Der Pigmentfleck muss weg?

März 2008 | Medizin & Trends

Achtung: Manche Hautmale sind lebensgefährlich!
 
Makellose Haut – der Wunschtraum vieler, die Realität bei den wenigsten. Die meisten haben irgendwo den einen oder anderen Pigmentfleck. Besonders häufig zeigen sich Altersflecken, Muttermale, Sommersprossen & Co auf Gesicht, Handrücken und Dekolleté. Manche dieser Flecken verschwinden von selbst wieder, andere lassen sich nur durch entsprechende Behandlung vertreiben. Manche sind völlig harmlos, andere können lebensgefährlich werden, wenn man sie nicht rechtzeitig behandelt: Bei fast jedem zweiten Über-60-Jährigen handelt es sich bei bestimmten Hautveränderungen um ein Frühstadium von Krebs! Lesen Sie hier, welche Hautmale unbedingt in ärztliche Hände gehören.
 
Von Mag. Astrid Bauer

Haut so weiß wie Schnee … Damit konnte vielleicht Schneewittchen aufwarten – die Wirklichkeit hingegen sieht meist anders aus! Ob jung oder alt, jeder hat ein paar pigmentierte Veränderungen auf der Haut – und kaum einer ist glücklich darüber. Doch was sind Pigmentflecken überhaupt?
Unter „Pigmentierung“ versteht man nichts anderes als die individuelle grundsätzliche „tonangebende“ Färbung unserer Haut. Verantwortlich dafür sind die pigmentbildenden Zellen unserer Haut, die Melanozyten. Sie legen fest, welche Farbe unsere Haut haben wird. Diese ist aber nicht immer und überall gleichmäßig pigmentiert – durch eine Ansammlung oder Fehlbildung der pigmentbildenden Zellen können sich unliebsame Punkte, Flecken und Verfärbungen darauf manifestieren. Solche unter dem Sammelbegriff „Pigmentflecken“ zusammengefassten Hautmale können entweder angeboren oder erworben sein.

Sonne spielt prägende Rolle
Bei den im Laufe eines Lebens erworbenen Pigmentflecken spielt – neben der individuell verschieden starken Neigung zur Hyperpigmentierung – vor allem die Sonne eine im wahrsten Sinne des Wortes prägende Rolle. Und so bekommt man durch zuviel Sonne oft nicht nur Falten, sondern auch unschöne bräunlich-graue Flecken auf der Haut. Das Gemeine an der Sache ist, dass sich diese Flecken nicht – wie Sommersprossen – gleich, sondern oft erst Jahre nach dem exzessiven Sonnenanbeten zeigen, denn die Haut merkt sich jeden Sonnenbrand und die Rache kommt später. „Vor allem Frauen haben unter diesen unschönen Pigmentflecken, medizinisch Melasma genannt, zu leiden, da sie auch häufiger Hormonpräparate einnehmen. Und zwischen Sonne und Hormonen besteht ein ,inniges Wechselspiel‘“, erklärt Univ. Prof. Dr. Helmut Kerl, Vorstand der Universitätsklinik für Dermatologie und Venerologie an der Medizinischen Universität Graz.
Nicht nur durch die Einnahme von Hormonen, sondern auch im Zuge einer Schwangerschaft können durch die Hormonumstellung nicht selten plötzlich Pigmentflecken auftreten, die sich vorwiegend im Gesicht zeigen. Was man vorher nicht weiß: Entweder verschwinden diese Flecken nach der Schwangerschaft wieder von alleine, oder aber sie sind in manchen Fällen von bleibender Dauer.
Doch keine Panik: Wollen die Flecken nicht von alleine wieder verschwinden, gibt es die Möglichkeit sich mittels Laser, flüssigem Stickstoff oder mit einem chemischen Peeling behandeln zu lassen – das gilt auch für die späten Sonnenschäden.

Muttermal – Schönheitsfleck oder gesundheitliches Problem?
Marilyn Monroe machte ihn salonfähig und auch heute noch schmückt sich so manche Diva damit: der Schönheitsfleck. Dabei ist der kleine Pigmentfleck im Gesicht, den diese Damen so zu schätzen wissen, nicht einmal echt, sondern nur aufgemalt. Diejenigen hingegen, die ein echtes Muttermal im Gesicht oder unzählige Muttermale am ganzen Körper haben, sind meist gar nicht froh darüber und möchten diese am liebsten verschwinden lassen.
„Muttermale können sehr verschieden aussehen und am ganzen Körper auftreten. Sie sind entweder flach oder bilden ein kleines Knötchen, ihre Oberfläche kann glatt oder rau sein. Oft wachsen auch Haare aus den Nävi, wie Muttermale in der Fachsprache heißen. Die Farbpalette umfasst alle Töne von Braun bis Schwarz, in manchen Fällen können Muttermale allerdings auch blau oder rot sein“, so Prof. Kerl.
Ein Muttermal ist grundsätzlich medizinisch unbedenklich und braucht in der Regel keine Behandlung. In einigen Fällen kann ein harmloses aber zu einem bösartigen Muttermal (Melanom) werden, das operativ entfernt werden muss (siehe Kasten oben).

Altersflecken – unschöne Zeichen der Zeit
Auch Altersflecken sind Pigmentflecken, die meist als gutartige Wucherungen der Oberhaut in Form von graubraunen Flecken oft erst in der zweiten Lebenshälfte in Erscheinung treten. Sie sind meist linsengroß, können aber bis zu ­einigen Zentimetern Größe anwachsen und finden sich überwiegend an Hautstellen, die besonders stark der Sonne ausgesetzt sind, also im Gesicht, am Handrücken und den Unterarmen. In den meisten Fällen sind Altersflecken unbedenklich, stellen ein rein kosmetisches Problem dar und können ebenfalls mittels Laser, flüssigen Stickstoff oder mit einem chemischen Peeling bekämpft werden. Eventuell kann auch das konsequente Auftragen von Fruchtsäuren und konsequenter Lichtschutz vorbeugend helfen.

Aktinische Keratosen – die unterschätzte Gefahr
Eine Gefahr, die viele ältere Menschen oft unterschätzen und als „ordinäre“ Veränderungen der Haut auf die leichte Schulter nehmen, sind die so genannten Aktinischen Keratosen. Dabei sind diese alles andere als harmlos! Es handelt sich dabei um eine ernstzunehmende Hauterkrankung, die sich durch hautfarbene bis rötliche bzw. rötlich-braune Flecken oder schuppige bzw. krustige Erhebungen auf der Haut, meist im Gesicht und auf dem Kopf, im Schulterbereich und auf dem Dekolleté, sowie auf Unterarmen und Handrücken äußert. Betroffen sind also wieder jene Stellen, die im Laufe eines ­Lebens besonders der Sonne ausgesetzt wurden. Zu Unrecht werden Aktinische Keratosen deshalb oft als „Sonnenschwielen“ verharmlost, obwohl es sich in Wirklichkeit um Hautkrebs im Frühstadium handelt.
Prof. Kerl kennt die Gefahr und erläutert das Problem: „Aktinische Keratosen sind nichts anderes als so genannte Plattenepithelkarzinome, die in zehn Prozent der betroffenen Fälle invasiv werden und sich zum zweithäufigsten Hautkrebs überhaupt entwickeln! Das ist aber den meisten Betroffenen erst gar nicht bewusst!“
Und der Pool der Betroffenen ist riesig: Fast jeder zweite Über-60-Jährige hat Aktinische Keratosen! Aber sind sie erst einmal erkannt, ist die größte Hürde bereits genommen. Denn neben den bisher gängigen invasiven Verfahren zur Behandlung der Aktinischen Keratosen (z. B. das Abtragen mit einem scharfen Löffel oder das Vereisen mit flüssigem Stickstoff), gibt es nun eine neue Creme-Therapie, die gute Erfolge zeigt. Durch den neuen, erst im Jahr 2007 zugelassenen Wirkstoff „Imiquimod“ wird das mit zunehmendem Alter erschöpfte Immunsystem der Haut aktiviert und Krebszellen werden gezielt zerstört. In den meisten Fällen kommt es zu einer narbenfreien und schmerzlosen Abheilung.

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Die ABCD-Regel zur Selbstkontrolle
Zur leichteren Unterscheidung zwischen gutartigen, harmlosen und auffälligen Muttermalen, gibt es einige Richtlinien, die die Selbstkontrolle erleichtern und zur Früherkennung von Hautkrebs beizutragen.

A = Asymmetrie

  • gutartig:   symmetrisch (kreisrund)
  • verdächtig:   asymmetrisch

B = Begrenzung

  • gutartig:   scharf gegenüber der normalen Haut abgegrenzt
  • verdächtig:   zackig, unregelmäßig oder unscharf gegenüber der normalen Haut abgegrenzt

C = Colorit (Farbe)

  • gutartig:   einfärbig (braun oder schwarz)
  • verdächtig:   mehrfarbig (braun/schwarz/grau/weiß/rot/blau)

D = Durchmesser

  • gutartig:   unter 5 mm
  • verdächtig:   über 5 mm oder jede Größenzunahme

Bitte beachten Sie, dass diese Regel nur ein einfaches Hilfsmittel darstellt.
Sie ersetzt in keinem Fall eine Kontrolle beim Hautarzt! Personen mit angeborenen Muttermalen, ungewöhnlichen Muttermalen und über 100 Muttermalen sollten sich regelmäßig fachärztlich untersuchen lassen.

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Pigmentflecken vorbeugen
Gegen die Erbanlage zur Entstehung von Pigmentflecken kann man nichts unternehmen. Was man aber tun kann: die Faktoren eindämmen, die Hyperpigmentierung unterstützen und vorantreiben. Das heißt:

  • Vermeiden Sie übermäßige Sonnenbäder, vor allem im Sommer in der Zeit von 11 bis 16 Uhr, da die Sonneneinstrahlung zu dieser Zeit am stärksten ist.
  • Schützen Sie Ihre Haut durch entsprechende Kleidung und Kopfbedeckung, wenn Sie mittags in die Sonne müssen.
  • Vermeiden Sie durch entsprechenden Sonnenschutz einen Sonnenbrand.
  • Erkundigen Sie sich vor der Einnahme von Medikamenten nach möglichen Wechselwirkungen mit UV-Licht.
  • Untersuchen Sie sich regelmäßig selbst und achten Sie darauf, ob Sie Muttermale haben, die sich verändern. Vergessen Sie dabei nicht auf Fußsohlen und Kopfhaut! Für Stellen, die Sie selbst nicht untersuchen können, bitten Sie ein Familienmitglied um Hilfe.
  • Falls Ihnen ein Muttermal auffällt, das sich verändert hat oder schnell gewachsen ist, suchen Sie rechtzeitig einen Arzt oder eine Ärztin auf.
  • Beobachten Sie sämtliche wie auch immer geartete Pig­mentflecken regelmäßig selbst. Zeigt sich eine Auffälligkeit, suchen Sie ärztliche Hilfe. Jede Behandlung von Pigmentflecken muss von einem Hautarzt abgeklärt werden, damit die richtige Therapie gewählt werden kann.
     

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