Klicken, bis es weh tut

November 2007 | Leben & Arbeiten

Wie Sie sich vor einem „Mausarm“ schützen
 
Tagein, tagaus am Computer arbeiten und dabei die ewig gleichen Handgriffe vornehmen: Das ist schuld daran, dass immer mehr Menschen einen „Mausarm“ erleiden. So harmlos der Name des Problems auch klingen mag, so ernst sollte man die Beschwerden nehmen. Denn was mit einem Gefühl der Kraftlosigkeit beginnt, sich vielleicht mit einem Kribbeln in den Fingern äußert, endet oft mit starken Schmerzen im Hand- und Armbereich auch in Ruhe. Arbeitsmediziner Univ. Prof. Dr. Hugo Rüdiger hat die besten Tipps für „Schreibtischtäter“.
 
Von Mag. Andrea Fallent

Menschen, die in einem Büro arbeiten, verbringen im Laufe ihrer Tätigkeit rund neun Jahre vor dem Computer. Zumeist in einer einseitigen Haltung und mit automatisierten Handgriffen, die ständig wiederholt werden. Fleißige Arbeitsbienen unter den Office-Managerinnen kommen am Tag auf immerhin bis zu 80.000 Anschläge auf ihren Tastaturen. Eine nicht unbedeutende Belastung: Während eine robuste Computer-Hardware diese Einwirkung ohne gröbere Schäden übersteht, leiden immer mehr Menschen durch typische PC-Tätigkeiten an ganz spezifischen Beschwerden.

Umgangssprachlich „Sekretärinnenkrankheit“ oder „Mausarm“ genannt, werden sie medizinisch nach ihrer Ursache – nämlich den wiederholten monotonen Bewegungsabläufen – als „Repetitive Strain Injury“ (RSI) bezeichnet. „Diese gleichförmigen Bewegungen wie das Benutzen einer Computermaus oder der Tastatur, die eigentlich ohne große Kraftanstrengung ausgeführt werden, führen mit der Zeit durch die zahlreichen Wiederholungen zu winzigen Verletzungen der Sehnen, Bänder, Gelenke oder Nerven insbesondere in der Hand und den Fingern“, erklärt Univ. Prof. Dr. Hugo Rüdiger, Leiter der Klinischen Abteilung für Arbeitsmedizin am Wiener AKH.

Wie diese so genannten Mikroläsionen entstehen? „Diese kleinsten Verletzungen werden normalerweise in Ruhephasen binnen weniger Stunden repariert. Hat der Organismus dazu keine Möglichkeit, kommt es zu einer Anhäufung der Schäden und in der Folge zu ersten Schmerzen“, so Rüdiger. „RSI entsteht schließlich dann, wenn man die Schmerzen bei der Arbeit ignoriert und weiter macht. Dann lernt das Gehirn nämlich, dass bestimmte Bewegungen automatisch mit Schmerzen verbunden sind, auch wenn sich das Gewebe mittlerweile wieder erholt hat.“ Typisches Beispiel: Man setzt sich nach zwei Wochen Urlaub an den angestammten Schreibtisch und nach zehn Minuten am Computer sind die altbekannten Schmerzen wieder da. Die Ruhepause hat also im Grunde keine Besserung gebracht, weil sich die Schmerzen bereits verselbständigt haben: „Daher hat es auch keinen Sinn, bei RSI den Arm eine Zeit lang ruhig zu stellen oder die Hand in Gips einzumauern“, erklärt der Facharzt. „Auch eine zeitlich begrenzte Umstellung der Bewegung oder ein Krankenstand bringen keine Besserung.“ Die einzige Lösung ist eine dauerhafte Umstellung der Bewegungsmuster am Arbeitsplatz. Das funktioniert zumeist jedoch nur, wenn man den Schreibtisch entsprechend ergonomisch umgestaltet.

Noch besser wäre es, auf die Maus ganz zu verzichten und den Cursor mit einem Stift auf einem Tablett zu bedienen. Das Problem dabei: Die fehlende Akzeptanz für die notwendige Arbeitsumstellung. Eine Datentypistin, die darauf geschult ist, mit dem Zehnfinger-System in kurzer Zeit viele Informationen einzugeben, muss sich bei einer neuen Tastatur erst einmal an die neue Bewegungsabfolge gewöhnen und wird nicht sofort gleich effizient arbeiten können. „Das ist aber auch Teil der Therapie“, betont Prof. Rüdiger: „Wichtig ist – auch als Vorbeugung – nicht acht Stunden am Tag dasselbe zu machen, sondern für Abwechslung zu sorgen. Regelmäßig aufzustehen, um Drucker und Kopierer zu bedienen, im Stehen telefonieren, statt der Maus entsprechende Tastaturbefehle zu benützen.“

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Das RSI-Syndrom:
So zeigt sich der „Mausarm“

Zu den ersten Anzeichen von „Repetitive Strain Injury“ (übersetzt: Verletzung durch wiederholte Belastung) zählen spontaner Kraftverlust und Missempfindungen an den belasteten Gliedmaßen. Schmerzen treten erst später auf. Beschwerden, die vor allem Arme und Hände betreffen:

  • Verlust an Kraft, Beweglichkeit und Sensibilität (Taubheitsgefühl)
  • Missempfindungen (z.B. Kribbeln, Ziehen, Kältegefühl)
  • Fehlbewegungen, Muskelkrämpfe
  • Schmerzen bei Bewegung und in Ruhe

 

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Tipps für „Schreibtischtäter“:
So beugen Sie Beschwerden vor
Durch die passende Ausstattung als Ergänzung zu einem ergonomisch ausgerichteten Arbeitsplatz lässt sich das Risiko für bürospezifische Beschwerden von vornherein reduzieren.

Tastatur
Wer viel am Computer an elektronischen Tastaturen schreibt oder Daten eingibt, leistet Schwerstarbeit. Für ein entspanntes Schreiben sollte das „Keybord“ nach neuen Erkenntnissen vor allem zwei Kriterien zu erfüllen: Es sollte eine Dachneigung haben, also eine leichte Erhöhung in der Mitte, damit die Hände beim Tippen ihrer natürlichen Neigung entsprechend gehalten werden können. Und: Die Tastatur muss geteilt sein, die beiden Hälften müssen in einem Winkel so schräg stehen, dass Hand und Unterarm eine gerade Linie darstellen. Es gibt Modelle, bei denen der Winkel zwischen den beiden Hälften unveränderbar ist, und solche, bei denen die Neigung der Tastenhälften individuell geregelt werden kann. Aber auch sie sind kein Freibrief für pausenlose Computerarbeit.

Computermaus
Eine falsche Maus kann Ermüdungssymptome, Verspannungen und Beschwerden bis hin zum „Mausarm“ verursachen. Im Handel werden Mäuse für große und kleine Hände sowie für Rechts- und Linkshänder angeboten. Für eine bessere Feinmotorik sorgt eine Rollkugel, die im vorderen unteren Gehäusebereich untergebracht ist. Die Maustasten sollten leicht zu erreichen und ohne hohen Kraftaufwand zu bedienen sein. Das Kabel zwischen Maus und Rechner muss ausreichend lang sein, um die Bewegungen nicht einzuschränken. Eventuell ist eine Kabelverlängerung bzw. ein Zusatzkabel notwendig. Wichtig: Jener Teil der Maus, der dem Handballen zugewandt liegt, sollte rund geformt sein.
Die optimale Mausoberseite ist in der Mitte gewölbt und die vordere Maushälfte niedriger als die hintere. Vorne wird sie breiter, so dass sich die Finger spreizen können. Die Hand- und Fingerhaltung sollte entspannt sein. Die ergonomisch gestaltete Maus ist in der Form der Hand angepasst. Ein extra Handgelenkspolster sorgt dafür, dass das Handgelenk nicht abknickt und hoch liegt.

Mauspad
Es muss rutschfest sein, damit die Kontrolle über den Cursor erhalten bleibt. Es darf nicht zu spröde sein, sonst lässt sich die Maus nur mit erheblichem Kraftaufwand bedienen.

So klicken Sie richtig:

  • Lösen Sie sich von der Maus, so gut es geht. Nutzen Sie zum Beispiel so genannte „Shortcuts“ (Tastenkombinationen), etwa in Word zum Speichern STRG S und Ausdrucken STRGP.
  • Arbeiten Sie abwechselnd mit anderen Eingabegeräten wie einem Trackball oder einem Stift mit Tablett.
  • Nehmen Sie die Hände weg von der Maus, wenn Sie gerade nicht damit arbeiten.Lehnen Sie sich bei der Arbeit mit der Maus nicht zurück. Denn so erhöhen Sie den Abstand zur Maus, was größere Belastungen für Handgelenke und Ellenbogen bedeutet.
  • Legen Sie regelmäßig kleine Bildschirmpausen ein.
  • Eventuell die Maus mit der linken Hand bedienen.
  • Das Handgelenk jener Seite, die die Maus bedient, sollte nicht gedreht werden. Es sollte möglichst locker bleiben, also nicht fest auf die Tischkante gedrückt werden.
  • Den Unterarm beim Betätigen der Maus zur Gänze auf dem Schreibtisch auflegen.

Quelle: © ergo-line.de, Univ. Prof. Dr. Hugo W. Rüdiger
         

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