Abnehmen per OP

Juni 2009 | Medizin & Trends

Magenband & Co gegen Kilos und Krankheiten
 
Weniger Essen und mehr Bewegung lautet das bekannte Rezept im Kampf gegen überschüssige Kilos. Doch diese Methode ist laut Prim. Univ. Doz. Dr. Karl Miller bei stark Übergewichtigen nur selten von dauerhaftem Erfolg gekrönt. Ganz anders verhält es sich mit einem Maßnahmenpaket, das neben einer Lebensstiländerung auch einen chirurgischen Eingriff enthält:
Mit Magenband & Co gelingt 80 Prozent der Übergewichtigen das Abnehmen ebenso wie das Schlankbleiben. Und nicht nur das: Auch Krankheiten wie Bluthochdruck und Diabetes können so geheilt werden.
 
Von Mag. Sabine Stehrer

Weniger Essen und mehr Bewegung, lautet der bekannte Rat der Mediziner, wenn es ums Abspecken geht. „Diese konservative Behandlungsmethode mit Diät und Sport führt aber nur bei einem bis drei Prozent der Adipösen, also stark Übergewichtigen, zum Erfolg“, sagt Primar Univ. Doz. Dr. Karl Miller vom Krankenhaus Hallein in Salzburg. Wobei der Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Adipositas-Chirurgie Erfolg beim Abnehmen mit der Abnahme der Hälfte des Übergewichts und dem Halten des neuen Gewichts über mindestens fünf Jahre definiert. Als großer Erfolg schließlich wird das Erreichen und Halten des Normalgewichts gewertet.

Behandlungspaket bringt Erfolg
„Das Normalgewicht erreichen oder die Hälfte des Übergewichts abnehmen, das schaffen unserer Erfahrung nach die meisten nur mit einem Behandlungspaket aus einer chirurgischen Maßnahme wie dem Legen eines Magenbands, einer Magenteilentfernung oder eines Magenbypasses mit gleichzeitiger Ernährungsumstellung und Lebensstiländerung unter Anleitung“, sagt Miller, der sich gemeinsam mit seinem Team aus Ernährungswissenschaftlern, Psychologen und Sportmedizinern seit 15 Jahren mit der Behandlung von übergewichtigen und fettleibigen (adipösen) Patienten beschäftigt. Die Erfolge, die mit solchen Therapiepaketen erzielt werden, sind auch zu beziffern: 80 Prozent der Übergewichtigen nehmen binnen eines Jahres nach der Operation die Hälfte des Übergewichts ab und können das neue Gewicht halten, ein Viertel der Patienten erreicht sogar das Normalgewicht und kann es halten.

Miller weiß, dass Übergewichtige wie andere Menschen auch Operationen scheuen, versichert aber, dass die chirurgischen Maßnahmen zur Reduktion des Übergewichts durch das Beisein erfahrener Chirurgen risikoarm sind. 1800 Mal im Jahr werden solche Maßnahmen hierzulande durchgeführt, viermal so viele Frauen wie Männer machen von der operativen Möglichkeit Gebrauch, sich von ihrem Übergewicht zu befreien. In den meisten österreichischen Bundesländern werden die Eingriffe ab einem BMI von 35 durchgeführt und ab einem BMI von 40 von den Krankenkassen bezahlt.

Auch Krankheiten schwinden
Das Maßnahmenpaket kann aber nicht nur schlank, sondern auch gesund machen: „Mit der Gewichtsabnahme werden 80 Prozent der Erkrankungen geheilt, die durch das Übergewicht entstanden sind“, sagt Miller. Bluthochdruck etwa, unter dem jeder zweite Übergewichtige leidet, schwindet bei 60 Prozent der Patienten nach Magenband-Operationen, bei 80 Prozent der Patienten nach Magenbypass-Operationen und bei 100 Prozent der Patienten nach malabsorptiven Eingriffen (siehe Kasten). Typ-II-Diabetes gehört, wie neuere Daten zeigen, bei vielen Betroffenen nach einem derartigen Eingriff der Vergangenheit an. Und die Lebensqualität, die von vielen Übergewichtigen mit einem BMI über 30 ebenso schlecht empfunden wird wie jene von Krebspatienten, die eine Chemotherapie durchmachen, wird nach dem erfolgreichen Abspecken wieder als sehr gut empfunden.

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Schlank durch Operation

Die Methoden im Überblick

Magenband
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Das Legen eines Magenbands dauert 20 bis 30 Minuten, erfolgt in Vollnarkose und laparoskopisch, also mittels Schlüssellochchirurgie. Das heißt, die Bauchdecke wird an vier Stellen aufgeschnitten, durch die der Chirurg seine Instrumente und das Band einführt, das er dann um den Magen legt. Das Band besteht aus Silikon und hat an einer Stelle ein ballonartiges Reservoir, in das später von außen Flüssigkeit injiziert oder entnommen werden kann, um das Band enger oder weiter zu stellen. Nach der Operation hat der Patient schneller als vorher ein Völlegefühl, isst weniger und verliert binnen zwei bis zweieinhalb Jahren bis zu 60 Prozent des Übergewichts. Das Magenband kann lebenslang im Körper bleiben, ohne dass der Operierte Beschwerden hat. Allerdings kann das Reservoir undicht werden, und wenn die Flüssigkeit austritt, wird das Band gedehnt, was auch den Magen wieder weiter macht, das Völlegefühl beschränkt und den Patienten dazu verführt, wieder mehr zu essen. Eine weitere mögliche Komplikation: Das Magenband kann verrutschen, wenn man erbricht.

Magenteilentfernung
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Die so genannte Sleeve Gastrektomie dauert 40 bis 50 Minuten und wird in Vollnarkose und ebenfalls laparoskopisch durchgeführt. Man entfernt den größeren rechten Teil des Magens (Korpus-Fundus), sodass ein zwei bis drei Zentimeter dicker Magenschlauch übrigbleibt. Dieser Schlauch wird mit Metallklammern gebildet, was das Füllungsvolumen deutlich verringert. Dadurch kommt es schon nach der Zufuhr kleiner Nahrungsmengen zum Sättigungsgefühl. Gleichzeitig gibt es Hinweise, dass durch die Magenteilentfernung das Hungerhormon (Ghrelin) vermindert ausgeschüttet wird und Patienten weniger Hunger spüren. Die operativen Risiken sind gering, die Gewichtsreduktionen sehr zufriedenstellend. Langzeiterfahrungen von Patienten nach dieser Operation fehlen allerdings noch.

Magenbypass
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Das Legen eines Magenbypasses dauert eine bis eineinhalb Stunden, erfolgt in Vollnarkose und an erfahrenen Zentren laparoskopisch. Bei diesem Eingriff wird der obere Abschnitt des Magens an den Dünndarm angeschlossen und der untere Teil des Magens ausgeschaltet, das heißt, die Nahrung gelangt sofort unter Umgehung des Magens in den Dünndarm. Das hat den Effekt, dass die Nahrungsaufnahme nur noch eingeschränkt funktioniert und man nicht viel essen kann, ohne dass einem übel wird. So erfolgt die Gewichtsabnahme schneller als nach einer Magenbandoperation: Die Patienten verlieren schon binnen eines Jahres bis zu 70 Prozent ihres Übergewichts. Der große Nachteil der Magenbypass-Operation: Da der Körper auch wichtige Nährstoffe schwerer als vor der Operation aufnehmen kann, drohen bei falscher Ernährung Mangelerscheinungen bis hin zu Blutarmut, Muskelschwund und Osteoporose. Auch der Magenbypass kann lebenslang bestehen bleiben.

Malabsorptive Eingriffe
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Bei anderen chirurgischen Eingriffen, die eine Gewichtsreduktion einleiten sollen, wird entweder der Magen verkleinert oder Zwölffingerdarm und/ oder Dünndarm werden umgeleitet, um die Aufnahmekapazität der Nahrung durch den Körper zu verringern. Zwar erfolgt der Gewichtsverlust nach diesen Operationen noch schneller als bei der Magenbypass-Operation, dafür sind aber auch die Risiken ungleich größer. Die Palette der unerwünschten Operationsfolgen reicht von chronischem Sodbrennen über Mangelerscheinungen bis hin zum lebensbedrohlichen Magendurchbruch. Nach den Operationen ist der präoperative Zustand nicht mehr wiederherzustellen, während die Magenband- und Magenbypass-Operationen wieder rückgängig gemacht werden können.

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Neuere Studienergebnisse zeigen:
Adipositas-OP heilt Diabetes

Bei einem Internationalen Chirurgenkongress, der vor wenigen Monaten in Wien stattgefunden hat, tauschten Experten ihre Erfahrungen und Studienergebnisse u. a. auch zum Thema „metabolische Chirurgie“ aus, jenem relativ jungen Gebiet der Chirurgie, das mit Hilfe verschiedener Methoden Fettleibigkeit und deren Begleiterscheinungen behandelt. Neuere Daten zeigen, dass derartige Maßnahmen noch mehr können als schlank machen: So stellte sich heraus, dass sie bei Menschen mit Typ-II-Diabetes einen direkten positiven Effekt auf die Erkrankung haben. Klinischen Studien zufolge habe ein Magenbypass eine besonders hohe Effektivität in der Normalisierung des Zuckerstoffwechsels.

Im März 2009 wurden bei einem internationalen Treffen der Adipositas-Chirurgen in Saalfelden am Steinernen Meer die Daten von 605 Studien über die Wirksamkeit und Sicherheit der metabolischen Chirurgie auf dem Gebiet des Diabetes präsentiert. Das Ergebnis: Adipositas-Chirurgie ist effektiv in der Behandlung des Typ-II-Diabetes, und zwar noch bevor eine signifikante Gewichtsreduktion eingetreten ist.

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Zwei Jahre nach der OP um 200 Kilo leichter

Vor zwei Jahren operierte das Team um Primar Univ. Doz. Dr. Karl Miller vom Krankenhaus Hallein in Salzburg den damals weltweit schwersten Patienten in Qatar (Vereinigte Arabische Emirate). Dem heute 30-jährigen Mann, der vor dem Eingriff 452 Kilo wog und zuletzt über ein Sauerstoffgerät beatmet werden musste, wurde laparoskopisch ein Teil des Magens entfernt. Er hat mittlerweile 200 Kilo abgenommen, kann wieder selbstständig atmen, und es geht ihm, so Prim. Miller zu MEDIZIN populär, „den Umständen entsprechend sehr gut“.

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