Lunge, Atemwege & Allergien

Wenn die Nacht laut wird

Viele Menschen kennen es: das nächtliche Schnarchen. Oftmals harmlos, kann auch eine Schlafapnoe mit nächtlichen Atemaussetzern dahinterstecken. 

Von Daniela Rittmannsberger-Kampel 

Man kuschelt sich abends ins Bett und fängt gerade an, wegzudösen, da beginnt es: Ein sägendes Geräusch dringt von der anderen Betthälfte herüber. Ein Szenario, das viele Paare kennen: Tatsächlich schnarcht in Österreich jeder zweite Mann und jede dritte Frau über 50 Jahre. Doch warum trifft es manche von uns, während andere Nacht für Nacht
völlig geräuschlos schlafen?

Verschiedene Ursachen

„Schnarchen entsteht, wenn die Weichteile in den oberen Atemwegen während des Schlafs zu vibrieren beginnen“, erklärt Dr. med. univ. Robert Pavelka. Der Facharzt für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde beschäftigt sich seit über 20 Jahren mit der Diagnostik und Behandlung von Schnarchen sowie der obstruktiven Schlafapnoe. Im Schlaf erschlafft die Muskulatur, wodurch sich die Atemwege verengen. Strömt Luft hindurch, geraten die Schleimhäute in Schwingung – das typische Schnarchgeräusch entsteht.

Welche Strukturen dafür verantwortlich sind, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. „Am häufigsten sind der weiche Gaumen und das Zäpfchen betroffen. Aber auch der Zungengrund, der Kehldeckel, die seitlichen Rachenwände oder vergrößerte Mandeln können das Schnarchen verursachen“, so Pavelka. Auch Kinder können betroffen sein. Häufig stecken vergrößerte Rachenmandeln oder Polypen dahinter. Sie behindern die Nasenatmung, wodurch die Kinder verstärkt durch den Mund atmen – und zu schnarchen beginnen.

Ob jemand schnarcht, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Einer der wichtigsten Risikofaktoren ist Übergewicht. „Lagert sich Fettgewebe im Bereich der Atemwege ein, werden diese enger. Dadurch steigt nicht nur das Schnarchen, sondern auch das Risiko für eine Schlafapnoe deutlich“, erklärt der Experte. Ebenso entscheidend sind anatomische Voraussetzungen wie ein kleiner oder zurückliegender Unterkiefer, wenig Platz für die Zunge, große Mandeln oder vergrößerte Zungengrundmandeln. Auch eine eingeschränkte Nasenatmung – etwa durch Nasenscheidewandverkrümmung, Allergien, einen Schnupfen oder dauerhaft vergrößerte Nasenmuscheln – kann Schnarchen begünstigen. Letztere lassen sich bei Bedarf mittels Radiofrequenztherapie schonend verkleinern.

Auch Müdigkeit spielt eine wichtige Rolle. „Je tiefer wir schlafen, desto stärker entspannt sich die Muskulatur. Deshalb schnarchen viele Menschen vor allem in den ersten Tiefschlafphasen oder nach starker körperlicher Erschöpfung“, sagt Pavelka. Alkohol und Beruhigungsmittel verstärken diesen Effekt zusätzlich, da sie die Muskulatur noch stärker erschlaffen lassen. Und schließlich macht sich auch das Alter bemerkbar: Mit den Jahren verlieren die Weichteile im Hals an Spannkraft und Elastizität – ein weiterer Grund, warum Schnarchen im Laufe des Lebens häufiger auftritt. 

Wenn der Atem aussetzt

Gewöhnliches Schnarchen ist zunächst vor allem ein soziales Problem – schließlich raubt es häufig dem Partner oder der Partnerin den Schlaf. „Medizinisch abgeklärt werden sollte Schnarchen allerdings dann, wenn es unregelmäßig auftritt, starke Tagesmüdigkeit besteht oder Atempausen von mehr als zehn Sekunden beobachtet werden“, betont Pavelka. Kommt es zu mehr als fünf Atemaussetzern pro Stunde, sprechen Medizinerinnen und Mediziner von einer obstruktiven Schlafapnoe. Diese sollte unbedingt behandelt werden, denn sie erhöht langfristig das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Betroffene fühlen sich tagsüber oft erschöpft, leiden unter Konzentrations­problemen und sind insgesamt weniger leistungsfähig. 

„Zur ersten Abklärung genügt häufig eine Untersuchung zu Hause, bei der unter anderem Atmung und Sauerstoffsättigung während der Nacht aufgezeichnet werden. Die Ergebnisse werden anschließend ärztlich ausgewertet. Falls notwendig, erfolgt eine weiterführende Untersuchung im Schlaflabor“, sagt Pavelka. Die Standardtherapie bei Schlafapnoe ist die sogenannte CPAP-Behandlung. Dabei hält eine Atemmaske die Atemwege mithilfe eines leichten Überdrucks offen und verhindert so die nächtlichen Atemaussetzer. 20 bis 30 Prozent der Betroffenen vertragen diese Form der Therapie allerdings nicht dauerhaft. Für sie stehen verschiedene Alternativen zur Verfügung – unter anderem ein Zungenschrittmacher. Dabei wird ein Stimulator implantiert, der beim Einatmen den Zungennerv elektrisch reizt und so verhindert, dass der Zungengrund die Atemwege verschließt. 

Vom Pflaster bis hin zur OP

Wer „nur“ schnarcht, kann selbst mit einfachen Maßnahmen viel verbessern. „Ausreichend Schlaf, regelmäßige Bewegung und Reduktion des Körpergewichts wirken sich oft positiv aus. Auch das Schlafen in Seitenlage kann das Schnarchen deutlich reduzieren. Alkohol sollte vor dem Schlafengehen möglichst vermieden werden, da er die Muskulatur zusätzlich erschlaffen lässt“, rät Pavelka. Je nach Ursache stehen zudem verschiedene medizinische Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Liegt eine eingeschränkte Nasenatmung durch anatomische Verengungen vor, können Nasenpflaster oder Nasenflügelspreizer helfen. Ist ein zurückfallender Zungengrund der Auslöser, kommt häufig eine individuell angepasste Unterkiefer-Protrusionsschiene zum Einsatz, die den Unterkiefer während des Schlafs leicht nach vorne verlagert. 

Menschen, die ausschließlich in Rückenlage schnarchen, profitieren oft von speziellen Positionstrainern, die bei Rückenlage vibrieren und so an einen Lagewechsel erinnern. Wenn diese konservativen Maßnahmen nicht ausreichen, können operative Eingriffe sinnvoll sein: „Häufig entfernen oder verkleinern wir überschüssiges Gewebe am weichen Gaumen oder dem Zäpfchen. Besonders schonend ist die Radiofrequenztherapie, bei der gezielt Wärme eingesetzt wird, um den Weichgaumen zu straffen. Auch der Zungengrund oder dauerhaft vergrößerte Nasenmuscheln lassen sich auf diese Weise schrumpfen.

Vergrößerte Mandeln werden – je nach Alter der Patientinnen und Patienten – entfernt oder verkleinert und der Weichgaumen gestrafft“, erklärt der HNO-Spezialist. Sein Rat: Wer regelmäßig schnarcht, zusätzlich unter Übergewicht oder Bluthochdruck leidet oder Atemaussetzer bemerkt, sollte die Beschwerden ärztlich abklären lassen. Denn davon profitiert nicht nur die eigene Gesundheit, sondern auch die Nachtruhe des Partners oder der Partnerin.


Fotos:  stockphoto/ Bartek Szewczyk

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