretenden Bösewichtern, den Salmonellen, Legionellen, Coli-Bakterien, Pseudomonas-Bakterien, Enterokokken und Shigellen geprüft. Eine entsprechende strenge EU-Richtlinie gibt auch vom ungarischen Plattensee bis zur italienischen Adria strenge Grenzwerte bezüglich dieser Belastungen vor.

Risiko in Österreich?

Die strengen Auflagen haben ihren Grund. Schließlich können uns die mikroskopisch kleinen Krankmacher in vielerlei Hinsicht zusetzen. Am häufigsten diagnostizieren HNO-Ärzte Entzündungen des äußeren Gehörganges, verursacht durch sogenannte Pseudomonas. Andere Erreger (Shigellen, Kryptosporidien) führen oft zu Durchfall, Adenoviren rufen grippeähnliche Symptome hervor, wieder andere Keime können Fußpilz und Warzen verursachen. Die besonders in Hallenbädern entstehenden Chloramine schlagen sich bei manchen Badegästen auf die Schleimhäute oder reizen Haut und Atemwege. Wirklich akut gefährdet sind aber bei all diesen Problemen vor allem Badende mit offenen Wunden, Kinder oder Menschen mit Immunschwäche.
Wie gefährdet alle anderen Badenden hierzulande sind? „Unterm Strich kann man sagen, dass das Risiko zu erkranken in Österreich gering ist“, gibt Univ. Prof. Dr. Franz Mascher vom Institut für Hygiene, Mikrobiologie und Umweltmedizin an der Universität Graz Entwarnung. „In Österreichs Bädern und Gewässern herrscht grundsätzlich eine hervorragende Wasserqualität. Statistisch gesehen ist die Gefahr eines Autounfalls auf dem Weg ins öffentliche Schwimmbad größer als jene einer Infektion im Wasser.“ In den Becken sorgen Filteranlagen, Umwälzpumpen und Chlor für sauberes Wasser, in den Badeseen wird scharf kontrolliert. Weil jedoch trotz aller Vorsicht immer wieder Krankheitserreger auftauchen, erklärt der Wasserwissenschaftler, wo das Baden am ehesten ohne gesundheitliche Folgen bleibt:

Pool-Party ohne Keime

Sicherer als im eigenen Plantschbecken oder in Nachbars privatem Swimming-Pool lässt es sich kaum baden. Die Gefahr einer Infektion ist geringer als in jedem Freibad, See oder Meer. „Das liegt vor allem an der im Vergleich zu öffentlichen Bädern viel geringeren Anzahl von Badenden und Badestunden“, klärt der Grazer auf. Dafür reicht es aber nicht, nur fallweise groben Schmutz herauszufischen. Jedes Poolwasser muss zwei bis drei Mal täglich durch den Filter laufen und chemisch desinfiziert werden. Wenn das nicht passiert oder eine Überlastung durch zu viele Badegäste vorliegt, steigt auch das Risiko im Pool sprunghaft an. Chemisch nicht behandeltes Wasser im Kinderplantschbecken muss täglich zur Gänze erneuert werden, weil es sonst „kippt“, also Mikroorganismen ihm den Sauerstoff entziehen und Faulprozesse einleiten.
 
Oberwasser im Freibad

Nur unerheblich mehr Risiken bergen die öffentlichen Freibäder, selbst wenn von Badenden immer wieder Krankheitskeime eingeschleust werden. Mascher: „Der gesetzlich vorgeschriebene Zusatz zwischen 0,3 bis zwei Milligramm Chlor pro Liter sollte jeden Mikroorganismus innerhalb von 30 Sekunden unschädlich machen. In Österreich darf dabei nicht mehr Desinfektionsmittel zugesetzt werden, als auch im Trinkwasser vertretbar wäre.“ Also ist auch das Verschlucken von chloriertem Wasser völlig unbedenklich.      

„Bösewicht” Chlor

Ein wenig verschärfter zeigt sich die Situation in Hallenbädern, denn es ist nicht das zu unrecht verteufelte Chlor im Wasser, gegen das unsere Schleimhäute rebellieren. „In der Halle lauern aufgrund der eingeschränkten Lüftungsmöglichkeiten mehr Gefahren“, so Mascher. „Es sind die Chlorverbindungen wie Trichloramin, die durch Verunreinigungen wie Schweiß, Seife oder Urin flüssig oder als Gase entstehen und zu Entzündungen der Augen, Ohren oder Schleimhäute führen können.“ Der typische Hallenbadgeruch ist das erste Anzeichen dafür. Wird dieser zu stark, ist Vorsicht geboten, vor allem für kleine Kinder und Schwangere. „Empfindliche Menschen sollten verschiedene Bäder nach diesen ,riechbaren‘ Kriterien vergleichen und nach ihrem Ermessen auswählen.“

Salziges Vergnügen

In den Ferien zieht es Kind und Kegel unwiderstehlich ans Meer. Am beliebtesten bei den Österreichern ist die Adria. Studien über die Wasserqualität der meistbesuchten Touristenstrände Europas stellen Griechenland, Zypern und Frankreich das beste Zeugnis aus. Insgesamt schnitten aber 95,6 Prozent aller Küstengewässer gut ab, besser noch als Europas Seen und Binnengewässer. „In salzigem Wasser können Krankheitskeime grundsätzlich weniger gut überleben“, erklärt Mascher. „Den Bereich von Häfen und Flussmündungen sollten Badende jedoch meiden. Dort können aufgrund der hineingeleiteten Abwässer zahllose Arten von Krankheitskeimen daherschwimmen und das Risiko erheblich erhöhen.“

Keine Spassbremse im See

„Springt jemand in der Natur in die Fluten, ist er den Naturgewalten ausgesetzt, das sollte man nie vergessen“, so Mascher. Keiner kann nämlich wissen, ob sich hinter der nächsten Welle ein Hund erleichtert hat oder ein Vogelkadaver im Wasser liegt. „Aber das große Wasservolumen von Seen, Schotterteichen sowie die daraus resultierenden Selbstreinigungskräfte sorgen für eine natürliche Reinigung und in der Regel ungebremsten Badespaß.“     

Gegen den Keim-Strom

Mit Abstand am meisten Bakterien und Keime tummeln sich in Fließgewässern. „Ich kann nur jedem grundsätzlich davon abraten, in einem Fluss schwimmen zu gehen“, warnt der Universitätsprofessor. Der Grund: „Kläranlagen arbeiten auf biologischer Basis. Die Rückstände, die in die Flüsse entwässert werden, enthalten oft Krankheitserreger.“ Weil dabei auch krankmachende Mikroorganismen in aufgestaute Flussarme gelangen, ist dort die Wasserqualität schlechter als in Seen. So z. B. in der alten Donau in Wien, wo die Werte aber trotz starken Algenwuchses und trüben Wassers immer noch innerhalb der erlaubten Grenzen liegen.

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Gefahrlos baden:
Was der Experte rät

Ob Pool, Becken Meer oder See – wer auch das letzte Restrisiko einer Infektionsgefahr beim Baden ausschalten will, sollte sich an ein paar einfache Maßnahmen halten: „Der gesunde Hausverstand reicht oft schon aus, um auf Nummer sicher zu gehen“, weiß Univ. Prof. Dr. Franz Mascher vom Institut für Hygiene, Mikrobiologie
und Umweltmedizin an der Universität Graz: „Wenn es in Hallenbädern auffallend stinkt oder in Seen Schmutz treibt, sollte man dort nicht baden. Jeder sollte vor dem Gang ins Wasser duschen, egal wie lange die letzte Reinigung her ist. Krank schwimmen zu gehen, ist kein Kavaliersdelikt und sollte unterbleiben, auch wenn es nur ein Schnupfen ist. Besonders Empfindliche sollten sich überdies mit Schwimmbrillen, Badehauben und Schuhen schützen.“

Stand 07-08/2012

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