In der Regel gute Tage

September 2018 | Medizin & Trends

Wie die Periode das Gefühlsleben beeinflusst
 
Hormone steuern unser körperliches und seelisches Wohlbefinden – je nach Zyklusphase feuern sie sich gegenseitig an.
 
– Von Mag. Sylvia Neubauer

Über 200 Hormone zirkulieren durch unseren Organismus. Wie in einem Räderwerk greifen sie ineinander, stimulieren sich gegenseitig zu Höchstleistungen oder bremsen einander aus. Jedes Rädchen erfüllt eine bestimmte Kernaufgabe, die über ein zentrales Leitsystem gesteuert wird. Darin sind unterschiedliche biologische Programme wie etwa der Beginn und das Ende der Fruchtbarkeit gespeichert.
Manchmal eckt der hormonelle Regelkreis ein wenig. Etwa wenn Turbulenzen im Hormonhaushalt oder starke und schmerzhafte Regelblutungen das Wohlbefinden trüben.
Sanfte Abhilfe versprechen Ruhe, Wärme und Kräutermedizin. „Alles was ungewöhnlich weh tut, bedarf hingegen Expertenrat“, bringt es Univ. Prof. Dr. René Wenzl, Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe auf den Punkt. Gemeint sind Schmerzen, die schwer zuordenbar sind. Gleiches trifft auch zu, „wenn etwas im Unterbrauch nicht so ist wie es war oder wenn unklare Brustschmerzen die Frau beunruhigen“ erklärt der Oberarzt an der Wiener Universitätsklinik für Frauenheilkunde.

In der Pubertät
Die Hormone fahren Achterbahn


Was tut sich hormonell?

Mit Eintritt in die Pubertät legt sich der Körper in die Kurven. Ganz im wörtlichen Sinne, zumal sich die Brüste formen und die Hüften runder werden. Diese körperlichen Vorboten kündigen das baldige Einsetzen der ersten Regelblutung an. Im Durchschnitt ist es zwischen dem 11. und 15. Lebensjahr soweit.
 
Was Frau gut tut

Auf die Frage, wann pubertierende Mädels empfehlenswerter Weise das erste Mal einen Frauenarzt aufsuchen sollten, findet der Gynäkologe eine klare Antwort: „Gar nicht!“ Sofern keine Beschwerden vorliegen oder Verhütung ein Thema ist, würde eine ärztliche Untersuchung manche nur unnötig verunsichern.
Auch ein unregelmäßiger Zyklus sei kein zwingender Anlass für einen Arztbesuch. „Bei ganz jungen Mädchen ist es kein Problem, wenn die Blutung nur zwei Mal im Jahr kommt.“ Meist dauert es ein Weilchen, bis sich der komplizierte Hormonkreislauf richtig eingespielt hat. Gut zu wissen: Manchmal folgt der Zyklus erst drei Jahre nach der ersten Regelblutung einem langfristig stabilen Muster. Treten gröbere Zyklusabweichungen in späteren Lebensjahren auf, macht es sehr wohl Sinn „der Sache auf den Grund zu gehen“, motiviert Wenzl zur Ursachenforschung – insbesondere bei bestehendem Kinderwunsch. Seelische Belastungen, Über- oder Untergewicht sowie Schilddrüsenerkrankungen können das hormonelle Gleichgewicht aus dem Takt bringen und so auch das Schwangerwerden erschweren.

Was unangenehm ist

Gerade junge Mädchen leiden vor und während der Regel vermehrt an Unterleibskrämpfen – man spricht von primärem Regelschmerz. Er wird durch körpereigene Schmerzbotenstoffe, sogenannte Prostaglandine, ausgelöst. Sie sorgen dafür, dass die aufgebaute Schleimhaut mit der Blutung abgestoßen wird. Dummerweise verursacht das Zusammenziehen der Gebärmuttermuskulatur auch den Schmerzreiz. Arzneitees aus Frauenmantel, Gänsefingerkraut, Schafgarbe oder Kamille entspannen die Gebärmuttermuskulatur und lindern das Unwohlsein.
Ähnliche Eigenschaften hat Magnesium. Leichte Schmerzmittel hemmen die Prostaglandinausschüttung und lösen auf diese Weise die marternden Kontraktionen im Unterleib. Ebenfalls gute Dienste im Kampf gegen Regelschmerzen leisten feucht-warme Körnerkissen und die gute alte Wärmeflasche. Laue Temperaturen weiten die Gefäße und entkrampfen die Muskeln.

Mit 20PLUS
eine hormonelle Top-Phase

Was tut sich hormonell?

Rein hormonell betrachtet beginnt nun die Blütezeit des Lebens. In jugendlichem Elan sind die weiblichen Sexualhormone stabil wie zu keinem anderen Zeitpunkt. Die Eierstöcke sind auf die monatliche Eizellreifung und den Eisprung programmiert – im Idealfall erfolgt dieser Prozess in einem pünktlich wiederkehrenden Rhythmus von durchschnittlich 25 bis 32 Tagen.

Was Frau gut tut

Für viele Frauen wird jetzt Familienplanung ein Thema und mit ihr rückt auch der Beckenboden in den Vordergrund. Als wahres Kraftpaket ist er im kleinen Becken verankert und umfasst Scheide, Harnröhre und Enddarm. Durch ungewöhnliche Belastungen wie Schwangerschaften und Geburten kann er schnell zur Schwachstelle werden. „Damit der Beckenboden seiner Funktion als Stütz- und Halteorgan gerecht wird, empfiehlt es sich Beckenbodengymnastik zu machen“, rät Wenzl. „Sie hat sowohl einen vorbeugenden als auch einen therapeutischen Zweck“ – etwa indem sie einer Harninkontinenz entgegen wirkt. Da die Beckenbodenmuskulatur in Kooperation mit den Bauch- und Rückenmuskeln arbeitet, ist es wichtig, auch diese Muskelgruppen in das Training miteinzubeziehen. „Idealerweise werden die Übungen unter der Anleitung eines Physiotherapeuten erlernt“, so der Gynäkologe „es gibt aber auch gute Videos zum Selbststudium.“

Was unangenehm ist

Lästig in der Symptomatik, aber meist ungefährlich, kann Scheidenpilz bei Frauen jeden Alters auftreten. Häufig kommt es jedoch bei Frauen im gebärfähigen Alter zur vaginalen Pilzinfektion, die mit Juckreiz im Intimbereich sowie mit weißem Ausfluss, dessen körnige Konsistenz an Hüttenkäse erinnert, einhergeht. Wenn das vaginale Gleichgewicht beispielsweise infolge eines veränderten Hormonhaushalts beeinträchtigt ist, vermehren sich die Pilze und verursachen Beschwerden. Die Behandlung erfolgt mit speziellen Anti-Pilzmitteln. Sie werden meist in Form von Kombinationspräparaten aus Scheidenzäpfchen oder -tabletten und einer Salbe angewendet, die rund um Schamlippen und After aufgetragen werden. Auch Substanzen, die die Scheidenflora unterstützen, haben sich bewährt.

Die richtige Intimpflege

In der Schleimhaut des Intimbereichs tummeln sich unzählige Mikroorganismen, die nicht nur für ein saures Milieu sorgen, sondern auch eine wichtige Schutzfunktion ausüben, wenn sie in ausreichender Anzahl vorkommen. Übertriebene Hygiene schadet dem körpereigenen Säureschutzmantel.
Die Pflege sollte daher „möglichst natürlich sein“, ermutigt Frauenarzt René Wenzl zum Verzicht von parfümierten Substanzen und empfiehlt stattdessen „zur Reinigung möglichst nur Wasser und wenn überhaupt wenig Babyseife zu verwenden.“ Was hilft noch, um mit dem Intimbereich im Reinen zu bleiben?
 

  • Auf Feuchttücher und Intimsprays verzichten. Sie haben wie auch stark parfümierte Duschgels negativen Einfluss auf die natürliche Keimflora, wodurch Bakterien und Pilze ein leichteres Spiel haben.
  • Waschlappen bieten einen guten Nährboden für Krankheitserreger. Wer nicht darauf verzichten mag, sollte sie nach der Reinigung auskochen.
  • Je nach Blutungsstärke sind Tampons     und Binden während der Regel alle drei bis sechs Stunden zu wechseln.   

Mit 40PLUS
die Hormone gehen auf Kurswechsel

Was tut sich hormonell?

Die Wechseljahre kündigen sich selten mit einem lauten „Peng“ an. Sie machen sich mehr oder weniger vorsichtig mit ihrer ersten Phase, der Prämenopause bemerkbar. Östrogen und Progesteron rufen die Parole „wir bauen um“ aus und bereiten sich zum hormonellen Rückgang vor. Bis es soweit ist, wirbeln sie nochmals ordentlich Staub auf. Manchmal klettern die in den Eierstöcken produzierten Geschlechtshormone auf ein Vielfaches ihrer Höchstwerte der Jahre zuvor, um später wochenlang gegen null abzusacken. Das hormonelle Auf und Ab verursacht im wahrsten Sinne des Wortes wechselhafte Zeiten. Die letzte, auch als Menopause bezeichnete Monatsblutung, findet um das 50. Lebensjahr statt.

Was Frau gut tut

Gerade in der Übergangsphase verändert sich auch die Regel. Einige Frauen erleben Zwischenblutungen, andere bekommen sehr starke Blutungen. „Neben Fehlgeburten im Rahmen einer Schwangerschaft, Myome, Endometriose oder Polypen kann die Ursache für starke Blutungen auch hormoneller Natur sein“, erklärt der Wiener Frauenarzt. Sie treten etwa bei „einem sehr langen Zyklus auf“, sagt der Arzt. Im Zuge dessen werden mit der Blutung auch ältere Schleimhautreste ausgeschwemmt.
Progesteronhältige Frauenkräuter wirken blutungsregulierend. Zu den wichtigsten Blutstillern zählt die Schafgarbe, die auch die Wundheilung nach Operationen fördert. Als Tee dargereicht, reduzieren Hirtentäschel, Gänsefinger und Frauenmantel die Blutung bei kurmäßiger Anwendung ebenso effektiv.

Was unangenehm ist

Obwohl die Wechseljahre keine biologische Tragödie sind, bringen sie viele Frauen nicht nur sprichwörtlich ins Schwitzen. Zu den Hitzewallungen gesellen sich des Öfteren Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen, Libidoverlust und eine schleichende Gewichtszunahme. So einzigartig jede Frau ist, so individuell sollte sich auch die Therapie zur Linderung der Symptome gestalten.
„Es macht überhaupt keinen Sinn, alle Frauen über einen Kamm zu scheren“, spricht sich Oberarzt Wenzl gegen eine Behandlung nach Schema F aus. Überhaupt sei es ratsam, „sich erstmal den Lebensstil der Frau anzusehen“, so der Arzt. In vielen Fällen steigert bereits eine Änderung das Wohlbefinden. Etwa, indem „auf regelmäßige körperliche Aktivität und die reichliche Zufuhr von Obst und Gemüse sowie das Meiden von Transfettsäuren geachtet wird.“ Dem Gynäkologen zufolge sprechen viele Frauen gut auf „pflanzliche Mittel mit Soja oder Rotklee an.“ Sie enthalten östrogenähnliche Substanzen wie Isoflavone, die Wechseljahrbeschwerden verringern. Erst wenn diese Präparate „keinen ausreichenden Erfolg bringen, kann eine Hormonersatztherapie in Erwägung gezogen werden“, weiß der Mediziner.

Stand 09/2018

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