Fit mit Pflanzenkraft

Oktober 2015 | Medizin & Trends

Wie die Natur gegen Frauenleiden hilft
 
Immer mehr Frauen wünschen sich bei der Behandlung gängiger Gesundheitsprobleme Heilkraft aus der Natur. Lesen Sie, bei welchen Frauenleiden welche natürlichen Mittel helfen und wie die Pflanzenkraft wirkt.
 
Von Mag. Sabine Stehrer

Seit wann der Mensch schon versucht, gesundheitliche Probleme mithilfe von Pflanzen loszuwerden, weiß man zwar nicht. Dass bereits Ötzi es tat, lässt der Inhalt seines Gepäcks erahnen. Der Mann, der vor 5000 Jahren zur Gletschermumie wurde, hatte kaputte, sicher schmerzende Gelenke und führte Weidenrinde mit sich: Die enthält Salicin, das im Körper zur Schmerzen stillenden Salicylsäure umgewandelt wird. Während die Männer von heute Umfragen zufolge der Heilkraft aus der Natur eher skeptisch gegenüberstehen, setzen immer mehr Frauen auf natürliche Mittel. Dies vor allem, wenn es darum geht, gängige weibliche Gesundheitsprobleme los zu werden. Warum dabei die Hilfe aus der Natur im Trend ist? Dr. Thomas Klein, Allgemeinmediziner in Graz, der sich auf die Behandlung mit Pflanzen, die Phytotherapie, spezialisiert hat, meint: „Den Zurück-zur-Natur-Gedanken gibt es ja schon länger, neu ist aber, dass immer mehr wissenschaftliche Studien die Wirksamkeit von pflanzlichen Mitteln untermauern.“ Für MEDIZIN populär erklärt Klein, der die Phythotherapie als fundierte Ergänzung zur Schulmedizin sieht, welche Heilpflanzen gegen häufige Frauenleiden helfen und wie die Pflanzen wirken.

Menstruationsbeschwerden?
Mönchspfeffer hilft

Man ist reizbar und niedergeschlagen, Wasser sammelt sich im Gewebe an, der Bauch wirkt aufgebläht, die Brust spannt: „Wenn diese Beschwerden regelmäßig einige Tage bis zu zwei Wochen vor der Menstruation auftreten und nach der Regelblutung wieder verschwinden, kann es sich dabei um das Prämenstruelle Syndrom beziehungsweise PMS handeln“, weiß Thomas Klein. Nach Schätzungen sind bis zu 70 Prozent der Frauen immer wieder einmal oder jeden Monat von PMS betroffen. Schuld an den Beschwerden ist laut Mediziner Klein die verstärkte Produktion von Prolaktin in der zweiten Zyklushälfte, ein Hormon, das in der Hirnanhangdrüse gebildet wird. Klein: „Gegen PMS hilft eine Therapie mit Mönchspfeffer.“ Diese Pflanze – ein Strauch, der bis zu mehrere Meter hoch wächst und einen pfefferartigen Geruch verströmt – wirkt direkt im Gehirn und dämpft die Ausschüttung von Prolaktin. So bessern sich die Beschwerden.

Harnwegsinfekte?
„Cranberry“ nützt

Man hat das Gefühl, dauernd auf die Toilette gehen zu müssen, beim Entleeren der Blase tut es jedes Mal weh – und das noch dazu alle paar Monate wieder? „Besonders Frauen mit wiederkehrenden Harnwegsinfekten profitieren von einer Therapie mit hochwertigen „Cranberry“-Produkten, erklärt Klein. „In Studien hat sich ein deutlich vermindertes Wiederauftreten der Beschwerden gezeigt.“ Die Pflanze, die auch „großfrüchtige Moosbeere“ genannt wird und zur Familie der Heidelbeeren zählt, enthält Proanthocyanidine, kurz PAC. Das sind Substanzen, die den Erregern von Harnwegsinfekten – meist handelt es sich dabei um Coli-Bakterien, die aus dem Enddarm die Harnröhre bis in die Blase hochwandern – das Leben schwer machen, indem sie die Haftfäden blockieren, mit denen sich die Bakterien an der Blasenschleimhaut festhalten. So verlieren die Erreger ihren Halt, rutschen ab und werden ganz einfach mit dem Harn weggeschwemmt.

Stress und Schlafstörungen?
Baldrian & Co beruhigen

Die tägliche Mehrfachbelastung durch Beruf, Haushalt und Familie ist oft zu viel, beschert Stress und macht am Abend das Ein- und Durchschlafen schwer? Dagegen sind gleich mehrere Kräuter und Pflanzen gewachsen, weiß Thomas Klein und führt sie an: „Zum Beispiel in der Baldrianwurzel, aber auch in Hopfen, Lavendel, der Melisse und der Passionsblume stecken Substanzen, die den Austausch von bestimmten Botenstoffen zwischen Nervenzellen im Gehirn ankurbeln“, sagt er. „Dadurch wird innere Unruhe abgebaut, das Einschlafen erleichtert und die Schlaftiefe verbessert.“

Wechselbeschwerden?
Rotklee, Soja & Co lindern

Hitzewallungen, Schweißausbrüche, schlechte Laune, Gewichtszunahme und Scheidentrockenheit machen das Leben schwer? Etwa ein Drittel der Frauen leidet stark unter den unangenehmen Begleiterscheinungen der Umstellung des Hormonhaushalts in den Wechseljahren. Ein weiteres Drittel empfindet sie nicht als dramatisch, fühlt sich aber davon gestört, nur ein Drittel bemerkt wenig bis nichts davon. Vor allem, wenn die Beschwerden eher leicht oder mittelschwer sind, rät Mediziner Klein seinen Patientinnen zunächst zur Pflanzenkraft. „Isoflavone, die beispielsweise in Rotklee und Soja enthalten sind, lindern vielfach die Symptome, da sie chemisch den Verlust der weiblichen Sexualhormone ausgleichen können, ohne selbst Hormone zu sein“, weiß der Mediziner und ergänzt: „Neben den Insoflavonen ist auch noch die Traubensilberkerze als hilfreich bekannt.“ Ihre Inhaltsstoffe wirken laut Klein wohltuend auf das zentrale Nervensystem ein, wo die unangenehmen Beschwerden ausgelöst werden.

Depressive Verstimmungen?
Johanniskraut hebt die Laune

Es gibt keinen Anlass, und doch drücken depressive Verstimmungen nieder und mindern die Lebensqualität? „Bei leichten und mittelschweren Verstimmungszuständen kann Johanniskraut hilfreich sein“, informiert Mediziner Klein. „Seine Inhaltsstoffe wirken sich positiv auf die Botenstoffe zwischen den Nervenzellen im Gehirn aus und heben dadurch die Stimmung.“ Werden zugleich Medikamente genommen, sollte vor dem Griff zu Johanniskraut der ­behandelnde Arzt gefragt werden, ob sich Chemie und Pflanzenkraft mit­einander vertragen.

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Was ist wichtig?
Pflanzenkraft-Experte Dr. Thomas Klein antwortet

Darf ich pflanzliche Mittel in Eigenregie nehmen?

Grundsätzlich sollten gesundheitliche Probleme, besonders wenn sie stark ausgeprägt sind oder länger andauern, mit dem Arzt besprochen werden, ehe man in Eigenregie pflanzliche Mittel nimmt. Auf Basis einer fundierten Diagnose ergeben sich dann aber für die Betroffenen Möglichkeiten, in Eigenverantwortung pflanzliche Mittel zu nehmen.

Woran erkenne ich, ob ein Produkt qualitätsvoll ist?
Die Qualität eines Produktes ist für den Laien auf den ersten Blick nicht leicht zu erkennen. Ein Qualitätsmerkmal ist zum Beispiel die Bezeichnung ‘pflanzliches Arzneimittel’. Dieser Aufdruck auf der Packung garantiert, dass die Herstellung und Kontrolle des Produktes gesetzeskonform unter strengen Auflagen geschehen ist. Selbstverständlich gibt es auch viele hochwertige Nahrungsergänzungsmittel, Tees und andere Produkte: Hier zählen die nachgewiesene Reinheit der Ausgangsmaterialien und überwachte Herstellungsprozesse. Wenn es um die Wirksamkeit geht, spielt auch die Darreichungsform eine Rolle. Pflanzenkraft ist als Tropfen, Tee, Pulver, Kapseln oder Tabletten erhältlich. Welche Darreichung geeignet ist, wird am besten vom behandelnden Arzt beurteilt.

Wirkt die Pflanzenkraft sofort?

Die Natur braucht Zeit. Es kann mehrere Tage oder auch Wochen dauern, bis sich die Wirkung voll etabliert hat. Dafür sind die Pflanzen gut verträglich und ein hoher Nutzen steht einem geringen Risiko gegenüber. Das ist auch der Grund dafür, warum pflanzliche Mittel gern als erste Maßnahme angewandt werden. Und oft helfen sie ausreichend.

Buchtipp:
Klein
Pflanzenkraft für die Frau
Wechselbeschwerden, Prämenstruelles Syndrom, Harnwegsinfekte & Co.
ISBN 978-3-99052-103-8
160 Seiten, € 14,90
Verlagshaus der Ärzte
April 2015

Stand 09/2015

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