Hals, Nase, Ohren & Augen

Alarm im Hals

Wenn es im Hals kratzt und schmerzt, können unterschiedliche Erkrankungen dahinterstecken – von einer einfachen Rachenentzündung über eine Angina bis hin zur Kehlkopfentzündung. Wie sich die wichtigsten Formen unterscheiden lassen und welche Therapien wirklich sinnvoll sind.

Von Natascha Gazzari

Prim. Dr. Paul Zwittag
„Halsschmerzen sind selten bakteriell und
der Einsatz von Antibiotika daher meist nicht zielführend.“

Plötzlich ist es da, dieses brennende und stechende Gefühl im Hals. Im besten Fall ist der Spuk nach ein paar Tagen wieder vorbei. Halten sich die Beschwerden hartnäckig und kommen weitere Symptome wie Fieber, Kehlkopfschmerzen oder eitrige Beläge auf den Mandeln hinzu, sollten die Halsschmerzen entsprechend behandelt werden. Eins vorweg: Antibiotika sind in den meisten Fällen nicht das Mittel der Wahl. Warum, erklärt Prim. Dr. Paul Zwittag, Vorstand der Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde am Kepler Universitätsklinikum Linz: „Klassische Halsschmerzen in Form einer Rachenentzündung werden meist durch Viren im Rahmen eines grippalen Infektes ausgelöst. Antibiotika machen nur dann Sinn, wenn die Entzündung durch Bakterien wie Streptokokken, Pneumokokken oder Staphylokokken verursacht wurde.“ Meist reicht die Blickdiagnose, sprich der geschulte Blick der Hausärztin oder des Hausarztes, um eine virale Entzündung von einer bakteriellen zu unterscheiden: „Ein feuerroter Hals kann auch bei einer viralen Infektion auftreten, erst wenn eitrige Beläge, sogenannte Stippchen, auf den Mandeln zu sehen sind, liegt eine bakterielle Infektion nahe.“ Abgesichert werden kann die Diagnose durch einen Rachenabstrich, der laut Paul Zwittag nur dann bedingt sinnvoll ist, wenn er im Labor ausgewertet und in Zusammenschau mit den Beschwerden interpretiert wird. Von Streptokokken-Schnelltests, die ähnlich wie Corona-Schnelltests funktionieren und innerhalb weniger Minuten ein Ergebnis anzeigen, rät der HNO-Arzt aufgrund ihrer Ungenauigkeit und des fraglichen Nutzens eher ab. Grundsätzlich ist die hausärztliche Praxis die erste Anlaufstelle bei Beschwerden im Hals und Rachen. Kann dort keine eindeutige Diagnose gestellt werden, wird an den Facharzt verwiesen, der Rachen, Kehlkopf und Stimmbänder mit Hilfe eines kleinen gebogenen Spiegels oder eines Endoskops genau untersuchen kann.

Winter-Klassiker Rachenentzündung

Erkältungsviren sind in der kalten Jahreszeit so unvermeidlich wie die früh einsetzende Dunkelheit – und genauso lästig. Eine gewöhnliche Erkältung wird durch Viren verursacht, die über Tröpfcheninfektion weitergegeben werden. Zu den charakteristischen Beschwerden zählen neben Halsschmerzen auch Schnupfen, ein allgemeines Unwohlsein, erhöhte Temperatur, Müdigkeit, Gliederschmerzen und Husten. „Bei einem grippalen Infekt mit Rachen­entzündung sollte man sich körperlich schonen und viel trinken. Bei Bedarf können kurzzeitig Medikamente mit Wirkstoffen wie Ibuprofen oder Diclofenac eingenommen werden, die schmerzlindernd, entzündungshemmend und fiebersenkend wirken“, so die Empfehlung des Mediziners.

Angina: akute Mandelentzündung

Der Begriff „Angina“ wird gerne als Synonym für Halsschmerzen verwendet. Von einer echten Angina tonsillaris spricht man jedoch nur dann, wenn die Beschwerden intensiver als bei einer Rachenentzündung (Pharyngitis) sind. Zu den typischen Symptomen einer akuten Mandelentzündung zählen geschwollene Gaumenmandeln, brennende Schmerzen im Rachen, Fieber, geschwollene Lymphknoten sowie ziehende Schmerzen, die zu den Ohren ausstrahlen. „Bei einer bakteriellen Infektion kann es außerdem zu Eiter­belägen auf den Mandeln und daraus resultierendem Mund­geruch kommen“, ergänzt Paul Zwittag. Führte in der Vergangenheit oft kein Weg an Antibiotika vorbei, wird das Thema heute differenzierter betrachtet: „Bei einer bakteriellen Mandelentzündung ist eine Antibiotika-Therapie nicht in jedem Fall zwingend erforderlich. Der Einsatz sollte nur nach einer sorgfältigen Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen“, so der HNO-Arzt. Antibiotika kommen vor allem bei schwerem Krankheitsgefühl, hohem Fieber oder Patientengruppen mit besonderen Risiken infrage.

Stimmprobleme durch Kehlkopfentzündung

Treten Heiserkeit oder ein plötzlicher Stimmverlust auf, kann eine Kehlkopfentzündung (Laryngitis) die Ursache sein. Diese entwickelt sich häufig aus einer Virusinfektion der oberen Atemwege, die in den Kehlkopf absteigt, die Infektion kann jedoch auch direkt im Kehlkopf entstehen. Warum die Stimme bei einer Kehlkopfentzündung kratzig klingt oder völlig versagt, erklärt der Experte so: „Die Stimmbänder, die für die Stimmbildung schwingen müssen, sind bei der Kehlkopf­entzündung geschwollen, trocken und gerötet. Ist die Schwingungsfähigkeit reduziert, klingt die Stimme belegt, kratzig oder ist gar nicht mehr hörbar.“ Bei einer viralen Kehlkopfentzündung konzentriert sich die Behandlung auf die Linderung der Symptome mit schmerz- und entzündungshemmenden Medikamenten. Zusätzlich ist es wichtig, die Stimme zu schonen, reichlich zu trinken und auf das Rauchen zu verzichten.

Handhygiene bringt’s immer noch

Völlig vermeiden lässt sich der Kontakt mit Erkältungsviren wohl nicht, dennoch kann man das Infektionsrisiko reduzieren. Erkältungsviren werden durch Tröpfcheninfektion übertragen. Sie gelangen beim Niesen, Husten oder Sprechen in die Luft und treffen dann auf die Schleimhäute von Mund, Nase oder Augen einer in der Nähe befindlichen Person. Mit einfachen Hygienemaßnahmen, die wir noch aus der Corona-Zeit kennen, lässt sich das Risiko, sich selbst und andere anzustecken, deutlich verringern. Regelmäßiges
Händewaschen mit Seife, das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes – besonders bei größeren Menschenansammlungen – sowie regelmäßiges Lüften sind einfach umsetzbare Maßnahmen, um fit und gesund durch den Winter zu kommen.


Balsam für den gereizten Hals

Diese grundlegenden Verhaltenstipps sind für alle Beschwerden anwendbar und tun dem gereizten Hals gut.

  • Schonen Sie sich.
  • Achten Sie auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr.
  • Meiden Sie säurehaltige Lebensmittel wie Essig oder Zitrusfrüchte.
  • Erhöhen Sie die Luftfeuchtigkeit in beheizten Innenräumen, z. B. durch Luftbefeuchter, feuchte Wäsche am Wäscheständer oder nasse Handtücher auf den Heizkörpern.
  • Vermeiden Sie Staub.
  • Verzichten Sie auf das Rauchen und den Aufenthalt in verrauchten Räumen.
  • Trinken Sie Salbeitee oder gurgeln Sie damit; die ätherischen Öle des Salbeis wirken entzündungshemmend und bilden einen Fettfilm auf der gereizten Schleimhaut.
  • Machen Sie einen Halswickel mit zimmerwarmem Topfen – er hilft, die Entzündung zu reduzieren.

Schutzwall im Rachen

Die Gaumenmandeln bilden gemeinsam mit den weiteren Mandeln des lymphatischen Rachenrings einen essenziellen Bestandteil unseres Immunsystems. Wenn Krankheitserreger versuchen, in die oberen Atemwege vorzudringen, stellen die Mandeln sozusagen die erste Abwehrfront dar. Eine Mandelentzündung ist im Grunde nichts anderes als eine Reaktion der Immunabwehr. Entscheidend ist jedoch, wie häufig und wie intensiv diese Entzündungen auftreten. Reagieren die Mandeln übermäßig stark und kommt es im Abstand von nur wenigen Wochen immer wieder zu einer Entzündung, können sie zu einem dauerhaften Infektionsherd werden, der auch andere Körperregionen gefährden kann. Ist das der Fall, kann nach einer sorgfältigen Nutzen-Risiko-Abwägung eine operative Entfernung der Mandeln in Betracht gezogen werden. Während man noch vor wenigen Jahrzehnten Mandeln besonders im Kindesalter rasch entfernt hat, wird heute nur mehr dann operiert, wenn strenge Kriterien erfüllt sind. So werden Operationen bei Kindern unter drei Jahren grundsätzlich nicht durchgeführt, und im Alter zwischen drei und sechs Jahren nur in absoluten Ausnahmefällen. Die Frage, ob und wann die Mandeln entfernt werden sollten, muss immer individuell entschieden werden. Gründe, die für eine Operation sprechen, sind sehr häufig auftretende Entzündungen, die mit Antibiotika behandelt werden müssen, stark vergrößerte Mandeln, die das Schlucken oder Sprechen behindern, sowie Mandelsteine, die starken
Mundgeruch verursachen.


FOTOS:  KUK, istockphoto/WEERASAK PITHAKSONG

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