Wieder gut sehen

September 2016 | Medizin & Trends

Bindehautentzündung, Grauer Star, Grüner Star, Altersbedingte Makuladegeneration, trockene Augen: Fünf häufige Augenerkrankungen und was dagegen hilft
 
Von Mag. Sabine Stehrer

Bindehautentzündung (Konjunktivitis)

Das Auge ist verklebt, geschwollen, rot, tränt, juckt und brennt: „Wer diese Beschwerden hat, leidet mit großer Wahrscheinlichkeit an einer Bindehautentzündung beziehungsweise Konjunktivitis“, erklärt  Univ. Doz. Dr. Josef Ruckhofer von der Universitätsklinik für Augenheilkunde und Optometrie an den Salzburger Landeskliniken (SALK) und ergänzt: „Verursacht wird eine Bindehautentzündung durch eine Infektion mit krankmachenden Keimen.“ Meist gehen Bindehautentzündungen auf die Ansteckung durch Bakterien zurück, die über die Finger, etwa beim Reiben des Auges, auf die Bindehaut gelangen. Zwar klingen die Beschwerden oft nach einigen Tagen von selbst ab, doch, so Ruckhofer, „mit antibiotischen Augentropfen und eventuell Antibiotika kann man die Symptome lindern und die Krankheitsdauer verkürzen“. Ausschließlich Augentropfen zur Linderung der Beschwerden stehen zur Verfügung, wenn nicht Bakterien, sondern Viren die Bindehautentzündung verursacht haben. „Ansonsten gibt es in diesem Fall keine Möglichkeit der Behandlung“, so Ruckhofer. Durch Viren bedingte Bindehautentzündungen fallen laut Augenarzt Ruckhofer zudem schwerer als bakterielle Bindehautentzündungen aus und dauern bis zu zwei Wochen an. Sie können auch auf die Hornhaut übergehen, diese schädigen und schlimmstenfalls über eine Narbenbildung das Sehvermögen dauerhaft einschränken. Außerdem sind virale Bindehautentzündungen hochansteckend, weshalb Erkrankte am besten zuhause bleiben, bis die Entzündung ausgeheilt ist.
Grauer Star (Katarakt)

Alles wird wie durch einen grauen Schleier gesehen, der sich meist schleichend über viele Jahre verdichtet. Das Sehen im Dunkeln wird immer schwieriger, was das Autofahren in der Nacht beschwerlich macht. Manchmal nimmt auch die Sehschärfe beim Schauen in die Nähe sowie in die Ferne ab. „So äußert sich der Graue Star oder Katarakt“, informiert Ruckhofer und nennt die weitaus häufigste Ursache für den Grauen Star: „Das ist das Altern.“ Die Erklärung: Mit zunehmendem Alter verändert sich die Zusammensetzung der Linse, dadurch wird sie grauer. Tritt der Graue Star bereits in jüngeren Jahren oder im Kindesalter auf, ist er häufig eine Begleiterscheinung anderer Erkrankungen, auch von Mangelernährung, oder er ist angeboren. Bleibt der Graue Star unbehandelt, führt er schlussendlich zur Erblindung.
Gut nur, dass die Erblindung wie alle Vorstadien der Erkrankung durch eine Operation behandelbar ist. Der Eingriff ist die weltweit häufigste Augenoperation und kann nach einer Lokalanästhesie mit Augentropfen sowie gegebenenfalls einer Beruhigungsspritze starten. „Zuerst wird ein winziger, nur etwa zwei Millimeter langer Schnitt in die Hornhaut des Auges gesetzt, dann die Kapsel der natürlichen Linse eröffnet, der Inhalt mit Ultraschall oder Laser zerkleinert und durch den Schnitt entfernt“, schildert Ruckhofer den Ablauf der Operation und ergänzt: „Danach wird eine künstliche Faltlinse durch den Schnitt eingeführt und im Auge entfaltet.“ Der winzige Schnitt schließt sich laut dem Augenarzt bald von selbst. Normalerweise kann der Patient gleich nach dem Eingriff nachhause gehen und sieht mit dem operierten Auge bereits am nächsten Tag wieder gut. Oder sogar besser als vor der Erkrankung, wenn er kurzsichtig, weitsichtig oder alterssichtig war und die neue künstliche Linse die frühere Fehlsichtigkeit ausgleicht.

Grüner Star (Glaukom)

Von Erkrankten selbst ist vom Grünen Star bzw. dem Glaukom lang nichts zu bemerken. „Erst in fortgeschrittenem Stadium kommt es zu Symptomen in Form von Gesichtsfeldeinschränkungen“, weiß Josef Ruckhofer. „Das bedeutet, dass bestimmte Bereiche im Blickfeld nicht gesehen werden beziehungsweise dunkel erscheinen.“ Bleibt die Erkrankung am Grünen Star unbehandelt, führt sie zur Erblindung, die anders als bei einer Erkrankung am Grauen Star nicht mehr rückgängig gemacht werden kann. Dies liegt an der Ursache des Grünen Stars: Meist altersbedingt fließt das Augeninnenwasser nicht richtig ab, wodurch sich der Augeninnendruck erhöht, der Sehnerv nach und nach immer mehr geschädigt und letztendlich funktionslos wird.
Gut nur, dass die Erkrankung vom Augenarzt schon dann erkennbar ist, wenn noch keine Beschwerden aufgetreten sind: Denn mit einer rechtzeitigen Behandlung lassen sich Schäden am Sehnerv und dadurch bedingte Sehbeeinträchtigungen vermeiden. „Behandelt wird der Grüne Star meist mit Augentropfen, die den Augeninnendruck senken“, erklärt Ruckhofer. Diese müssen aber oft lebenslang eingetropft werden. Manchmal geeignete Alternativen: Eine Laserbehandlung, die den Abfluss steigert, eine Operation, die einen zusätzlichen Abfluss schafft oder winzige Röhrchen aus Gel, Kunststoff oder Metall, die den Abfluss des Wassers aus dem Auge wieder verbessern und so den Augeninnendruck senken.
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Altersbedingte Makuladegeneration (AMD)

Ob in der Nähe oder Ferne: Alles, worauf die Augen fixiert werden, erscheint verschwommen, gerade Linien wirken, als wären sie gewellt. Dadurch wird zunächst vor allem das Lesen schwierig, das Schriftbild verschwimmt, einzelne Buchstaben können nicht gesehen werden. „So äußert sich anfangs die altersbedingte Makuladegeneration oder AMD“, informiert Ruckhofer. Bleibt die Erkrankung unbehandelt, wird alles, worauf sich der Blick richtet, allmählich nicht mehr nur verschwommen, sondern als dunkler Fleck wahrgenommen. Was sich rund um den dunklen Fleck befindet, wird nur noch in Umrissen gesehen. Wie der Name der Erkrankung schon sagt, ist die Ursache für die altersbedingte Makuladegeneration das Altern. Mit dem Altern werden die Netzhaut und damit die Makula bzw. der gelbe Fleck, der Ort des schärfsten Sehens, nicht mehr so gut mit Nährstoffen versorgt, wodurch es zu den Beschwerden kommt. Behandelt wird die Makuladegeneration je nachdem, um welche Form es sich handelt. Ruckhofer: „Es gibt die trockene Form und die feuchte.“ Die große Mehrheit der Betroffenen leidet an der trockenen Form. Deren Fortschritt lässt sich laut dem Augenarzt meist mit einem Kombipräparat verzögern, das die Nährstoffe Lutein, Vitamin C, Vitamin E und Zink enthält. Gegen die Verschlimmerung der feuchten Form, bei der es zu Gefäßneubildungen, einer Flüssigkeitsabgabe und Schwellungen der Makula kommt, helfen Injektionen spezieller Wirkstoffe in den Glaskörper des Auges. Ruckhofer: „Am Anfang wird drei Monate lang jeden Monat eine Spritze gegeben, in welchem Abstand weitere Injektionen nötig sind, und wie viele, ist von Patient zu Patient verschieden.“

Trockenes Auge (Sicca-Syndrom)

Das Auge brennt und rötet sich, zusätzlich fühlt es sich so an, als wäre ein Fremdkörper im Auge. „Das sind meist Anzeichen für das trockene Auge oder Sicca-Syndrom“, so Ruckhofer, der als häufigste Ursachen für diese Erkrankung, die oft an beiden Augen zeitgleich auftritt, die Hormonumstellung in den Wechseljahren nennt und das Altern. Beides führt dazu, dass weniger Tränenflüssigkeit produziert wird, wodurch die Beschwerden entstehen. Unbehandelt sollte das trockene Auge nicht bleiben, da es dadurch schlimmstenfalls zu einer Austrocknung der Hornhaut und somit Narbenbildung mit bleibender Sehverschlechterung kommen kann. Ruckhofer über das Mittel der Wahl in der Therapie: „Das sind Tränenersatzmittel, Augentropfen, die dauerhaft angewandt werden müssen.“ Der Augenarzt über die Alternative: „Man kann die Beschwerden auch lindern, indem man den Abfluss der Tränenflüssigkeit blockiert und winzige Stöpsel zum Beispiel aus Kollagen in die Tränendrüsen setzt.“    

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Wann zum Augenarzt?

  • Immer, wenn sich die Sicht verschlechtert.
  • Immer auch bei anderen Beschwerden, wie Rötungen oder Schmerzen, die länger als ein bis zwei Tage andauern.
  • Ab dem 45. Lebensjahr alle zwei Jahre vorsorglich auch dann, wenn keine Veränderungen aufgetreten sind.


Buchtipp:


Wedrich, Faschinger, Schmut
Mein Auge. Erkrankungen, Behandlungen, Informationen
ISBN 978-3-902552-62-4
256 Seiten, € 19,90
Verlagshaus der Ärzte

Stand 09/2016

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