Lunge, Atemwege & Allergien

Kann meine Kurzatmigkeit COPD sein?

MEDIZIN POPULÄR-Leser Helmut S. fragt: In letzter Zeit werde ich beim Spazierengehen oder Radfahren rasch kurzatmig und leide unter Atemnot. Kann eine COPD dahinterstecken?

Von Karin Schrammel

Oberärztin Dr. Franca Steindl,
Fachärztin für Lungenheilkunde in Wien, beantwortet die aktuelle Leserfrage.

www.ihrepulmologin.at

Kurzatmigkeit, medizinisch Dyspnoe, ist das Gefühl, nicht genug Luft zu bekommen. Atemnot bei starker Anstrengung ist normal. Jeder von uns kommt irgendwann an eine Grenze. Verdächtig wird es, wenn diese Grenze über Monate immer früher erreicht wird. Viele Menschen erleben das zunächst nur bei Belastung, etwa beim Treppensteigen oder Bergaufgehen, und gewöhnen sich unbemerkt daran, indem sie anstrengende Tätigkeiten meiden. Genau das ist tückisch, denn so bleibt eine beginnende Lungenerkrankung oft lange unentdeckt. 

Aufmerksam werden sollte man, wenn die Atemnot zunimmt, bei immer geringerer Belastung auftritt oder mit Husten und Auswurf einhergeht. Besonders wer geraucht hat oder anderen Schadstoffen ausgesetzt war, sollte solche Beschwerden abklären lassen.

Was ist COPD?

COPD steht für chronisch obstruktive Lungenerkrankung. Dabei sind die kleinen Atemwege dauerhaft entzündet und verengt, das Lungengewebe der kleinen Atembläschen wird zerstört und verliert Elastizität. Das nennen wir Lungenemphysem. Die Folge: Die Luft kommt zwar hinein, aber beim Ausatmen nicht mehr richtig heraus. Die Lunge bläht sich auf. Die Hauptursache ist bei uns nach wie vor das Rauchen, aber auch Feinstaub, beruflich inhalierte Stäube und Dämpfe, wiederholte Infekte in der Kindheit oder ein angeborener Alpha-1-Antitrypsinmangel spielen eine Rolle. Etwa jede bzw. jeder Fünfte mit COPD hat nie geraucht.

Welche Symptome verursacht COPD?

Klassisch sind drei Beschwerden: Atemnot bei Belastung, chronischer Husten und Auswurf, vor allem morgens. Dazu können pfeifende Atemgeräusche kommen, ein Engegefühl im Brustkorb oder eine allgemeine Leistungsminderung. Charakteristisch ist auch, dass eine banale Erkältung bei Betroffenen oft wochenlang auf der Lunge sitzt. Viele halten das lange für den normalen Raucherhusten. 

Wie wird die Diagnose COPD gestellt?

Es gibt validierte Kurzfragebögen, etwa den CAPTURE-Fragebogen mit fünf einfachen Fragen. Wenn man mehr als eine Frage mit Ja beantwortet, sollte man sich lungenfachärztlich untersuchen lassen. 

Der entscheidende Test ist die Spirometrie, die Lungenfunktionsprüfung. Gemessen wird, wie viel Luft man in der ersten Sekunde aus­atmen kann im Verhältnis zur gesamten ausgeatmeten Menge. Ist dieses Verhältnis nach Gabe eines bronchienerweiternden Sprays unter 0,7, liegt eine dauerhafte Verengung vor. Das ist die Definition der COPD. Je nach Beschwerden können noch andere Untersuchungen dazukommen: ein Röntgen oder CT, eine Diffusionsmessung, Blutgasanalyse, eine Blutuntersuchung auf Eosinophile oder bei jüngeren und Nichtraucherpatientinnen und -patienten zusätzlich Alpha-1-Antitrypsin. 

Wie wird COPD behandelt?

Die Basis der medikamentösen Behandlung sind inhalierte, langwirksame, bronchienerweiternde Sprays. Für die meisten Patientinnen und Patienten wird heute eine Kombination aus zwei solchen Wirkstoffen als Einstieg bevorzugt.

Ganz entscheidend und oft unterschätzt ist die richtige Inhalationstechnik. Mindestens so wichtig wie die Auswahl des Wirkstoffs ist die Anwendung. Studien zeigen, dass ein großer Teil der Betroffenen das Gerät nicht korrekt bedient. Lassen Sie sich die Technik zeigen, und zwar wiederholt, nicht nur einmal bei der Verordnung. Biologika können als Zusatztherapie angewendet werden.

Auch Atemphysiotherapie gibt Betroffenen Werkzeuge für den Moment der Not. Es werden konkrete Techniken erlernt, um Atemnot und Sekretprobleme selbst besser zu bewältigen. Dazu gehören Lippenbremse, atemerleichternde Körperstellungen wie Kutschersitz oder Torwart-Stellung sowie Techniken zur Sekretmobilisierung. Diese Handgriffe sollte jeder COPD-Betroffene beherrschen, bevor er sie das erste Mal wirklich braucht. Auch eine pulmonale Rehabilitation verbessert Belastbarkeit und Lebensqualität.

Was können Betroffene selbst tun?

Das Wirksamste ist der Rauchstopp. Er ist die einzige Maßnahme, die den beschleunigten Verlust an Lungenfunktion nachweislich bremst. Und er lohnt sich in jedem Alter und in jedem Stadium. Zusätzlich werden Impfungen gegen Influenza, Pneumokokken, Covid-19 und RSV empfohlen. Auch Bewegung zahlt sich aus. Wer sich schont, wird schwächer, und die schwächere Muskulatur braucht mehr Sauerstoff. Ein Teufelskreis. Ein Lungensportverein oder ein strukturiertes Gehtraining sind hier oft wirksamer als jedes zusätzliche Medikament.

Welche Begleiterkrankungen verursacht COPD?

Lunge und Herz hängen unweigerlich zusammen. Eine kranke Lunge schwächt das Herz. Häufige Nebenerkrankungen sind Bluthochdruck, koronare Herzkrankheit, Herzschwäche oder Vorhofflimmern. Gerade diese Erkrankungen belasten aber zusätzlich die Atmung.

Deshalb sollte bei COPD auch eine kardiologische Abklärung mit EKG, Herzultraschall und Blutwerten erfolgen. Wird jahrelang nur die Lunge behandelt, wird das Herz übersehen und die Symptome nehmen zu. Weitere Nebenerkrankungen sind Osteoporose, Muskelabbau, Untergewicht oder Diabetes sowie Depression oder Angststörungen, die sehr häufig bei wiederholter Atemnot auftreten können.

Ist COPD heilbar?

COPD ist nicht heilbar, aber sie ist beeinflussbar. Das Behandlungsziel hat sich verschoben. Wir wollen nicht nur Symptome lindern, sondern einen stabilen Zustand ganz ohne Verschlechterungen erreichen. Wer früh diagnostiziert wird, das Rauchen beendet, richtig inhaliert und trainiert, kann über viele Jahre ein aktives Leben führen.


Fotos: zvg, istock: Antonio Guillem

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