Rheuma im Griff?

September 2007 | Medizin & Trends

Neue Medikamente bringen bei chronischer Polyarthritis erstaunliche Erfolge
 
Rheuma ist eine wahre Volksplage: In Österreich leiden rund zwei Millionen Menschen an einer der 400 Krankheiten, die von den Medizinern zum „rheumatischen Formenkreis“ gezählt werden und unterschiedlichste Ursachen, aber die gleiche Auswirkung haben: Alle verursachen Schmerzen an Gelenken, Muskeln, Knochen, Sehnen und der Wirbelsäule. Zum Glück kann die Medizin heute gut helfen. Rheumaspezialist Dr. Thomas Schwingenschlögl über neue Therapiemöglichkeiten.
 
Von Dr. Kurt Markaritzer

Erkrankungen des „rheumatischen Formenkreises“ sind in Österreich die häufigste Ursache für Krankenstände und für Frühinvalidität, weil sie zu massiven Behinderungen führen. Akute Rheuma-Schübe sind qualvoll, womöglich noch schlimmer aber ist die Tatsache, dass sich bei vielen Frauen und Männern aus den ersten Schmerzen im Lauf der Zeit eine chronische Erkrankung entwickelt. Dr. Thomas Schwingenschlögl, Rheumaspezialist aus Wiener Neudorf: „Zu den besonders gefährlichen rheumatischen Krankheiten zählt die chronische Polyarthritis, die sogar bei Kindern auftritt. Am häufigsten wird sie zwischen dem 35. und 45. Lebensjahr diagnostiziert, bei Frauen dreimal so häufig wie bei Männern.“
Die chronische Polyarthritis entsteht durch Fehlleistungen des menschlichen Immunsystems, das sich plötzlich nicht gegen Krankheitserreger richtet, sondern körpereigene Zellen attackiert und Entzündungen an Gelenken und Muskeln sowie an inneren Organen wie Niere, Lunge, Herz oder Leber auslöst. Besonders gefährlich sind die Gelenksentzündungen, weil sie schon nach kurzer Zeit zur Zerstörung von Gelenken führen können. Die Betroffenen leiden dann nicht nur an intensiven Schmerzen, sondern können sich zum Teil kaum noch bewegen.

Effektvolle Mittel: Biologika
Zum Glück stehen neue Therapiemöglichkeiten gegen diese schweren Krankheiten zur Verfügung. Dr. Schwingenschlögl: „Besonders effektvoll sind neue Präparate, die Biologika genannt werden und gezielt jene Zellen des Immunsystems angreifen, welche die Entzündungen hervorrufen. Ihre Wirkung ist so gut, dass die Krankheit unter Umständen völlig zum Stillstand gebracht werden kann.“
Die modernen Therapien bringen auch bei einem späteren Behandlungsbeginn beachtliche Erfolge, die besten Chancen ergeben sich aber am Beginn der Erkrankung. Experten sprechen von einem „therapeutischen Fenster“ innerhalb der ersten drei Monate nach Krankheitsbeginn. Werden die Patienten in diesem Zeitraum behandelt, gelingt es sehr oft, das Immunsystem wieder zu bändigen, die Erkrankung wird dann nachhaltig gestoppt. Deshalb ist es wichtig, auf erste Anzeichen einer Polyarthritis zu achten, sagt der Arzt: „Das kann die Morgensteifigkeit sein, der Gelenkschmerz in der Früh, der oft Stunden andauert, oder eine Kraftlosigkeit der Hände, die dazu führt, dass man Dosen nicht mehr öffnen oder Gegenstände nicht mehr halten kann. Ein normaler, kräftiger Händedruck schmerzt plötzlich sehr, die Beweglichkeit ist massiv eingeschränkt. Die Betroffenen sind nicht mehr in der Lage, eine Faust zu machen oder die Finger ganz auszustrecken, Gelenke wie Knie, Sprunggelenk und Schulter funktionieren nicht mehr so wie sie sollten.“
Typisch für die Arthritis ist auch eine entzündliche Schwellung vor allem der Finger- und Hand- sowie der Zehengrundgelenke. Manchmal sind sogar nicht nur einzelne Gelenke, sondern die ganze Hand oder große Gelenke verschwollen. Wer an diesen Symptomen leidet – und dazu womöglich an rascher körperlicher und geistiger Ermüdung und Appetitlosigkeit bzw. Gewichtsabnahme oder an diffusen Muskel- und Sehnenschmerzen – sollte sich spätestens dann beim Arzt gründlich durchchecken lassen, wenn die Beschwerden drei oder vier Wochen andauern.

Gute Erfahrungen mit neuem Präparat
Üblicherweise beginnt die Behandlung mit einer „Basistherapie“. Dabei bekommen die Patienten Medikamente, die das überaktive Immunsystem drosseln und damit die Entzündung bremsen. Wenn das nicht ausreicht, kommen die effizienteren Biologika ins Spiel, welche die Rheumatherapie in den letzten Jahren revolutioniert haben und die Zerstörung der Gelenke verhindern können. Dr. Schwingenschlögl: „Diese Medikamente werden entweder vom Patienten selbst subcutan, also unter die Haut, gespritzt oder als Infusion verabreicht. Es gibt verschiedene, sehr bewährte Präparate. Ich selbst habe in letzter Zeit bei Patienten ein neues Medikament mit dem Wirkstoff Abatacept angewendet, das in den USA seit zwei Jahren mit großem Erfolg eingesetzt wird. Die Substanz bremst die so genannten T-Zellen des Immunsystems, die bei Polyarthritis über komplizierte Prozesse in den Körperzellen Entzündungen auslösen. Die Erfahrungen mit dem Präparat, das als Kurzinfusion einmal im Monat verabreicht wird, sind hervorragend.“

        

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